Lebensdaten
1430 oder 1432 bis 1500
Beruf/Funktion
Graf von Oldenburg und Delmenhorst
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 138742537 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gerhard VI.
  • Gerhard VI. der Mutige
  • Gerd
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Zitierweise

Gerhard der Mutige, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd138742537.html [18.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Gf. Dietrich d. Glücklichen v. O. ( 1440, s. NDB III*), S d. Gf. Christian V. v. O. (erw. 1342-99) u. d. Agnes Gfn. Honstein (erw. 1377-94);
    M Heilwig ( um 1436), T d. Gf. Gerhard VI. v. Holstein, Hzg. v. Schleswig ( 1404, s. NDB VI), u. d. Elisabeth v. Braunschweig-Lüneburg;
    B Christian I. ( 1481), Hzg. v. Schleswig, Holstein u. Lauenburg, Kg. v. Dänemark (s. NDB III), Moritz (1428–64), Domherr in Köln u. Bremen, Rektor d. Univ. Erfurt 1447, Gf. v. Delmenhorst;
    1453 Adelheid ( 1477), T d. Gf. Nikolaus II. v. Tecklenburg u. d. Anna Gfn. v. Mörs; K, u. a. Adolf (Alf) (* 1458, 1500 b. Hemmingstedt), Gf. Johann XIV. v. O. (1460–1526), Otto ( 1500 b. Hemmingstedt), Domherr in Köln u. Bremen, Heilwig ( 1502, ⚭ Edo Wiemken, 1511, Häuptling zu Jever);
    N (S d. Moritz) Jakob;
    E Maria (1500–75), Erbin v. Jever.

  • Leben

    Mit seinen älteren Brüdern wuchs G. hauptsächlich am Hofe seines Oheims Herzog Adolf von Schleswig auf, während die Regierung der Grafschaften Oldenburg und Delmenhorst bis 1446 ein entfernter Vetter seines Vaters, Nikolaus, ehemaliger Erzbischof von Bremen (1421–34), führte. Sein in der Regierung folgender und 1448 zum König von Dänemark gewählter Bruder Christian trat später gegen die Erbansprüche auf Schleswig-Holstein und größere Zahlungsversprechen seinen Anteil an den Grafschaften an seine Brüder ab, die sie seit etwa 1450 selbständig regierten und nach längeren Zerwürfnissen 1463 aufteilten, wobei G. Oldenburg erhielt. Wiederholt kämpfte er mit wechselndem Erfolg gegen die benachbarten Friesen. Nach anfänglicher Unterstützung Christians kam es nach mehreren Aufenthalten in Schleswig und Holstein auch mit diesem zum Streit, wobei er sich mit den Bauern gegen den Adel verbündete und seinen Bruder zu verdrängen suchte, der ihn 1470 gefangennahm und auch 1472 siegreich blieb, als G. dem Ruf der friesischen Bauern nach Holstein gefolgt war. Durch seine schon 1452 beginnenden Räubereien in der Nord- und Ostsee und auf dem Lande von Delmenhorst aus, dem Sitz seines Mündels und Neffen Jakob, zog er sich die Feindschaft der am meisten betroffenen Hansestädte Bremen, Hamburg und Lübeck zu, die in dem Bischof Heinrich von Münster, Administrator von Bremen, ihren aktivsten Verbündeten fanden und 1474 den Endkampf begannen. G. schloß in diesem Jahre auf einer mit seinem Bruder durchgeführten, als Pilgerfahrt getarnten Reise nach Köln einen Dienstvertrag mit Herzog Karl dem Kühnen von Burgund zu gemeinsamen Unternehmungen gegen die Friesen. Bei dieser Gelegenheit ließ er vermutlich das berühmte Oldenburger Wunderhorn (jetzt in Kopenhagen) neu einfassen, das bis in die Zeiten der Romantik eine Rolle gespielt hat. 1476 schlug er zwar die Bremer, erlag aber nach dem Tode Karls und seines Bruders Christian den vereinten Bemühungen seiner Gegner. Diese eroberten Delmenhorst 1482, das an Münster überging. Seine Söhne mußten Frieden schließen, während er der Regierung entsagte und sich zunächst in das Kloster Rastede zurückzog. Seit 1487 erneut an Räubereien, hauptsächlich gegen holländische und hanseatische Schiffe, beteiligt, hielt er sich 1488 in Dänemark und danach vielleicht 2 Jahre in Schottland auf. Er starb auf der Rückreise von einer Pilgerfahrt nach Santiago di Compostela. Noch nach Generationen wirkte die Erinnerung an den bedenkenlosen, wortbrüchigen, verschlagenen und unberechenbaren Grafen nach, der durch seine kriegerischen und räuberischen Unternehmungen die Nordseeküstenländer von Holland bis Skandinavien in Unruhe gehalten und seiner Grafschaft schwere Schäden zugezogen hat, die seine Nachfolger erst allmählich ausgleichen konnten.

  • Literatur

    ADB VIII;
    H. Oncken, Gf. G. v. O., in: Jb. f. d. Gesch. d. Hzgt. Oldenburg II, 1893, S. 15-84;
    G. Rüthning, Oldenburg. Gesch. I, 1911, dass. Volksausg., 1937;
    J. Giesen, Das Oldenburger Wunderhorn, in: Jb. d. Kölner Gesch.ver. 25, 1950, S. 153-61;
    H. Lübbing, Oldenburg. Landesgesch., 1953;
    F. Petri, Nordwestdtld. in d. Pol. d. Burgunderherzöge, in: F. Petri u. W. Jappe Alberts, Gemeinsame Probleme Dt.-nd.länd. Landes- u. Volksforschung, 1962, S. 92-126.

  • Autor/in

    Harald Schieckel
  • Empfohlene Zitierweise

    Schieckel, Harald, "Gerhard der Mutige" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 269 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138742537.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Gerhard der Muthige, Graf von Oldenburg und Delmenhorst, geb. um 1430, 1499 (oder 1500), der dritte und jüngste Sohn des Grafen Diedrich, dem als dem Stammvater der nordischen Herrschergeschlechter die Geschichte den Beinamen des Glückseligen gegeben hat, und der Gräfin Heilwig, einer Schwester der letzten schaumburgischen Herzöge von Schleswig und Grafen von Holstein, wurde nach dem 1438 erfolgten Tode des Vaters mit seinen Brüdern Christian, dem nachmaligen Könige Christian I. von Dänemark (s. d.), und Moritz am Hofe ihres Oheims, des Herzogs Adolf VIII. von Schleswig-Holstein, erzogen. Da Moritz dem geistlichen Stande sich gewidmet hatte und Christian in Folge seiner Wahl zum König von Dänemark (1448) auf seinen Antheil an den Grafschaften Oldenburg und Delmenhorst verzichtete (1454), so fielen letztere dem Grafen G. allein zu. Moritz indeß entsagte dem geistlichen Beruf, vermählte sich mit einer Gräfin von Hoya und forderte den Besitz der Hälfte der Grafschaften mit gewaffneter Hand. Unterstützt von dem Herzog Wilhelm von Braunschweig, schlug G. den Bruder auf der Borstelheide (1463), mußte sich jedoch auf Andringen des Adels, der Geistlichkeit und der Bürgerschaft der Stadt Oldenburg dazu verstehen, die Herrschaft mit Moritz zu theilen, der aber schon 1464 starb. — Inzwischen war Herzog Adolf VIII. gestorben (4. Dec. 1459). G. und Moritz hatten, als Christian auf seine Rechte auf Oldenburg verzichtete (1454), bereits ihren Ansprüchen an Schleswig-Holstein zu dessen Gunsten gegen die Zusicherung einer Abfindung von 40000 rheinischen Gulden an jeden der Brüder entsagt. Weil aber die Zahlung derselben nicht rechtzeitig erfolgte, nahm G. für sich und als Vormund der Kinder seines Bruders Moritz seine Zuflucht zur Selbsthülfe, zog wiederholt nach Holstein (1465 u. 1466), besetzte Rendsburg und veranlaßte den König Christian, ihm die Einlösung verschiedener dem Adel verpfändeter Schlösser zu gestatten und ihn für die Zeit der Abwesenheit des Königs zum Statthalter zu ernennen. Da G. sich beim Adel durch Willkür verhaßt machte, während er die Anhänglichkeit der Bauern sich zu gewinnen wußte, schloß jener 1469 eine Verbindung gegen ihn, wodurch er bewogen wurde, sich in die westlichen Marschen zu begeben, wo die Bauern ihm Huldigung leisteten (1470). Der König erschien in Holstein und zwang G., die von ihm besetzten Schlösser herauszugeben, allen Ansprüchen, mit Ausnahme desjenigen auf die für die Aufgabe seines Erbrechts an Schleswig-Holstein noch rückständige Summe, zu entsagen und Urfehde zu schwören. Als indeß im J. 1472 die Friesen der schleswigschen Marschen einen Aufstand erregten, folgte G. ihrem Rufe und erschien wieder bei Husum, konnte aber der durch den Herzog von Mecklenburg und die Städte Hamburg uud Lübeck verstärkten dänischen Macht nicht widerstehen, wurde geschlagen und mußte in sein Erbland entweichen. Hier hatte inzwischen das Stift Bremen Ansprüche auf Delmenhorst erhoben. Der Erzbischof Heinrich II., zugleich Bischof von Münster, unterstützt durch die|Hamburger und Lübecker, welche G. durch den Handel störende Unternehmungen sich zu Feinden gemacht hatte, erschien 1473 vor Delmenhorst, wurde indeß durch die Vermittlung der Grafen von Hoya zum Abzuge veranlaßt. Aber im folgenden Jahre (1474) wurde G. vom Erzbischof und den mit ihm verbundenen Ostfriesen in Oldenburg, wiewol vergeblich, belagert, was ihn veranlaßte, Hülfe in einem Bündniß mit Karl dem Kühnen von Burgund zu suchen. Aber er mußte sich selbst helfen, als die Bremer, verstärkt durch Ostfriesen und Münsterländer wiederum ins Land fielen, und brachte den Feinden eine entscheidende Niederlage bei (1475), welche noch jetzt unter dem Namen der „Bremer Taufe“ beim Volke der Umgegend im Andenken steht. Ein Friede zu Quakenbrück (1476) setzten den Fehden ein Ziel. Da aber G. sein Versprechen, die Pilger, Kaufleute und Wanderer ruhig ihrer Straße ziehen zu lassen, nicht hielt, so belagerte Erzbischof Heinrich 1482 gleichzeitig Oldenburg und Delmenhorst. G. trat in seiner Bedrängniß die Regierung seinen Söhnen ab und verließ seine Heimath. Er scheint auswärts Spielraum für seine Fehdelust gefunden zu haben. Nach mehreren Jahren kehrte er zurück, indeß seine bloße Gegenwart war seinem unversöhnlichen Feinde, dem Erzbischof Heinrich, so furchtbar, daß er die Söhne bewog, dem Vater keinen Aufenthalt in Oldenburg zu gestatten. Der alte Graf zog nach Frankreich und starb 1499 in den Pyrenäen auf einer Wallfahrt nach St. Jacob zu Compostella. — Wegen seiner Fehdelust und persönlichen Tapferkeit hat er den Beinamen des Muthigen oder Streitbaren (bellicosus) erhalten. Für Oldenburg ist seine Regierungszeit, abgesehen von der Sicherung des Besitzes der friesischen Wede, der Erbauung des Schlosses zu Neuenburg (1462) und der Erwerbung Varels (1481), noch insofern von Bedeutung, als während derselben die erste planmäßige Bedeichung in den Marschen ausgeführt wurde.

    • Literatur

      von Halem, Geschichte des Herzogthums Oldenburg, Bd. I.

  • Autor/in

    Mutzenbecher.
  • Empfohlene Zitierweise

    Mutzenbecher, "Gerhard der Mutige" in: Allgemeine Deutsche Biographie 8 (1878), S. 746-747 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138742537.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA