Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
schwäbische Adelsfamilie
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 138144389 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Neuffen, von

Objekt/Werk(nachweise)

Zitierweise

Neuffen, von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd138144389.html [17.11.2018].

CC0

  • Leben

    Die Herren von N. (im Neckargau südl. von Nürtingen) zählten im 12. und 13. Jh. zur Spitzengruppe adliger Familien im Südwesten des Reiches. Der im späten 11. Jh. in der päpstl. Reformpartei Schwabens begegnende Manegold von Sulmetingen (im Rißtal), zu dessen Vorfahren der gleichnamige Neffe des hl. Ulrich von Augsburg gehörte, gilt als Erbauer der am Albtrauf gelegenen Burg Hohenneuffen, des später namengebenden Sitzes der Familie. Manegolds Ehe mit Mathilde aus dem Uracher Grafenhaus begründete den später mehrfach beanspruchten gräflichen Rang der Familie. Aus der Verwandtschaft der Uracher mit den Grafen von Achalm erklärt sich wiederum das enge Verhältnis Manegolds zum Kloster Zwiefalten: Hier wurde er mit seiner Gattin beigesetzt, hier traten seine Kinder Ulrich und Mechtild ein. Sein in welf. und zähring. Umgebung bezeugter Sohn Egino ( nach 1145) nannte sich erstmals nach Neuffen. Doch verlagerte sich der Herrschaftsschwerpunkt mit Liutfried v. Weißenhorn, einem mutmaßlichen Neffen Eginos, zunächst wieder nach Osten in den Iller-Günz-Raum, und auch Liutfrieds Sohn Berthold ( nach 1221), der mit Adelheid, der Erbtochter der Grafen v. Achalm-Gammertingen, verheiratet war, blieb vorerst noch im oberschwäb. Raum verankert, wo er im Gefolge Hzg. Welfs VI. und seit 1185 der stauf. Schwabenherzöge nachweisbar ist. Seit 1200 band sich die nun durchgängig nach Neuffen benannte Familie eng an das stauf. Königtum: Berthold unterstützte Philipp und gehörte später zum Gefolge Friedrichs II. und Heinrichs (VII.) in Deutschland. Seine Söhne setzten diese Linie fort: Heinrich ( nach 1246) und Albrecht ( 1245) waren Vertraute der Staufer in Deutschland und Italien, Berthold wurde Protonotar Friedrichs II. und 1217 Bischof von Brixen ( 1224). Nach der Hilfeleistung Heinrichs und seiner Söhne Heinrich und Gottfried (s. NDB VI) für den aufständischen Kg. Heinrich (VII.) 1235 mußte die Familie Besitz (u. a. die Burg Achalm) an Friedrich II. abtreten. Um 1240 näherten sich Heinrich und Albrecht zeitweise der päpstl. Partei in Schwaben an, und ein Mitglied der Familie unterstützte 1246 den Gegenkönig Heinrich Raspe. Doch blieben die N. insgesamt gesehen auf Seiten der Staufer. Während die Linie Heinrichs die Gfsch. Neuffen Ende des 13. Jh. an Konrad v. Weinsberg verkaufte, von dem sie 1301 an Württemberg überging, gelang es Albrechts Sohn Berthold durch den Erwerb der Gfsch. Marstetten, die Herrschaft an der Iller mit Sitz in Weißenhorn zu stabilisieren, wo Bertholds Enkel Albrecht ( 1306) das Erbbegräbnis der Familie errichtete.

    Dessen Ehe mit der Gfn. Elisabeth v. Graisbach aus dem Haus der Grafen v. Lechsgemünd entstammte Berthold ( 1342), der nach dem Aussterben der mütterlichen Familie (1324) die Gfsch. Graisbach erbte. Dieser berühmte Vertreter des letzten Zweigs der Herren von N. stand seit 1311 im militärischen, administrativen und persönlichen Dienst Kaiser Ludwigs d. Bayern. 1323 von Ludwig zum Reichsvikar für die Lombardei, die Toskana und die Mark ernannt, wo er mit Unterbrechungen bis 1331 amtierte, verteidigte Berthold das ghibellin. Mailand erfolgreich gegen einen Angriff der päpstl. Partei. 1331-41 fungierte er als Hauptmann im Hzgt. Oberbayern. 1335 wurde er vom Kaiser nach England gesandt, um ein Bündnis mit Kg. Eduard III. abzuschließen. Die Nachkommenschaft Bertholds, welche Ludwig d. Bayer bis auf die seinem Enkel Hzg. Friedrich verheiratete Tochter Anna aus dynastischem Interesse in den geistlichen Stand versetzen ließ, starb zu Beginn des 15. Jh. aus.

  • Literatur

    H. Decker-Hauff, Berthold v. N., Gf. v. Marstetten u. Graisbach, kaiserl. Gen.vikar f. Italien, um 1290–1342, in: Lb. Schwaben 6, 1957, S. 28-40;
    H.-M. Maurer, Die hochadligen v. N. u. v. Sperberseck im 12. Jh., in: ZWLG 25, 1966, S. 59-130;
    H. Thomas, Ludwig d. Bayer (1282–1347), Kaiser u. Ketzer, 1993.

  • Autor/in

    Thomas Zotz
  • Empfohlene Zitierweise

    Zotz, Thomas, "Neuffen, von" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 117 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138144389.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA