Lebensdaten
erwähnt 1134, gestorben 1142
Sterbeort
Magdeburg
Beruf/Funktion
Erzbischof von Magdeburg
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 137951493 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Konrad von Querfurt
  • Konrad I. von Querfurt
  • Konrad I.
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Zitierweise

Konrad I., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137951493.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Gf. Gebhard v. Querfurt;
    M Oda Gfn. v. Ammensieben;
    B Burchard I. ( um 1162), Burggf. v. Magdeburg; Vt 2.Grades Kaiser Lothar III. ( 1137);
    Groß-N Konrad I. ( 1202), Bischof v. Hildesheim u. Würzburg (s. NDB XII).

  • Leben

    Der Domherr K. war bereits 1125 der von der Mehrheit des Domkapitels gewünschte Kandidat für den Erzbischofsstuhl. Da er nur die Subdiakonsweihe besaß, scheiterte er aber am Einspruch des Dompropstes Friedrich und des Abtes Arnold vom Kloster Berge, und Norbert wurde Erzbischof. Nach dessen Tode wurde K. nicht zuletzt wegen seiner Verwandtschaft mit Lothar III. in dessen Anwesenheit am 29.6.1134 zum Erzbischof gewählt. Infolgedessen trat er bald in den Reichsdienst, beteiligte sich aber nicht aktiv an der Ostpolitik des Kaisers. Ohne daß Einwirkungen auf die Reichspolitik erkennbar werden, weilte K. häufig am Hofe und nahm am Würzburger Hoftag 1136 teil. In Zusammenarbeit mit Albrecht dem Bären wirkte er hier für die Erlangung von Ermäßigungen der Elbzölle für die Magdeburger Kaufleute. Dann nahm er am Italienzug des Herrschers teil. Nach dem Tode Lothars trat K. nach einigem Zögern auf die Seite Herzog Heinrichs des Stolzen und damit auf die Seite der Gegner Konrads III. Damit geriet er nun in Gegensatz zu Albrecht dem Bären und den Grafen von Plötzkau. Es kam zu kriegerischen Auseinandersetzungen, in deren Verlauf die Burgen Bernburg und Plötzkau zerstört wurden. Die Verwaltung des Erzstifts wurde nach dem oft starren und gewalttätigen Vorgehen EB Norberts in geordnete Bahnen gelenkt.|Nach dem Tode des letzten Groitzscher Grafen gab K. die mit dem Burggrafenamt verbundene Hochvogtei über das Erzbistum 1136 an seinen Bruder Burchard von Querfurt. Durch Neuerteilung oder Bestätigung vorhandener Privilegien wurden vor allem die Stifte und Klöster Neuwerk bei Halle, Gottesgnaden und Ammensleben von K. gefördert. In der neu einsetzenden Missionierung der Gebiete östlich der Elbe hielt er sich zurück. Den Wiederaufbau des Bistums Brandenburg störte er durch Beharren auf den Magdeburger Zehntansprüchen in diesen Bereichen nicht unerheblich.

  • Literatur

    ADB 16;
    D. Claude, Gesch. d. Erzbistums Magdeburg bis i. d. 12. Jh., II, 1975, S. 39-53.

  • Autor/in

    Berent Schwineköper
  • Empfohlene Zitierweise

    Schwineköper, Berent, "Konrad I." in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 509 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137951493.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Konrad I., Erzbischof von Magdeburg (1134—1142), stammte aus einem edlen sächsischen Geschlechte; er war der Sohn des Grafen Gebhard von Querfurt, des Brudersohns der Großmutter Kaiser Lothars III., eine Verwandtschaft, die für seine Laufbahn von wesentlichem Einflusse war. Seine Mutter hieß Oda und stammte aus dem Geschlechte derer von Ammensieben. Bereits im frühen Alter wurde er für den Dienst der Kirche bestimmt, unter Erzbischof Adelgot von Magdeburg (1107—1109) begann er seine geistlichen Studien; darnach dürfte er um das Jahr 1100 geboren sein. Als Adelgot's Nachfolger, Erzbischof Rüdiger (19. December 1125), gestorben war, wurde K. mit fast allen Stimmen zu dessen Nachfolger erwählt, nur der Abt Arnold vom Kloster Berge und der Dompropst Friedrich widersetzten sich dieser Wahl, indem sie behaupteten, daß K. nach canonischem Rechte als Subdiacon noch zwei Weihen zu erhalten habe, ehe er Bischof werden könne. Die Anwesenheit König Lothars konnte die Einigkeit nicht herbeiführen, die Magdeburger Wahlangelegenheit wurde erst im Juni auf dem Hoftage in Speier entschieden. Hier traten die von beiden Parteien für den erledigten erzbischöflichen Stuhl erwählten Candidaten zurück, und Norbert, der Stifter des Prämonstratenser Ordens, wurde vom Kaiser, dem anwesenden päpstlichen Legaten Gerhard und den sächsischen Prälaten zum Erzbischof von Magdeburg bestimmt. Als aber Norbert gestorben war (6. Juni 1134), wurde, wohl auf Veranlassung Lothars, der am Peter-Pauls-Tage (29. Juni) in Magdeburg weilte, K. jetzt ohne Widerspruch zu dessen Nachfolger erwählt. Lag es auf der einen Seite im Interesse Lothars, einen seiner nächsten Verwandten auf dem erzbischöflichen Stuhle von Magdeburg zu wissen, so war es andererseits auch für die Magdeburgische Diöcese wichtig, daß an ihrer Spitze ein Mann aus angesehenem, dem Kaiser verwandten und reichem sächsischen Geschlechte stand, denn K. theilte nach dem Tode seines Bruders Gebhard den großen elterlichen Besitz nur noch mit einem Bruder Namens Burchard. Zu wiederholten Malen finden wir Lothar in Magdeburg und an seinem Hofe deutsche und auswärtige Fürsten; für Magdeburg schienen die Zeiten Ottos des Großen wiederkehren zu wollen, denn ein sächsischer Herzog saß wieder auf dem deutschen Throne. So lange Lothar lebte, sehen wir K. stets treu auf dessen Seite stehen. So wurde Lothars Gegenkönig, Konrad der Hohenstaufe, durch den Magdeburger Erzbischof in den Schooß der Kirche wieder aufgenommen. Aber auch an Gunstbezeugungen Lothars fehlte es nicht. Als Heinrich von Groitsch, der auch die Burggrafschaft Magdeburg inne hatte, am 31. December 1135 gestorben war, erhielt Konrads Bruder, Graf Burchard, dies erledigte Lehen (Mai 1136), das in seiner Familie bis 1269 blieb. Bald darauf traf Lothar die Zurüstungen zu seinem Römerzuge. Am 15. August 1136 fand ein Reichstag zu Würzburg statt, zu dem sich neben einer großen Anzahl von hohen Geistlichen und weltlichen Fürsten auch Erzbischof K. einfand. Hier erhielten auch die Magdeburger Kaufleute vom Kaiser ein Privilegium, das den Zoll auf der Elbe bis zur Mündung der Tanger an drei Erhebungsstellen je nach der Größe der Fahrzeuge festsetzte und dadurch den Handel in der Nordmark erleichterte. Bald darauf brach der Kaiser mit einem großen Heere nach Italien auf, in dem sich auch Erzbischof K. befand. Eine Magdeburger Geschichtsquelle theilt mit, daß er zur Bestreitung der Ausgaben für den Heereszug bei seiner Kirche vorher eine starke Anleihe machte. In mehr als einer wichtigen, vom Kaiser in Italien ausgestellten Urkunde erscheint|K. als Zeuge. Auch von kriegerischen Thaten der Magdeburger wird berichtet. Als die Bewohner von Ancona bei Belagerung ihrer Stadt einen Ausfall auf das kaiserliche Heer machten, schlug der Magdeburger Erzbischos sie zurück. Kurze Zeit nachher (nach dem 11. April 1137) kam es in einem kleinen Orte Mittelitaliens, den man eingenommen hatte, wol bei dessen Plünderung, zu einem Streite zwischen Baiern und Sachsen, wobei K. und seine Leute beraubt wurden. Aber der Markgraf Konrad von Wettin legte sich ins Mittel und verschaffte den Sachsen das Uebergewicht, welche jetzt die Baiern ausplünderten und verjagten. In Bari ertheilte der Erzbischof auf Veranlassung des Papstes Innocenz II. einer Menge von Geistlichen die Weihen (2.—5. Juni 1137), am 5. September assistirte er der Einweihung des Erzbischofs von Benevent, am 2. October erhielt er vom Papste eine Urkunde, welche die Grenzen zwischen den Diöcesen Magdeburg und Meißen genauer bestimmt, und am 6. November ist er in Ceneselli Zeuge in einer Urkunde des Kaisers. Wahrscheinlich wird er sich wol bis zu Lothars Tode in dessen Begleitung befunden haben. Als jetzt bei Erledigung des deutschen Thrones die Hoffnungen des kaiserlichen Schwiegersohns, Heinrichs des Stolzen, nicht in Erfüllung gingen, und als man in Norddeutschland, wo man der Herrschaft des neuen Königs aus dem hohenstaufischen Hause widerstrebte, die Waffen gegen Markgraf Albrecht den Bären ergriff, welchem König Konrad III. das Herzogthum Sachsen übertragen hatte, stand auch K. auf Seite der welfisch-sächsischen Opposition. Im Frühjahr 1139 zog er in das Land Albrechts und eroberte Plötzkau, das er zerstörte. Im Sommer standen sich der Hohenstaufe und der Welfe mit ihren Heeren bei Kreuzburg an der Werra gegenüber, in Heinrichs des Stolzen Heere befand sich auch der Magdeburger Erzbischof. Aber zur Entscheidung der Waffen kam es hier nicht, sondern nur zu einem Waffenstillstand. Als zwei Monate später Heinrich der Stolze starb und Albrecht der Bär das ihm entrissene Land wieder zu gewinnen suchte, erhoben sich das sächsische Volk und seine Fürsten gegen ihn. So rückte K. mit einem Theile der sächsischen Streitkräfte vor Jabilinze, vielleicht das heutige Belzig, das er eroberte und dem Erdboden gleich machte. Ueber die weitere Theilnahme des Erzbischofs an den welfisch-hohenstaufischen Kämpfen und den allgemeinen Reichsangelegenheiten sind wir nicht unterrichtet. — Was Konrads kirchliche Wirksamkeit betrifft, so scheint sie sich, soweit die nicht sehr zahlreich erhaltenen Urkunden ein Urtheil zulassen, wesentlich auf die Vollendung und weitere Ausstattung der bereits von seinen Vorfahren begonnenen geistlichen Stiftungen (so Kloster Gottes Gnade bei Calbe a. S., Kloster Ammensleben, Kloster Unserer Lieben Frauen in Magdeburg) in seinem Sprengel zu beschränken; auch an Schenkungen seinerseits an die Magdeburger Kirche fehlt es nicht. K. starb am 2. Mai 1142.

    • Literatur

      Chronicon Magdeburgense bei Meibom, Script. Rer. Germ. tom. II, 328 ss. Annales Magdeburgenses bei Pertz, M. G. XVI, 184 ss. Annalista Saxo bei Pertz, M. G. VIII, 769 ss. Chron. mon. Grat. Dei bei Pertz, M. G. XX, 689. Chron. montis sereni bei Pertz, XXIII, 144 s. v. Mülverstedt, Regesta archiepiscopatus Magdeburgensis I, 422 ss. Bernhardi, Lothar v. Supplinburg.

  • Autor/in

    K. Janicke.
  • Empfohlene Zitierweise

    Janicke, Karl, "Konrad I." in: Allgemeine Deutsche Biographie 16 (1882), S. 590-591 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137951493.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA