Lebensdaten
1846 bis 1918
Geburtsort
Groß-Ingersheim (Württemberg)
Sterbeort
Stuttgart
Beruf/Funktion
Erfinder der Leitz-Registratur ; Fabrikant
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 136617735 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Leitz, Louis

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Zitierweise

Leitz, Louis, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd136617735.html [10.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Die Fam. ist seit Anfang 17. Jh. in Württemberg (Langenbeutingen, Neuenstadt, Groß-Ingersheim) nachweisbar u. übte vor allem d. Küferhandwerk aus. - V Joh. Ludwig (1810–60), Küfer in G., S d. Küfers Christian Gottlieb, d. v. Neuenstadt nach G. übersiedelte, u. d. Christina Barbara Dauttel aus Bietigheim;
    M Christophine Friederike Durian (1812–58);
    1882 Sophie Rock (1860–1944);
    2 S, 2 T, u. a. Ludwig (1884–1954), Eberhard (1888–1955), Fabrikanten, Geschäftsnachfolger L.s;
    E Manfred (* 1915), Martin (1925–76), Conrad (* 1927), alle Geschäftsführer d. Fa. Leitz.

  • Leben

    L. hatte eine schwere Jugend. Mit 12 Jahren verlor er die Mutter, zwei Jahre später – er hatte gerade die Drechslerlehre begonnen – den Vater. L. und seine Geschwister kamen in verschiedene Pflegeschaften. Schon als junger Drechslergeselle erkannte L., daß die Industrie sein Handwerk brotlos machen würde, und ließ sich zum Mechaniker ausbilden. Zehn Jahre lang sammelte er in verschiedenen Betrieben technische Erfahrungen. In dieser Zeit lernte er auch die Herstellung von Biblorhaptes (Spieß-Ordnern) kennen, die nach Ablauf eines Pariser Patents auch in Deutschland gefertigt wurden, allerdings in unbefriedigender Qualität. L. war davon überzeugt, daß mit Biblorhaptes-Apparaten gute Geschäfte zu machen sein würden, wenn man die franz. Qualität erreichte oder gar übertraf. So machte er sich im Juli 1871, erst 25 Jahre alt, als „Mechaniker und Facturabücher-Fabrikant“ selbständig und stellte Biblorhaptes-Apparate in verbesserter Qualität her. Nach anfänglichen Schwierigkeiten gingen die Geschäfte gut, doch die umständliche Handhabung der Apparate ließ L. nicht ruhen. 1886 erfand er die Aushebe-Mechanik zum Leitz-Registrator. Jetzt war es möglich, die einzelnen Blätter an jeder beliebigen Stelle mit einem Register alphabetisch einzuordnen; die bis dahin erforderliche Numerierung der Blätter für ein handgeschriebenes Suchregister wurde überflüssig. Um diese Zeit kam aus Amerika eine neuartige Umlege-Mechanik auf einer Brettunterlage. Aus dieser primitiven Bügelmechanik entwickelte L. die heute millionenfach bewährte Hebelmechanik, bei der die Bügel fest geschlossen und arretiert|werden können. Da er von der Überlegenheit stehender Ordner überzeugt war, nietete er seine Mechanik in einen Bucheinband, und damit war 1893 der Leitz-Ordner geschaffen. Er erwies sich als ein großer Wurf. Für die Produktion wurde schon fünf Jahre später in Stuttgart-Feuerbach ein großzügiges Fabrikgebäude erstellt. Zu den Ordnern kamen die Register und die Locher, später Hefter und Mappen. Diese Erzeugnisse wurden in die ganze Welt geliefert. Mit der Erfindung des Leitz-Ordners hatte L. die Technik der Schriftgut-Verwaltung revolutioniert. – Nach seinem Tod führten seine Söhne das Werk in der Rechtsform einer OHG (seit 1949 KG) erfolgreich fort. Heute leiten L.s Enkel und Urenkel ein blühendes Unternehmen. Rund 2 000 Mitarbeiter in fünf Werken fertigen fast 1 000 Artikel. Exportiert wird in 120 Länder. Der Jahresumsatz übersteigt 200 Mill. DM.

  • Literatur

    Leitz-Briefordner 1871-1921, 1921;
    Leitz-Ordnung im Wandel d. Zeit, 1971 (P);
    F. Rüther (Hrsg.), Könner, Köpfe, Karrieren, Bd. 2, 1974;
    Der Volkswirt Jg. 19, 1965, Nr. 44;
    Wirtsch.woche v. 18.4.1975;
    Mitt. d. Firma.

  • Autor/in

    Hans-Joachim de Wall
  • Empfohlene Zitierweise

    Wall, Hans-Joachim de, "Leitz, Louis" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 175 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136617735.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA