Lebensdaten
1843 bis 1922
Geburtsort
Modena
Sterbeort
Baden bei Wien
Beruf/Funktion
Admiral
Konfession
katholische Familie
Normdaten
GND: 137952686 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Montecuccoli degli Erri, Rodolfo Graf von
  • Montecuccoli degli Erri, Rudolf Graf von
  • Montecuccoli, Rodolfo Graf von
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Zitierweise

Montecuccoli, Rodolfo Graf von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137952686.html [21.02.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Luigi (Aloys) Ranieri (1800–52) k. k. u. hzgl. modenes. Kämmerer u. Oberstlt., S d. Massimiliano Careo Maria Marchese di Vaglio (1765–1836), hzgl. modenes. Kämmerer u. Major;
    M Caroline (1813–61), T d. Karl Frhr. v. Puthon (* 1780), auf Teesdorf (Niederösterreich), Dir. d. österr. Nat.bank u. Großhändler, u. d. Apollonia Julier Freiin v. Badenthal (1783–1818);
    1885 Emilie (1863–1914), T d. Gustav Frhr. v. Suttner (österr. Frhr. 1867, 1826-1900) Fideikommißherr auf Kirchstetten (Niederösterreich), u. d. Adele Arioli v. Markowitz (1834–1913), auf Alt-Prerau (Niederösterreich);
    3 S, 1 T, u. a. Alfons Karl (1893–1952), k. u. k. Linienschiffslt.

  • Leben

    M. trat nach Absolvierung der Marine-Akademie 1859 in den aktiven Dienst der k. k. Kriegsmarine und nahm noch im selben Jahr am Krieg gegen Frankreich und Sardinien teil. Als Linienschiffsfähnrich erlebte er 1866 die für Österreich siegreiche Seeschlacht bei Lissa an Bord der Fregatte „Adria“. Auch an der Niederschlagung des Aufstandes in Süddalmatien 1882 und an der internationalen Blockade der griech. Küste und Kretas 1884 wirkte M. mit und empfahl sich für höhere Aufgaben. Sie traten an ihn heran, als er nach einigen Missionsfahrten, einer Dienstleistung im Seearsenal von Pola und dem Kommando von Schlachtschiffen im Eskadre-Verband im Juli 1900 den Befehl über die wegen des Boxeraufstandes nach China entsandte „Ostasien-Eskadre“ (vier Kreuzer) übernahm. In dieser Funktion war M. Mitglied des dortigen Admiralrates, sowie Befehlshaber der gelandeten k. u. k. Truppen. Nachdem er im September 1901 dieses Kommandos enthoben worden war, erfolgte schließlich 1903 seine Ernennung zum Stellvertreter des Chefs der Marinesektion und seine Beförderung zum Vizeadmiral. Nach dem Rücktritt des Admirals Freiherrn von Spaun wurde M. 1904 zum Marinekommandanten und Chef der Marinesektion des Kriegsministeriums ernannt. 1905 erfolgte die Ernennung zum Admiral. In seine bis 1913 dauernde Amtszeit fällt an großen Einsätzen der Kriegsmarine die internationale Flottendemonstration im Nov./Dez. 1905, die die Türkei zur Annahme des insbesondere von Rußland und Österreich-Ungarn ausgearbeiteten Reglements zur Finanzkontrolle in Mazedonien veranlaßte. Vor allem wurde während seiner Amtszeit die Flotte gewaltig ausgebaut.

    In den Jahren 1904/05 wuchs das Mißtrauen der Militär- und Marinekreise Österreich-Ungarns gegenüber dem verbündeten Italien wegen dessen Hinwendung zu Frankreich. Der Chef des k. u. k. Generalstabes und seine Berater hielten ein aktives Eingreifen Italiens in die politische Krise in Ungarn zur Unterstützung der dortigen „Unabhängigkeitspartei“ für möglich, ja sogar einen Überfall durch die ital. Flotte. In einer Art Sofortprogramm beantragte das Kriegsministerium eine Verdoppelung der für Militärerfordernisse vorgesehenen Budgetsumme, wobei die Hälfte davon der Kriegsmarine zugute kommen sollte. Bei ihr sollten für „Ersatz- und Neubauten“ außerordentliche Kredite in Anspruch genommen werden. M. war wegen seiner fachlichen Vorzüge, seiner gesellschaftlichen Stellung und seiner geschickten Verhandlungstaktik gegenüber den Delegationen (den Ausschüssen der österr. und ungar. Parlamente für gemeinsame Angelegenheiten) für die Durchsetzung derartiger Anliegen besonders geeignet und schließlich erfolgreich. Er vertrat, propagandistisch unterstützt auch durch den 1902/03 gegründeten „Österr. Flottenverein“, den Neubau von Schlachtschiffen, Schnellkreuzern, Torpedobootzerstörern, Hochseetorpedobooten, U-Booten, Monitoren, Patrouillenbooten und Schwimmdocks. Damit ließ sich Österreich-Ungarn auf einen Rüstungswettlauf mit Italien ein. Unter M.s Ägide fielen sodann die Errichtung der ersten U-Boot-Station bei Cap Compare (1909) und der ersten Seeflugstation auf der Insel Santa Catalina vor Pola (1912).

    Im Mittelpunkt blieb aber immer das Schiffbauprogramm und hier der Bau der neuartigen Großkalibergeschützschiffe, der „Dreadnoughts“. Vier Einheiten der sog. „Viribus-Unitis-Klasse“ (eines Dreadnought-Typs) waren vorgesehen. M. hatte angesichts der politischen Krise in Ungarn, die das Zusammentreten der Delegationen über ein Jahr lang verhinderte, selbständig und auf eigene Gefahr vorzugehen. Er schlug den Werften 1909 ein Arrangement vor, daß zwei Dreadnoughts auf Kiel gebracht werden sollten, offiziell auf das Risiko der Werften, jedoch mit der Zusage|M.s, die Schiffe nach erfolgter Bewilligung der Bausummen aufzukaufen. Im Oktober 1913 wurde das Flaggschiff „Viribus unitis“ in den Dienst gestellt, der erste Dreadnought eines Mittelmeer-Staates überhaupt. M. suchte am 22.2.1913 aus Altersgründen um Pensionierung an, die ihm gewährt wurde.

  • Literatur

    H. Bayer v. Bayersburg, Österreichs Admirale 1867-1918.1962, S. 118 ff.;
    H. H. Sokol, Des Kaisers Seemacht, Österreichs Kriegsmarine 1848-1914 (Gesch. d. k. u. k. Kriegsmarine, III. Teil), 1980, S. 197 ff.;
    L. Höbelt, Die Marine, in: Österr. Ak. der Wiss., Die Habsburgermonarchie 1848-1918, V: Die Bewaffnete Macht, 1987, S. 687-763;
    ÖBL.

  • Autor/in

    Peter Broucek
  • Empfohlene Zitierweise

    Broucek, Peter, "Montecuccoli, Rodolfo Graf von" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 47 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137952686.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA