Lebensdaten
1882 bis 1950
Geburtsort
Hamburg
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Kaufmann
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119509652 | OGND | VIAF: 67277640
Namensvarianten
  • Rabe, John
  • Jon La be
  • Jon-Labe
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Zitierweise

Rabe, John, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119509652.html [09.03.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Marcus (1846–98), Kpt. auf d. Linien Hamburg-Amerika u. Hamburg-Ostasien, S d. Detlef u. d. A. Classen;
    M Anna Coelln, aus Uetersen (Holstein);
    Ov Johannes (John), Kaufm. in Australien;
    Shanghai 1909 Dora (1884–1964), T d. Emil Schubert, aus Heidelberg, Drogist in H., u. d. Anna Jasker;
    1 S Otto (* 1917), Dr. med., Arzt in Peking, dann Ottenau b. Baden-Baden, 1 T Margarethe (1910–97, Friedrich Wilhelm Schläger, 1901–60, Kaufm.);
    E Ursula (* 1931, Otto Reinhardt, * 1932, Studiendir. in B.).

  • Leben

    R. absolvierte nach der Mittleren Reife eine Lehre in einer Hamburger Exportagentur, in der er anschließend als Handlungsgehilfe arbeitete. 1903-06 war er in einer engl. Firma in Lourenço Marques im portugies. Moçambique tätig. Seit 1908 in Peking, arbeitete er hier seit 1911 für die Fa. Siemens, später in Tientsin, seit 1931 als Leiter der Firmenvertretung in Nanking. Dort gründete er 1934 eine dt. Schule; im selben Jahr trat er in die NSDAP ein.

    Nachdem im Juli 1937 Japan den Krieg gegen China eröffnet hatte und im Herbst mit einem Angriff auf die Hauptstadt Nanking zu rechnen war, gründete R. mit weiteren Ausländern, hauptsächlich Amerikanern, einen Ausschuß zur Einrichtung einer „Internationalen Sicherheitszone“ und übernahm den Vorsitz. Als die Japaner am 13. Dezember Nanking einnahmen, übten sie eine Schrekkensherrschaft aus. der ca. 300 000 Menschen zum Opfer fielen. R. nahm an der Spitze seines Komitees ca. 250 000 Flüchtlinge in die Sicherheitszone auf, die etwa 15% der ummauerten Stadt ausmachte, und konnte ihnen einen gewissen Schutz gewähren, wobei ihm seine Hakenkreuzarmbinde bei den Japanern Autorität verschaffte. Er kümmerte sich um eine medizinische Grundversorgung und die Beschaffung von Lebensmitteln und intervenierte erfolgreich bei der japan. Botschaft und bei Offizieren der Besatzungsarmee. Ein telegraphischer Appell an Hitler, mäßigend auf Japan einzuwirken, blieb jedoch unbeantwortet.

    R. harrte zunächst entgegen einer Order seiner Firma in Nanking aus. Als er im März 1938 nach Berlin zurückkehrte, brachte er Kopien von dokumentarischem Filmmaterial mit, das das Massaker der Japaner in China belegte. Wegen seiner Aufklärungsarbeit wurde er am 15.5.1938 von der Gestapo festgenommen, verhört und zum Schweigen verurteilt. R. hatte während seiner Tätigkeit für die Nankinger Sicherheitszone ein Tagebuch geführt, das er 1942 ins Reine übertrug. Es wurde erst 45 Jahre nach seinem Tode bekannt, in Auszügen veröffentlicht und in mehrere Sprachen übersetzt. Der Inhalt gilt als eine der wichtigsten Quellen zum Massaker von Nanking. R., der nach dem Krieg beruflich nicht mehr Fuß fassen konnte, starb völlig verarmt.

  • Literatur

    H. J. Timperley, What War Means: The Japanese Terror in China, A Documentary Record, 1938;
    Hsü Shushi (Hg.), Documents of the Nanking Safety Zone, 1939;
    W. Schenke, Reise an der gelben Front, Beobachtungen e. dt. Kriegsber.erstatters in China, 1940;
    J. R., Der gute Deutsche v. Nanking, hg. v. E. Wickert, 1997 (Tageb. R.s. P;
    s. E. Wickert, Menschenleben waren ihm wichtiger, J. R., der „Oskar Schindler v. Nanking“, in: FAZ v. 22.3.1997, P;
    M. Heuwagen, Menschenfreund mit Hakenkreuz am Ärmel, in: SZ v. 12./13.4.1997;
    Mil.geschichtl. Mitt. 57, 1998;
    FAZ v. 11.2.1999, P);
    Iris Chang, Die Vergewaltigung v. Nanking, Das Massaker in d. chines. Hauptstadt am Vorabend d. Zweiten Weltkriegs, 1999;
    Honda Katsuichi, The Nanjing Massacre, A Japanese Journalist Confronts Japan's Nat. Shame, hg. v. Frank Gibney, 1999;
    G. Krebs, Nanking 1937/38, Oder: Vom Umgang mit Massakern, in: Nachrr. d. Ges. f. Natur- u. Völkerkde. Ostasiens/Hamburg Nr. 167 f., 2000. |

  • Quellen

    Qu: BA Berlin (Akten d. Dt. Botschaft in China [R 9208], Bde. 2190, 2208, 2215).

  • Autor/in

    Gerhard Krebs
  • Empfohlene Zitierweise

    Krebs, Gerhard, "Rabe, John" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 63 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119509652.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA