Lebensdaten
1869 bis 1938
Geburtsort
Herzebrock bei Gütersloh
Sterbeort
Gütersloh
Beruf/Funktion
Industrieller
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 13838245X | OGND | VIAF

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Zitierweise

Miele, Carl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd13838245X.html [22.11.2017].

CC0

  • Genealogie

    Aus Bauernfam.;
    V Gerhard (1840–1908), Kleinbauer u. Maurermeister in H., S d. Kötters Johann Hermann (1800–67) u. d. Maria Katharina Westermann (1811–77), beide aus H.;
    M Maria Anna Katharina (1827–1907), T d. Gerhard Heinrich Johannes Sander (1781–1855), Schreiner in H., u. d. Anna Christiane Bömcher (1787–1862), Herzebrock 1896 Maria Katharina Zuwickern (1877–1949), T d. Bauern Bernhard Meierzuwickern (1848–84) u. d. Anna Theresia Grewe (1846–90), beide aus H.;
    2 S, Carl (1897–1986), Heinrich (1908–64), beide Leiter d. Fa. Miele nach d. Tod d. Vaters;
    E Rudolf (* 1929), Geschäftsführer d. Fa. Miele.

  • Leben

    M. wuchs auf einem Bauernhof im Postdorf Herzebrock bei Gütersloh auf; dort wird er auch die Volksschule besucht haben. Von seinem Vater, der eine kleine Landwirtschaft betrieb und im Winter als Maurer arbeitete, erlernte er das Maurerhandwerk. Im Januar/Februar 1888 besuchte er die technische Fachschule der Stadt Buxtehude. Am 21.2.1895 kaufte M. ein Wohnhaus mit Anbau, in dem eine Baustoffhandlung existierte. Er wird im Kaufvertrag als Maurermeister bezeichnet. M. setzte die Baustoffhandlung fort und dehnte das Geschäft auf Haus- und Küchengeräte aus. Erste Versuche mit der Herstellung einer selbstentwickelten Milchzentrifuge endeten nach einigen Monaten mit dem Brand der Werkstatt. 1898 besuchte ihn der Verkaufsreisende für Eisenwaren Reinhard Zinkann; mit ihm beschloß M., eine eigene Zentrifugenfabrik zu errichten, und gründete dazu am 1.7.1899 die Firma Miele & Cie. M. konstruierte eine neue Zentrifuge namens „Meteor“, deren Produktion und Absatz bald florierten. Elf Arbeiter wurden beschäftigt. 1901 entwickelte M. den Prototyp einer Buttermaschine. Nachdem diese erste Erweiterung des Produktionsprogramms erfolgreich verlaufen war, begann M. kurz darauf mit dem Bau der ersten Holzbottichwaschmaschinen. 1907 wurden Fabrik-, Wohn- und Kontorgebäude in Herzebrock zum Preise von 7000 Mark verkauft. Der Standort hatte sich für den unerwartet hohen Auftragsstand als zu eng erwiesen.

    Seit 1907 führten M. und Zinkann die Firma Miele & Cie in Gütersloh in vergrößertem Maßstab in einer ehemaligen Pumpen- und Metallwarenfabrik weiter. Zinkann sorgte mit der Gründung von Verkaufsbüros für den Absatz, und M. entwickelte weitere Maschinen, so eine neue patentierte Milchzentrifuge in zehn Größen unter dem Namen „Juwel“. Sie wurde auf landwirtschaftlichen Ausstellungen prämiert, was sich fördernd auch auf den heimischen Absatz auswirkte. Aufgrund der guten Ertragslage entschlossen sich die Inhaber 1910 zu einer für die damalige Zeit ungewöhnlichen Weihnachtsgratifikation für die Mitarbeiter. 1909 war bereits eine Betriebskrankenkasse errichtet worden; auch Wohnhäuser für Mitarbeiter wurden gebaut.

    M. interessierte sich für die technischen Neuerungen seiner Zeit, besonders für das Automobil, und ließ 1912 ein viersitziges Miele-Auto bauen und an einer Sternfahrt teilnehmen. Obwohl der Wagen sich bewährte, verwarfen M. und Zinkann den Plan der Autoproduktion wegen der hohen Personal- und Kapitalrisiken. Die Fabrikation von Buttersowie Wasch- und Mangelmaschinen dehnte sich mehr und mehr aus, abgesehen von Zeiten mit Arbeitskräfte- und Materialmangel im 1. Weltkrieg. Es wurden dann zeitweilig Leiterwagen gebaut. Daneben begannen die Firmeninhaber 1916 mit dem Aufbau einer Fahrradproduktion, wobei sie auf die in Bielefeld vorhandenen Fachkräfte zurückgreifen konnten, denn die Stadt war bereits ein Zentrum der deutschen Fahrradindustrie. Inflationsbedingt lief die Produktion jedoch erst 1923 richtig an. Bis dahin machten Zentrifugen und 24 verschiedene Waschmaschinenmodelle mit Handantrieb, Wassermotor, Elektromotor oder Antrieb über Transmission den Hauptteil der Produktion aus. Ende 1922 beschäftigte das Unternehmen 1500 Mitarbeiter.

    Schon früh erkannte M. die Bedeutung der Anzeigenwerbung als Verkaufshilfe für Markenartikel. Durch Textanzeigen mit Verbraucheraufklärung wurde das Wort „Miele“|gleichsam zum Synonym für Waschmaschine. Auch die in den 20er Jahren neu hinzukommenden Melkmaschinen, Elektrostaubsauger und elektrischen Wäschemangeln wurden durch einprägsame Werbung auf dem Markt gut eingeführt. 1929 entwickelte die Firma Miele die erste elektrische Haushaltsgeschirrspülmaschine Europas, und nach dem Einbruch durch die Weltwirtschaftskrise kam als neues Produkt der Miele-Eisschrank auf den Markt. Da M. den Händlern Skonto gewähren konnte, erhielt die Firma sofortige Zahlungen und kam u. a. aus diesem Grunde glimpflich über die Finanzkrise hinweg. 26 eigene Verkaufsbüros im Inland und sechs im Ausland sorgten für den Absatz. 1936 lief in Bielefeld nach 12jähriger Produktion das 500 000. Fahrrad vom Band. Das mit einem 98 ccm Fichtel & Sachs-Motor ausgestattete Miele-Motorrad eroberte den Markt.

    Aus Anlaß seines 50. Geburtstages spendete M. (ebenso wie sein Teilhaber Zinkann) 100 000 Mark für die Unterstützungskasse der Mitarbeiter. Seit der Gründung des Arbeitgeberverbandes für Gütersloh und Umgebung 1918 gehörte M. dessen Vorstand an. 1921 stiftete er der kath. Gemeinde Gütersloh ein Vereinshaus. Für diese und andere Verdienste um die kath. Kirche erhielt er von Papst Benedikt XV. den Orden „Pro Ecclesia et Pontifice“. Anläßlich seines 60. Geburtstages benannte die Stadt Gütersloh die am Werk vorbeiführende Straße nach ihm.

    M.s Sohn Carl, seit 1922 Kommanditist und Mitarbeiter, wurde im Oktober 1937 als persönlich haftender Gesellschafter in die Firma Miele & Cie aufgenommen. Er führte das Unternehmen zusammen mit seinem Bruder Heinrich und mit Nachkommen der Familie Zinkann – u. a. Kurt Christian Zinkann (1904–85) – weiter. 1980 waren noch drei Vertreter der Familie in der Firma tätig. Die Mielewerke GmbH & Co., Gütersloh, mit zahlreichen Zweigwerken beschäftigten 1990 14 400 Mitarbeiter.|

  • Auszeichnungen

    Ehrenbürger v. Gütersloh (1932).

  • Literatur

    H. Renk u. E. Ruhle, Männer d. Wirtsch., Unternehmen d. Gründerzeit, 1966, S. 163 ff. (P);
    50 J. Miele, 1949;
    75 J. Miele, 1974;
    Miele, Qualität hat e. Namen, o. J.Mitt. d. Fa. Miele.

  • Autor

    Barbara Gerstein
  • Empfohlene Zitierweise

    Gerstein, Barbara, "Miele, Carl" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 474 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd13838245X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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