Lebensdaten
1592 bis 1636
Beruf/Funktion
Bauernkriegsführer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 136240585 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Aichinger, Martin (eigentlich)
  • Der Laimbauer
  • Aichinger, Martin (eigentlich)
  • mehr

Zitierweise

Der Laimbauer, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd136240585.html [23.05.2019].

CC0

  • Genealogie

    L. wurde nach s. in d. Herrschaft Luftenberg gelegenen Gut „der Laimbauer“ genannt.

  • Leben

    Nach dem Zusammenbruch des oberösterr. Bauernkrieges 1626 wurde L., die merkwürdigste Persönlichkeit unter den oberösterr. Bauernführern dieser Zeit, wegen seines Bekenntnisses zum ev. Glauben von seinem Hof vertrieben. Er war Initiator der „Machländ. Bewegung“ in den heutigen Bezirken Freistadt und Perg. Sie bildete die letzte, nicht mehr sozialrevolutionäre, sondern rein religiöse Phase der oberösterr. Bauernkriege 1632, 1635 und 1636 ist L. aktenkundig; jeweils zu Frühlingsanfang und im Spätherbst trat er für wenige Tage als Prediger auf und konnte rasch große Massen um sich sammeln. Er forderte seine Landsleute zu Glaubenstreue und im Hinblick auf das von ihm verkündete baldige Weltende zu sittenstrenger Lebensführung auf. Dabei berief er sich auf seine visionären Erlebnisse in der anderen Welt, in der er mit Gott Vater und einem Engel habe sprechen können und den Auftrag von Gott erhalten habe, den Protestantismus in Oberösterreich wieder aufzurichten und die Seelen der Verstorbenen in die andere Welt zu geleiten. Im letzten Jahr seines Auftretens, als sich die Unvermeidbarkeit militärischer Auseinandersetzungen mit den zahlen- und ausrüstungsmäßig weit überlegenen Truppen des Adels und des Landeshauptmannes Ludwig Gf. Kuefstein bereits abzeichnete, stärkte L. den Mut seines „Volkes“, – rund 300 Personen, darunter nur an die 60 bewaffnete Männer, die übrigen Frauen und Kinder –, indem er sie vor Gefechten und bei Beziehen eines Lagers einen Kreis bilden ließ, sie mit Weihwasser besprengte und ihnen versicherte, es könne ihnen nun nichts mehr geschehen, weil, wenn sie nur tapfer kämpften, Gott selbst für sie fechten werde und, wenn die Not am höchsten sei, „Kaiser Friedrich von den Bergen“ mit seinen Reitern ihnen zur Hilfe kommen werde. In dieser Hoffnung gingen seine Anhänger nach drei siegreichen Gefechten auch in die letzte Schlacht auf dem Frankenberg bei Mauthausen, in der sie nach fünfstündigem Kampf in der auf Befehl des Landeshauptmanns angezündeten Kirche in einem in der österr. Geschichte beispiellosen Gemetzel niedergemacht wurden. Die wenigen Überlebenden wurden nach Linz getrieben, wo sie, als erster L. selbst zusammen mit seinem vierjährigen Söhnchen, am 20.6.1636 enthauptet und gevierteilt wurden. Ob sich L. zeitweise selbst mit einer der großen Gestalten des Volksglaubens, deren Hilfe er erwartete, identifizierte, ist nicht bekannt. Auffallend ist jedoch, daß er sich zweimal mit einer von ihm selbst hergestellten weißen, mit Sternen und Buchstaben geschmückten Fahne inmitten seines „Volkes“ zeigte.

  • Literatur

    F. Ch. v. Khevenhiller, Ann. Ferdinandei XII, 1726, S. 1955 ff.;
    F. Wilflingseder, M. L. u. d. Unruhen im Machlandviertel 1632–36, in: Mitt. d. oberösterr. Landesarchives 6, 1959, S. 139 ff.;
    E. Burgstaller, Zwei Fahnen aus d. Zeit d. Bauernkriege, in: Fahnen u. Textilien, Kat. z. Ausstellung d. Stadtmus. Linz, 1970, S. 29 f., 53 f.;
    ders., Mythos, Symbol u. Brauch in d. oberösterr. Bauernkriegen, in: Mannus, Zs. f. Dt. Vorgesch. 40, 1974, S. 333 ff.;
    ders., M. L. u. s. Machländ. Bauernbewegung, Versuch e. volkskundl. Durchleuchtung, in: Kunstjb. d. Stadt Linz 1973, 1975, S. 3 ff.;
    ders., Der letzte oberösterr. Bauernkrieg (1632–36) in hist. u. volkskundl. Sicht, in: In memoriam A. Jorge Dias II, 1974, S. 79 ff.

  • Autor/in

    Ernst Burgstaller
  • Empfohlene Zitierweise

    Burgstaller, Ernst, "Der Laimbauer" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 418 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136240585.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA