Lebensdaten
1937 bis 2001
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Hamburg
Beruf/Funktion
Schauspieler
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 13476899X | OGND | VIAF: 50339235
Namensvarianten
  • Roggisch, Peter
  • Roggisch, Pether

Porträt(nachweise)

Orte

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Zitierweise

Roggisch, Peter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd13476899X.html [13.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    N. N.; kinderlos.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Gymnasiums in Lokstedt bei Hamburg, studierte R. zunächst Jura, dann Schauspiel in Hamburg. Über die Theaterstationen Bern (Debüt 1958), Burgtheater Wien (1960), anschließend Kammerspiele Hamburg sowie Theater Basel (1962–64) ging er zum Württ. Staatstheater nach Stuttgart (1964–72), wo er unter Peter Palitzsch (* 1918) auf die politische Relevanz des Theaters aufmerksam wurde. Hiervon bestimmt war seine Spielweise, die von Kritikern als präzis kalkulierte, kühl-distanzierte Darstellungskunst gewürdigt wurde und mit der er von ihm verkörperte Figuren analysierte und kommentierte, um damit auch gesellschaftliche Verhältnisse zu problematisieren. R.s Selbstverständnis als Schauspieler ging auf das epische Theater Bertolt Brechts zurück. Mit Palitzsch wechselte R. 1972 an das Schauspiel Frankfurt, wo er auch kurzzeitig dem Direktorium angehörte. Maßgeblich förderte er dort die Entwicklung des bis heute aktuellen Regietheaters, das von der Praxis der von Schauspielern und Regisseur gemeinsam diskutierten Inszenierung geprägt ist. Nach dem Rücktritt Palitzschs von der Frankfurter Intendanz 1980 war R. als freier Schauspieler am Hamburger Thalia-Theater, der Freien Volksbühne, den Staatl. Schauspielbühnen Berlin und dem Dt. Schauspiel Hamburg tätig; 1986 stieß er zum Ensemble des Bochumer Schauspielhauses unter Leitung Frank-Patrick Steckels, wo er 1992 mit einer Inszenierung von Eugène Ionescos „Die Stühle“ hervortrat. Seit 1990 arbeitete R. auch wieder in Hamburg, wo er seit 1998 dem Ensemble des Thalia-Theaters angehörte.

    Nur selten arbeitete R. beim Film (z. B. 1989 in Bernhard Wickis „Das Spinnennetz“) oder Fernsehen mit. Auf der Bühne führte er zunächst v. a. Bösewichter oder skrupellose Lebemänner vor, wozu sich mehr als ein Dutzend Shakespeare-Rollen besonders eigneten. Seine intellektuelle Spielweise begann R. um 1980, indem er sich den neuen Herausforderungen des Körpertheaters mit Elementen der Postdramatik stellte; bei der Typenwahl bevorzugte er später den scheiternden Träumer, den alten Narren oder den Zweifler.

  • Rollen

    Rollenauswahl in Stuttgarter Inszenierungen v. P. Palitzsch: Kg. Heinrich in Shakespeares „Krieg d. Rosen“ (1967); Prinz Heinrich in Shakespeares „Heinrich IV.“ (1970); Titelrolle in P. Weiss' „Hölderlin“ (1971); – in Frankfurter Inszenierungen v. H. Neuenfels: Thersites in Shakespeares „Troilus u. Cressida“ (1972); Titelrolle in Brechts „Baal“ (1974); Puntila in Brechts „Herr Puntila u. sein Knecht Matti“ (1975); – in Bochumer Inszenierungen: Titelrolle in Tschechows „Onkel Wanja“ (1988, Regie: Ch. Nel); Titelrolle in Shakespeares „Timon aus Athen“ (1990); Alceste in Molières „Der Menschenfeind“ (1993); Polonius in W. Shakespeares „Hamlet“ (1995, alle unter d. Regie v. F.-P. Steckel); – weitere Rollen: Tom in T. Williams' „Die Glasmenagerie“ (Hamburg 1962); Trofimow in Tschechows „Der Kirschgarten“ (Stuttgart 1968, Regie: P. Zadek); Der Kellner in L. Bernatzkys Operette „Im weißen Rößl“ (Frankfurt/M. 1978, Regie: A. Wagner); Titelrolle in Shakespeares „Othello“ (ebd. 1979, Regie: P. Palitzsch); Hamlet in H. Müllers „Hamletmaschine“ (ebd. 1980. Regie: W. Adler); Der Vater in Pirandellos „Sechs Personen suchen e. Autor“ (Berlin 1981, Regie: K. M. Grüber); Titelrolle in Shakespeares „Othello“ (ebd. 1982, Regie: H. Gratzer); Saladin in Lessings „Nathan d. Weise“ (Salzburg, Festspiele 1984. Regie: J. Schaaf); Titelrolle in Shakespeares „Der Kaufmann|v. Venedig“ (Hamburg, 1999); Lesereihe mit Dantes „Die Göttl. Komödie“ (2001).

  • Literatur

    G. Loschütz u. H. Laube (Hg.), War da was?. Theaterarbeit u. Mitbestimmung am Schauspiel Frankfurt 1972-1980, 1980;
    R. Mennicken. Peter Palitzsch, Regie im Theater, 1993;
    Hamburger Abendbl. v. 23.2.2001;
    G. Stadelmaier, Entblößungskünstler, in: FAZ v. 24.2.2001 (P);
    Th. Thieringer, in: SZ v. 24.2.2001 (P);
    Theaterlex., hg. v. Ch. Trilse u. a., 1977;
    Lex. Theater internat., hg. v. J. Ch. Trilse-Finkelstein u. K. Hammer, 1995;
    C. B. Sucher, Theaterlex., 21999 (Rollenverz.).

  • Autor/in

    Ralph M. Köhnen
  • Empfohlene Zitierweise

    Köhnen, Ralph M., "Roggisch, Peter" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 757-758 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13476899X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA