Lebensdaten
1872 - 1951
Geburtsort
Todtnau (Schwarzwald)
Sterbeort
Harrington Park (New Jersey)
Beruf/Funktion
Friseur ; Erfinder der Dauerwelle
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 138043752 | OGND | VIAF: 86194264
Namensvarianten
  • Neßler, Karl Ludwig
  • Nestlé, Charles (nach 1900)
  • Nessler, Karl
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Orte

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Zitierweise

Neßler, Karl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd138043752.html [08.05.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Bartholomäus (* 1842) Schuhmacher;
    M Rosina Laitner (* 1844);
    1901 Katharina Laible (1879–1935);
    2 S, 2 T.

  • Leben

    1876 verlor die Familie bei einem Stadtbrand in Todtnau ihren Besitz und fand bei Verwandten im nahegelegenen Fahrnau Aufnahme. N. erhielt nur eine rudimentäre Schulbildung, zeigte aber schon früh Interesse für naturkundliche Beobachtungen. Er begann eine Lehre bei einem Barbier in Fahrnau, die er indes nach wenigen Monaten abbrach. Schon damals befaßte er sich mit der Frage, weshalb sich Haare unter bestimmten Umständen kräuseln bzw. strecken. Auf Wanderungen 1885-92 in der Schweiz und Oberitalien lernte er Französisch und Italienisch und arbeitete in verschiedenen Berufen (u. a. in einer Uhrenfabrik), ohne eine neue Lehre zu|beginnen. In Genf fand er eine Anstellung in einem modernen Friseurgeschäft; in Paris erlernte er die von dem Franzosen François Marcel entwickelte Methode des Ondulierens (eine nur kurze Zeit anhaltende Heißverformung des Haares mittels einer neuartigen Brennschere), die er weiterzuentwickeln hoffte. Um 1900 eröffnete N. in London ein eigenes Geschäft, wo er zunächst von ihm erfundene und hergestellte künstliche Augenbrauen und Wimpern vertrieb und seinen Namen in „Charles Nestlé“ änderte. 1906 trat er mit der von ihm entwickelten Dauerondulation an die Öffentlichkeit, 1908 wurde seine Erfindung patentiert. Das Verfahren bestand darin, eine Haarsträhne um einen Stab zu wickeln, mit einer alkalischen Lösung zu tränken und mit einer erhitzten Hülse zu umgeben. Die alkalische Lösung brach die Keratin-Disulfid-Brückenbindungen der Haarsträhne auf, wozu die Wärmebehandlung erforderlich war, und stabilisierte die Haarsträhne in der gewellten Form durch Neubildung der Disulfidbrücken in verschobener Anordnung. Die Hülse war zunächst eine in der Flamme erhitzte zylindrische Zange, seit 1909 wurden elektrisch beheizte Wickelhülsen eingeführt. Die Behandlung war langwierig und unter Umständen schmerzhaft, zudem teuer, bot jedoch den Vorteil, daß das Haar seine gewellte Form mehrere Wochen behielt und auch durch Waschen nicht einbüßte, daher der Name „Dauerwelle“. N.s Verfahren stieß bei den Friseuren, die finanzielle Einbußen befürchteten, auf Ablehnung, konnte sich aber trotzdem langsam durchsetzen. Zu Beginn des 1. Weltkrieges wurde N. interniert, konnte jedoch 1915 nach den USA entkommen und eröffnete in New York ein Geschäft, dem in den nächsten Jahren Filialen in Chicago, Philadelphia, Palm-Beach und Detroit folgten. Sein Vermögen ermöglichte es ihm, nach dem 1. Weltkrieg die notleidende Bevölkerung seiner Heimatstadt Todtnau großziigig zu unterstützen.

    N. ließ nicht nur Dauerwellen legen, er produzierte auch die hierfür nötigen Apparate und Chemikalien sowie diverse Kosmetika. 1927 beschäftige er eigenen Angaben zufolge ca. 500 Mitarbeiter. 1928 verkaufte er seine Geschäfte, Fabrikationsstätten und Patente an die künftige „Nestlé-Le Mur-Gesellschaft“. Im folgenden Jahr verlor er beim New Yorker Börsenkrach einen Großteil seines in Aktien angelegten Vermögens; bald darauf brannte sein ausgedehnter Landsitz in der Nähe von New York vollständig ab. 1934 erfand N. den „Cha-Ness-Apparat“ zur Hautregeneration, der die Bildung von Falten einschränken und das Haarwachstum verbessern sollte. Das Gerät basierte auf einer von ihm entwickelten Theorie des Haarwachstums und der Hauterneuerung, die sich indes als nicht haltbar erwies. Die Produktion der Apparate mußte bald nach Ende des 2. Weltkriegs eingestellt werden. – Das Dauerwellverfahren N.s wurde 1924 durch die sog. Flachwicklung von Josef Mayer verbessert und im Laufe der folgenden Jahre mehr und mehr verdrängt. Etwa seit Mitte der 1940er Jahre entwickelte sich das bis heute gebräuchliche Verfahren der sog. Kaltdauerwelle auf der Basis von Thioglykolsäure, das rasch und einfach anzuwenden und für das Haar schonender ist.

  • Werke

    The Story of Hair, 1928;
    Our Vanishing Hair, 1934.

  • Literatur

    E. Körner, Zauber d. Frisur, 1964, S. 195-201 (P);
    H. Lehmberg, K. L. N. u. d. Erfindung d. Dauerwelle, 21986 (P);
    M. Jedding-Gesterling u. G. Brutscher (Hg.), Die Frisur, 1988.

  • Autor/in

    Claus Priesner
  • Empfohlene Zitierweise

    Priesner, Claus, "Neßler, Karl" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 76 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138043752.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA