Lebensdaten
1906 bis 1988
Geburtsort
Uzdin (Banat)
Sterbeort
Rom
Beruf/Funktion
Tänzer ; Choreograph
Konfession
griechisch-orthodox
Normdaten
GND: 119519089 | OGND | VIAF: 121855485
Namensvarianten
  • Miholyi, Aurèl Milloss
  • Milloss, Aurel von
  • Miholyi, Aurèl Milloss
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Zitierweise

Milloss, Aurel von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119519089.html [22.04.2021].

CC0

  • Genealogie

    Die Fam. war während d. Türkenkriege in d. ungar. Adelsstand erhoben worden u. nannte sich nach ihrem Stammsitz in Miholy (Transsilvanien); – V Kornel, Biologe u. Pharmakologe;
    M Slavka N. N. ( 1908), Pianistin.

  • Leben

    Schon als Kind begeisterte sich M. für die ungar., slaw. und rumän. Volkstänze seiner Heimat. Die Eltern förderten seine musische Erziehung. Nachhaltigen Eindruck hinterließ das Gastspiel der „Ballets Russes de Serge Diaghilew“. M. studierte Philosophie, Musik, Literatur und Kunstgeschichte. Seine klassisch-akademische Tanzausbildung erhielt er bei Nicola Guerra in Budapest, Anton Romanowski in Bukarest, Elena Poliakowa in Belgrad, Olga Preobrajenska in Paris, Victor Gsovsky in Berlin und Enrico Cecchetti in Mailand. Zum freien Tanz kam er durch Rudolf v. Laban, bei dem er Mitte der 20er Jahre in Berlin Unterricht nahm. Somit vereinigen sich in M.s künstlerischem Schaffen der klassisch-akademische Tanz mit den Errungenschaften des Ausdruckstanzes, basierend auf Labans Prinzipien über das Verhältnis von Kraff, Raum und Zeit beim Tanz. M. war bei der Schaffung seiner Ballette bemüht, die Autonomie des Ausdrucks aller beteiligten Künste zu respektieren.

    1928 wurde M. als Tänzer an die Berliner Staatsoper engagiert und trat daneben in Solotanzabenden auf, wie etwa in der Galerie „Der Sturm“ in Berlin; bei diesen Auftritten zeigte er eine expressiv-groteske Tanzmanier. 1929-32 war M. als Tänzer in Hagen, Duisburg und Breslau engagiert, 1932-34 leitete er die Augsburger Tanzbühne, 1934/35 wirkte er als Ballettmeister in Düsseldorf. 1936 floh er aus politischen Gründen nach Budapest, war Ballettmeister am Ungarischen Nationaltheater und hatte enge Kontakte zu Béla Bartók und Zoltan Kodály. 1938 emigrierte M. nach Italien, erhielt 1960 die ital. Staatsbürgerschaft und lebte bis zu seinem Tod in Rom. Durch zahlreiche choreographische Neuschöpfungen, durch die Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Komponisten, wie Goffredo Petrassi und Luigi Dallapiccola, und den Malern Giorgio De Chirico, Gino Severini, Enrico Prampolini und Renato Guttuso gelang es ihm, das ital. Ballett zu reformieren. Er wirkte in Rom, Mailand, Venedig, Palermo, beim Maggio Musicale Fiorentino und bei den Festspielen in Spoleto. Ein ästhetischer und intellektueller Ansatz prägte sein choreographisches Werk. Er schuf Choreographien zu bereits vorhandenen und zu eigenen Libretti; seit den 50er Jahren kreierte er wiederholt handlungslose Ballette. Als Ballettdirektor legte er größten Wert auf internationale Gastchoreographen.

    M. war 1938-45 und 1966-69 Ballettdirektor an der Römischen Oper, 1946-50 an der Mailänder Scala, 1960-63 an der Kölner Oper sowie 1963-66 und 1971-74 an der Wiener Staatsoper. Als Choreograph arbeitete er auch in Paris, Stockholm, São Paulo, Rio de Janeiro und Buenos Aires. Sein Œuvre umfaßt nahezu 175 Ballette. M. choreographierte auch für andere Theatergattungen und inszenierte gelegentlich Opern.

  • Werke

    Choreographien: Dt. Tänze (F. Schubert), Augsburg 1933;
    Intermezzo ungherese (Z. Kodály), Rom 1941;
    Der wunderbare Mandarin (B. Bartók). Mailand 1942;
    Capricci alla Strawinsky (I. Strawinsky), Rom 1943;
    Le Portrait de Don Quichotte (G. Petrassi), Paris 1947;
    La Follia di Orlando (G. Petrassi), Mailand 1947;
    Marsia (L. Dallapiccola), Venedig 1948;
    Passacaglia (J. S. Bach), Rio de Janeiro 1954;
    Estro barbarico (B. Bartók), Köln 1963;
    Die Einöde (E. Varèse), Wien 1965;
    Orpheus verliert Eurydike (F. Liszt), Wien 1966;
    Estri (G. Petrassi), Spoleto 1968;
    An d. Zeiten (D. Milhaud), Wien 1972;
    Per Aspera (G. Ligeti), Wien 1973;
    Relazioni Fragili (F. Cerha), Wien 1974. – Operninszenwrungen: Wozzeck, Rom 1942;
    Idomeneo, Venedig 1947;
    Oedipus Rex, Palermo 1958. – Schrr.: Zur Aktualität d. Ballettklassik, in: Österr. Musikzs. 18, Nov. 1963, S. 501-06;
    Das Erbe d. Expressionismus, in: Maske u. Kothurn 11, 1965, S. 329-43;
    Strawinsky u. d. Ballett, in: Die Tanzarchiv-Reihe 10, 1965, S. 18-24.

  • Literatur

    O. F. Regner, Das neue Ballettbuch, 1962, S. 138-48;
    P. H. Hauser, Der Choreograph A. v. M. u. sein Wiener Wirkungsbereich, Diss. Wien 1975;
    G. Tani, Il balletto e l'opura di A. v. M. al Maggio Musicale Fiorentino, 1977;
    G. Zosi, Rircerca e sintesi nell'opera di Goffredo Petrassi, 1978;
    V. Ottolenghi (Hrsg.), Il balletto nel Novecento, 1983, S. 81-87;
    L. Bentivoglio, La Danza Contemporanea, 1985, S. 234 ff.;
    A. Linfert-Markarowa, Tanz als Spiel, in: Theater heute 2, H. 2, Febr. 1961, S. 25 f.;
    H. Koegler, Wien – Am Rande jener Horizonte, in: Die Tanzarchiv-Reihe 20, H. 12, Mai 1973, S. 370-72;
    G. Schüller u. A. Oberzaucher, Zum 75. Geb.tag v. A. v. M., in: Tanzbll. 5, Nr. 31, Juni 1981, S. 23-28 (P);
    L. Bentivoglio, Interview mit A. v. M., in: Ballett-International 9, H. 5, Mai 1986, S. 15-21 (P);
    P. Veroli, The Choreography of A. M., Part One: 1906-1945, in: Dance Chronicle 13, Nr. 1, 1990, S. 1-46, Part Two: 1946-1966, ebd., Nr. 2, 1990, S. 193-240, Part Three: 1967-1988, ebd., Nr. 3, 1991, S. 368-92;
    Enciclopedia dello Spettacolo, 1960;
    BHdE II.

  • Autor/in

    Ursula Kneiss
  • Empfohlene Zitierweise

    Kneiss, Ursula, "Milloss, Aurel von" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 529-530 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119519089.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA