Lebensdaten
erwähnt 706, gestorben um 761 oder 762
Beruf/Funktion
Bischof von Trier
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 138419280 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Milo von Trier
  • Milo
  • Milo von Trier

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Zitierweise

Milo, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd138419280.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus fränk. Hochadelsgeschl.;
    V Liutwin ( zw. 717 u. 722/23), Bischof v. Trier (s. NDB 14);
    M N. N.;
    Groß-Ov Basin ( 705), Bischof v. Trier.

  • Leben

    Nicht aufgrund geistlicher Qualitäten, sondern gleichsam durch Erbfolge wurde M. Bischof von Trier. Da sein Vater Liutwin dessen Onkel Basin bereits in diesem Amt gefolgt war, erscheint M. als Repräsentant einer unkanonischen Bischofsdynastie. Die Priester- und Bischofsweihe hat er nie empfangen. Als Diakon ist er 706 erstmals bezeugt in einer für die Trierer Kirche St. Eucharius (später St. Matthias) ausgestellten Urkunde; als Bischof von Trier war er nachweislich 723 im Amt. Seine Herkunft aus einer der ersten Familien des austras. Adels, die den Aufstieg der Karolinger tatkräftig unterstützte, sicherte ihm die Gunst Karl Martells, der M. wahrscheinlich gleichzeitig mit der Nachfolge in Trier auch die Leitung des Bistums Reims übertrug.

    M. gilt als Hauptgegner der bonifatianischen Kirchenreform in Austrasien. Er vereitelte die von Bonifatius angestrebte Wiederherstellung der Metropolitanordnung im Ostteil des Frankenreichs. M. entfremdete Kirchengut für familiäre und politische Zwecke, ließ aber das von seinem Vater gestiftete Hauskloster Mettlach an der Saar in seinem Besitzstand unangetastet. Auf eine unkirchliche Amtsführung und eine ungeistliche Lebensweise M.s läßt ein Passus in einem Papstbrief von 751 schließen. Papst Zacharias bezieht sich darin auf von Bonifatius vorgebrachte Klagen gegen bestimmte Vertreter des fränk. Episkopats; er ermahnt seinen Legaten in Germanien, „M. und seinesgleichen …, die den Kirchen sehr viel schaden“, ins Gewissen zu reden; falls sie nicht umkehrten, würden sie „unweigerlich ins Verderben stürzen, verstrickt in ihren Sünden“. Nach dem Zeugnis Hinkmars von Reims (Brief von 863) verteilte M. Reimser Bistumsbesitz mit Zustimmung Pippins unter seine illegitimen Söhne und Gefolgsleute. Da M. auch nach dem Tod des ihn begünstigenden Karl Martell (741) im Amt belassen wurde, ist anzunehmen, daß die Gründe für eine Absetzung doch wohl nicht ausreichten. In den Augen des geradezu skrupulös auf die Erhaltung der kanonischen Ordnung bedachten Bonifatius war M. das Musterbeispiel eines schlechten Bischofs im verweltlichten Episkopat der fränk. Landeskirche. Über den Tod und das Grab M.s besitzen wir keine sicheren Quellen. Die trierische Überlieferung weiß von einem Jagdunfall als Todesursache. Im Meulenwald (= Milowald) bei Trier-Ehrang sei der Bischof von einem Eber angefallen und tödlich verletzt worden.

  • Literatur

    E. Ewig, M. et eiusmodi similes, in: Sankt Bonifatius, Gedenkausgabe z. 1200. Todestag, 1954, S. 412-40;
    ders., Treverensia, 1. M. v. T., in: Archiv f. mittelrhein. KG 6, 1954, S. 229 f.;
    ders., Trier im Merowingerreich, Civitas, Stadt, Bistum, 1954,|S. 118, 141 ff.;
    Th. Raach, Kloster Mettlach/Saar u. sein Grundbesitz, 1974;
    H. H. Anton, Trier im frühen MA, 1987;
    Lex. MA.

  • Autor/in

    Andreas Heinz
  • Empfohlene Zitierweise

    Heinz, Andreas, "Milo" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 530 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138419280.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Milo, Bischof von Trier, stammt aus einem mächtigen Geschlecht. Sein Großoheim Basinus war Graf und Bischof von Trier, sein Vater Leodvin (Liutwin, Lodoinus) Herzog des belgischen Galliens und gleichfalls Bischof von Trier, Rheims und Laon. Nach seinem Tode setzte ihn sein Sohn Milo in seiner eignen Stiftung, dem Kloster Mettlach an der Saar, bei, in welcher Gegend die Familie begütert gewesen zu sein scheint. Auch Milo's Bruder, Wido, in mehreren Urkunden als Zeuge angegeben, war Graf und Stammvater des bedeutenden Geschlechts der Widonen, dem unter Karl d. Gr. mehrere Markgrafen der Bretagne und ferner Guido von Spoleto, 891 Kaiser von Italien, angehörten. M. widmete sich dem geistlichen Stande, war Diaconus, dann Abt und ward von Karl Martell, dessen Anhänger er war, nach Verjagung des Rigobert als Bischof von Rheims, vielleicht auch nur als Nießnutzer der dortigen Kirchengüter, dann auch als Bischof von Trier eingesetzt. Nach späten, theilweise unsicheren Berichten hat er ein wildes, weltliches Leben geführt, die unterstellten Kirchen geschädigt, ihre Güter verschleudert. Jedenfalls war er ein Gegner des Bonifaz und hat vielleicht als solcher den Bischof Abel von Rheims bedrängt oder gar verdrängt. Er spielt also in dem Leben des Bonifaz wie in der großen Frage von der Säcularisation der Kirchengüter unter Karl Martell und Pippin eine Rolle. Das genannte Kloster Mettlach scheint nach einer Urkunde aus der Zeit Karls d. Gr. (777—791) Familieneigenthum gewesen, dann aber, mit bischöflichen Gütern Vermischt, M. von Karl Martell und später von Pippin verliehen, daher auch von ihm mit Aebten, wie Ebraus, Ratbert, Hartham, dem späteren Bischof von Trier, versehen, endlich aber von Pippin seiner früheren Entscheidung zuwider, Lantbert, dem Neffen Milo's, auf gewaltsame Weise übertragen worden zu sein. Die Söhne Lantbert's nahmen es als Allod des Vaters in Anspruch. Ein Rechtsspruch Karls d. Gr. zu Diedenhofen überwies es aber der Kirche von Trier als ihr Eigenthum. Als Bischof erscheint M. 722 und zuletzt 751 in Actenstücken, soll aber nach später Quelle eine 40jährige Amtszeit gehabt und seinem Laienleben gemäß den Tod auf der Jagd durch einen Eber gefunden haben.

    • Literatur

      Vgl. Rettberg. K. G. I, 307, 468, 470. — Hahn, Jahrb. d. fr. Reichs. S. 131 f. u. 186 f. —
      Waitz, Ueber das Herkommen des Markgrafen Wido|von Spoleto und Wüstenfeld, über die Herzoge v. Sp. aus dem Hause der Guidonen. Forsch. z. D. Gesch. III, 149—154 u. 383—432 (1863). —
      Abel, Karl d. Gr., S. 184. —
      Sickel, A. K., K. 97 u. S. 257. Mühlbacher, Reg. d. Kar. Karl d. Gr., Nr. 252. — Ribbeck, Die sog. Divisio d. fr. Kirchengutes, Diss., Leipz. 1883, S. 25 ff., 73, 93.

  • Autor/in

    Hahn.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hahn, "Milo" in: Allgemeine Deutsche Biographie 21 (1885), S. 758-759 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138419280.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA