Lebensdaten
um 1460 bis 1513
Sterbeort
Augsburg
Beruf/Funktion
österreichischer Staatsmann ; Freiherr von Castelcorn
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 13227406X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Liechtenstein, Paul von
  • Castelcorn, Paul Freiherr von
  • Lichtenstein von Carneit und Castelcron, Paul
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Zitierweise

Lichtenstein, Paul von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd13227406X.html [14.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus Trienter Ministerialengeschl. mit Stammschloß in Leifers b. Bozen, seit 12. Jh. urkundl. erwähnt. V Balthasar v. L. ( 1478), in Diensten d. Bischofs v. Trient u. v. Erzhzg. Sigismund v. Tirol;
    M Dorothea Fuchs v. Fuchsberg;
    Barbara v. Schrofenstein ( 1513);
    1 S.

  • Leben

    1482 trat L. in die Dienste Erzhzg. Sigismunds von Tirol, wurde 1489 Hofmarschall und in diesem Amt von Maximilian I. übernommen. Er gewann das besondere Vertrauen Maximilians wegen seiner Fähigkeiten, aber auch wegen seiner aufrechten Gesinnung und seines Freimutes und war bald einer der mächtigsten Männer in der Umgebung des Königs und späteren Kaisers. 1505 wurde er Ritter vom Goldenen Vlies, 1506 schlug ihn Maximilian persönlich zum Ritter. L. hat im Dienste Maximilians I. seinen Besitz vermehren können; er erhielt unter anderem Schloß und Herrschaft Schenna b. Meran zunächst als Pfand und konnte es 1502 kaufen und zum Familienbesitz ausbauen; 1499 wurde er mit Castelcorno b. Rovereto und anderen Lehen der Castelbarker belehnt; 1505 erhielt er Hauptmannschaft, Schloß, Stadt und Gericht Rattenberg am Inn als Pfandschaft.

    Im Zuge der erbländischen Verwaltungsreform bestellte ihn Maximilian I. zum Marschall des Innsbrucker Regiments; neben|dieser Tätigkeit war L. wiederholt als Vertreter des Königs im Reich und gegenüber den Gesandten auswärtiger Mächte eingesetzt, mußte sich aber immer mehr den Finanzgeschäften widmen, in denen er unersetzlich wurde. Bald hatte er die Leitung der Finanzen Maximilians I. inne, insbesondere lag seit 1508 die Finanzierung des sog. Venezianerkrieges in seinen Händen. Über die Finanzpolitik gewann L. Einfluß auf die Gesamtpolitik Maximilians. Er brachte immer wieder große Summen als Darlehen auf, gewährte dem Kaiser selbst solche und verstand es doch, eine allzu große Verschuldung der Erbländer, vor allem Tirols, zu verhindern. Er war auch oft mit Verhandlungen mit den Ständen der österr. Länder, insbesondere mit der Tiroler Landschaft betraut, die er immer wieder zu finanziellen Leistungen für die kaiserl. Politik zu bewegen vermochte. Er hatte auch bedeutenden Anteil am Tiroler Landlibell von 1511, einer Wehrverfassung für das Land. L. gehörte zu den wenigen, denen Maximilian I. seine Absicht anvertraute, Papst zu werden; er beauftragte ihn mit der Beschaffung der notwendigen Geldsummen (1511). In den letzten Lebensjahren L.s kam es wegen der kaiserl. Finanzpraktiken zu schweren Verstimmungen zwischen ihm und Maximilian I., er war aber bis zuletzt an der Spitze des Finanzwesens tätig. Nachdem er schon einige Zeit krank gewesen war, starb er in Augsburg, wohin er zu Verhandlungen mit den Fuggern gereist war.

  • Literatur

    ADB 18;
    R. Granichstaedten-Czerva, Meran. Burggrafen u. Burgherren, 1949;
    E. Mader, P. v. L., Marschall d. Innsbrucker Regiments, im Dienste Kaiser Maximilians I. in d. J. 1490-1513, Diss. Graz 1973 (ungedr.);
    M. Hollegger, Maximilian I. u. d. Entwicklung d. Zentralverwaltung am Hof u. in d. österr. Erbländern v. 1510–19, Diss. Graz 1983 (ungedr.);
    H. Wiesflecker, Kaiser Maximilian I., Das Reich, Österreich u. Europa an d. Wende zur Neuzeit, 5 Bde., 1971 ff.

  • Autor/in

    Inge Friedhuber
  • Empfohlene Zitierweise

    Friedhuber, Inge, "Lichtenstein, Paul von" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 464 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13227406X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Lichtenstein: Paul L. von Carneit und Castelcorn, Sprosse eines angeblich aus dem Bündtnerlande stammenden Adelsgeschlechtes, das in Tirol seinen Sitz auf Schloß Lichtenstein bei Botzen hatte; dritter Sohn des Balthasar von L. aus dessen Ehe mit Dorothea Fuchs und Bruder des Bischofs Ulrich von Trient (1493—1503). Er zählte zu den einflußreichsten Höflingen und Staatsmännern Max I. Sein Bruder, der Trienter Bischof belehnte ihn mit Castelcorno, welches Prädicat dann seine Nachkommenschaft führte. v. L. findet sich unter den „Statthaltern und Räthen“ des genannten Habsburgers für das Land Tirol (1493), 1501 als bestallter Hofmarschall. Um diese Zeit (1500) erhielt er zu Middelburg den Orden des goldenen Vließes. Auch in den Fragen der äußeren Politik wurde er häufig beigezogen, wie die Correspondenz Maximilians I.|beweist und galt persönlich viel bei Hofe. Er und der Protonotar, dann Kanzler, Cyprian von Serentein, waren eng befreundet und verschwägert. Zu den wenigen Vertrauenspersonen, welche der Kaiser mit seinem abenteuerlichen Projecte, in gewissem Sinne „Papst“ zu werden, bekannt machte, zählte v. 8. Ihm schreibt Max I. den 16. Septbr. 1511 von Brixen aus, er gedenke allen Ernstes „das ohnehin eigentlich uns gebührende Pontisicat mit Unserer kaiserlichen Würde zu vereinigen“. v. L. starb 1513 und hinterließ aus seiner Ehe mit Barbara v. Schroffenstein 3 Söhne.

    • Literatur

      Chmel, Urk., Briefe und Actenstücke zur Gesch. Max I., litter. Ver. z. Stuttgart 1848 (1493—1511). Lanz, Monum. habsb. 2. Abth. I. Einl. — V. v. Kraus, Max' I. vertr. Briefw. mit Sigm. Prüschenk, Fh. z. Stettenberg (Innsbr. 1875). Genealogisches: (Wurmbrand), Collect. geneal. histor., (Wien) Fol. 1705 (S. 151). Zedler's Univ. Lex. XVII. col. 900 f. Brandis, Gesch. d. Landeshauptl. Tirols (Innsbr. 1850). A. Jäger i. d. Wiener akad. Sitzungsb. XII, 195—236; 409—441. I. Egger, Geschichte Tirols, 2. Bd. (1876).

  • Autor/in

    Krones.
  • Empfohlene Zitierweise

    Krones, Franz von, "Lichtenstein, Paul von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 18 (1883), S. 557-558 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13227406X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA