Lebensdaten
1730 bis 1799
Geburtsort
Kronstadt (Siebenbürgen)
Sterbeort
Leipzig
Beruf/Funktion
Botaniker ; Arzt
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 130652865 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hedwig, Johann

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Zitierweise

Hedwig, Johann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd130652865.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Jacob ( 1746), Kaufm. (Weinhändler) u. Ratsherr in K.;
    M Agnes Galles;
    1) Leipzig 1762 Sophie (1738–76), T d. Romanus Teller (1703–50), D.theol., Prof. d. Theol. u. Pfarrer a. d. Thomaskirche in L., u. d. Wilh. Sophie Schütz, 2) ebd. 1778 Clara Benedicta Sultzberger (1751–1826);
    9 K aus 1), u. a. Romanus Adolf (1772–1806), Prof. d. Botanik in L. (s. L), Hedwig ( Chrstn. Daniel Beck, 1757–1832, Prof. d. klass. Philol. in L., s. ADB II), 6 K aus 2);
    E Joh. Ludw. Wilh. Beck (1786–1869), Prof. d. Rechte in Königsberg (s. ADB II).

  • Leben

    Nach Gymnasialstudien in Kronstadt, Preßburg und Zittau bezog H. 1752 die Universität Leipzig; 1756 erwarb er das Bakkalaureat, 1759 das Doktorat der Medizin. Er übte dann die ärztliche Praxis in Chemnitz (seit 1762) aus. In Leipzig, wohin er 1781 übersiedelt war, betätigte er sich zunächst ebenfalls als praktischer Arzt und als Arzt der Stadt-Compagnie. 1786 wurde er außerordentlicher Professor der Medizin, 1789 Ordinarius für Botanik und Leiter des botanischen Gartens. Seit 1791 war er auch Arzt der Thomasschule.

    Zusammen mit J. J. Dillenius steht H. am Beginn der modernen Mooskunde. 1774 entdeckte er die Geschlechtsorgane der Moose, die Archegonien, von ihm Pistillidien genannt, und die Antheridien, von denen er auch gute Abbildungen lieferte. Seine auch heute noch brauchbaren Abbildungen fertigte H. selbst nach einer eigenen, von ihm entwickelten Methode an. Die Keimung der Sporen und die Entwicklung des Protonemas wurden von ihm ebenfalls richtig beschrieben. Für den Moos-Systematiker sind seine Werke auch heute noch unentbehrlich. Von ihm stammt die Einteilung in Laub- und Lebermoose (1789), die Heranziehung des Peristoms der Mooskapsel als systematisches Merkmal ist ebenfalls H.s Verdienst. Daß ihm daneben in der Deutung der Beobachtungen manche Fehler unterliefen, ist in den mangelhaften theoretischen und praktischen (Mikroskop) Voraussetzungen seiner Zeit begründet und kann seine Stellung als Mitbegründer der Mooskunde („Linné der Moose“) nicht beeinträchtigen.

    Hatte H. sich in Chemnitz fast ausschließlich den Moosen gewidmet, so wandte er sich in Leipzig in größerem Maße dem Studium der höheren Pflanzen zu. Auch hier zeigte er sich als guter Beobachter. 1793 wies er als erster bei Phanerogamen die Spaltöffnungen nach und erkannte ihre Funktion als „Ausdünstungsöffnungen“, deren Öffnen und Schließen er beobachtete. Zutreffende Anschauungen über Funktion der Wurzelzwiebeln und der Kotyledonen beweisen ebenfalls seinen Blick für physiologische Vorgänge. Sein Interesse für ökonomische Fragen dokumentiert sich unter anderem in Arbeiten über das Auswintern des Getreides, über die Egelkrankheit der Schafe, über die Ursachen des Mehltaues und über die Bewässerung von Wiesen mit Quellwasser.

  • Werke

    u. a. Fundamentum historiae naturalis muscorum frondosorum, 2 Bde., Leipzig 1782;
    Theoria generationis et fructificationis plantarum cryptogamarum, St. Petersburg 1784, 21797;
    Descriptio et adumbratio microscopico-analytica muscorum frondosorum nec non aliorum vegetantium e classe cryptogamica Linnaei novorum dubiisque vexatorum, 4 Bde., Leipzig 1787-97;
    Slg. s. zerstreuten Abhh. u. Beobachtungen üb. botan.-ökonom. Gegenstände, 2 Bde., ebd. 1793-97;
    Filicum genera et species, 4 fasc., ebd. 1799-1803;
    Species muscorum frondosorum, ed. F. Schwägrichen, 1 Bd. u. 4 Suppl., ebd. 1801-42 (mit Biogr. H.s v. F. Schwägrichen, W), Neudr. 1960 (mit Biogr. H.s v. P. A. Florschütz, W, L).

  • Literatur

    ADB XI;
    J. D. Hager, in: Siebenbürg. Quartalschr. 7, 1801, S. 218-24;
    J. Ph. F. Deleuze, in: Ann. du musée d'hist. naturelle 2, Paris 1803, S. 392-408, 451-73, dt. Übers. in: Ann. d. Nationalmuseums d. Naturgesch. 2, 1804, S. 343-57, 394-412;
    J. Römer, in: Die Karpathen 1, Kronstadt 1907/08, S. 522-31 (P);
    ders. in: Mikrokosmos 2, 1908/09, S. 91-97;
    I. Györffy, in: Revue|bryologiquo NS 3, Paris 1930, S. 161-65 ((P);
    J. Trausch) Schriftsteller d. Siebenbürger Deutschen II, Kronstadt 1870, S. 83-92 (W, L);
    Wurzbach VIII;
    J. Szinnyei, Magyar irok IV, Budapest 1896, Sp. 578-80 (W, L);
    BLÄ (auch f. S Romanus Adolf).

  • Portraits

    Radierung v. V. H. Schnorr v. Carolsfeld, 1795 (Coburg).

  • Autor/in

    Helmut Dolezal
  • Empfohlene Zitierweise

    Dolezal, Helmut, "Hedwig, Johann" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 191-192 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd130652865.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hedwig: Johann H., Botaniker und Arzt, geboren den 8. October (Decembec?) 1730 zu Kronstadt in Siebenbürgen, den 7. (18.?) Februar 1799 in Leipzig. H. absolvirte die unteren Gymnasialclassen in Kronstadt, wo sein Vater Jacob Bürger und Rathsherr war. Nach dem Tode desselben übersiedelte er nach Preßburg (1747), dann nach Zittau (1749) und bezog 1752 die Universität Leipzig, um Medicin zu studiren. 1756 wurde H. Baccalaureus, 1759 Doctor der Medicin. Er beabsichtigte sich in Kronstadt als praktischer|Arzt niederzulassen, konnte dies aber nicht, weil damals in Siebenbürgen gesetzlich nur in Wien promovirte Aerzte die Praxis ausüben durften. H. machte sich daher in Chemnitz als praktischer Arzt seßhaft (1762), blieb daselbst bis 1781, in welchem Jahre er nach Leipzig übersiedelte. 1786 wurde H. an der dortigen Universität Extraordinarius für Medicin und 1789 ordentlicher Professor der Botanik. Außerdem bekleidete er die Stelle eines Arztes der Leipziger Stadtcompagnie (seit 1784) und der Thomasschule (seit 1791). H. war einer der bedeutendsten Botaniker des 18. Jahrhunderts. Schon als Knabe sammelte er mit großer Ausdauer Pflanzen und cultivirte sie im väterlichen Garten. Als Student wurde er in Leipzig von den Professoren Ludwig und Bose freundlich aufgenommen und vielfach unterstützt. Später stand er namentlich mit Schreber in regem wissenschaftlichen Verkehr. Mit Vorliebe wendete er sich dem Studium der Kryptogamen, speciell jenem der Laubmoose zu; er wußte dieselben äußerst geschickt zu zergliedern; er untersuchte ihre einzelnen Theile mit einem guten Mikroskope unter starken Vergrößerungen; er lernte noch im 40. Jahre zeichnen und entwarf selbst die für die damalige Zeit vortrefflichen Tafeln zu seinen Werken. Namentlich der Aufenthalt in Chemnitz war eine Zeit der eingehendsten, erfolgreichsten bryologischen Studien. Am 14. Jänner 1770 beobachtete H. an Grimmia pulvinata die Befruchtungsorgane, veröffentlichte 1779 eine Abhandlung über diesen Gegenstand und schilderte in dem wichtigen Werke: „Fundamentum historiae naturalis muscorum frondosorum“ die Fructificationsorgane dieser Gewächse in trefflicher Weise. 1783 schrieb die k. russische Akademie zu St. Petersburg einen Preis „für die Entdeckung der Fructificationsorgane bei den Kryptogamen“ aus. H. gewann denselben mit seiner „Theoria generationis et fructificationis plantarum cryptogamicarum“ (1784). Seine Studien über Organographie und Systematik der Laubmoose faßte H. in folgenden Werken zusammen: „Descriptio et adumbratio microscopico-analytica muscorum frondosorum“ (1787—97, 4 Bde. Fol. mit 160 Tafeln), ferner: „Species muscorum frondosorum“ (1801 nach Hedwig's Tode von Schwägrichen herausgegeben). In diesen Werken und in vielen kleineren Abhandlungen beschrieb H. die damals bekannten Laubmoose und bildete viele derselben vortrefflich ab; er schuf unter Berücksichtigung des Mundbesatzes (Peristomes) der Mooskapsel ein neues Moossystem; er zerlegte die wenigen, unnatürlich großen Laubmoosgattungen, welche Linné aufgestellt hatte, in zahlreiche natürliche, noch gegenwärtig von den Bryologen angenommene Genera. Man kann somit H. den Begründer der neueren Mooskunde nennen. Auch für die übrigen Classen der Kryptogamen sind seine Arbeiten von großer Wichtigkeit. Hedwig's Abhandlung: „De fibrae vegetalis et animalis ortu“ (1789) beweist, daß er auch als Phytotom erfolgreich thätig war. Endlich kann nicht unerwähnt bleiben, daß H. zahlreiche Aufsätze medicinischen Inhaltes veröffentlichte. Ihm zu Ehren wurden mehrere Pflanzengattungen benannt; unter denselben hat Hedwigia Ehrhart, gegründet auf ein bei uns einheimisches Laubmoos, die Priorität. Von dem großen Einflusse Hedwig's auf das Studium der Kryptogamen zeugt ferner, daß Nabenhorst 1852 unter dem Namen „Hedwigia“ ein Specialblatt für kryptogamische Studien gründete. H. war ein trefflicher Lehrer, der seinen Schülern mit väterlichem Wohlwollen entgegenkam; als Mensch wußte er sich durch Gediegenheit seines Charakters die allgemeinste Achtung zu erwerben.

    • Literatur

      Schwägrichen in Joh. Hedwig, Species muscorum I. 301—317. — Sprengel bei Ersch und Gruber, Encykl., 2. Sect. IV. S. 34. —
      Wurzbach, Biograph. Lexik. d. österr. Kaiserstaat., VIII. S. 190. —
      Trausch, Schriftstell. Lexik, d. siebenbürg. Deutschen, II. S. 83—92. — J. Sachs, Gesch. d. Bot., S. 273.

  • Autor/in

    Reichardt.
  • Empfohlene Zitierweise

    Reichardt, Heinrich Wilhelm, "Hedwig, Johann" in: Allgemeine Deutsche Biographie 11 (1880), S. 230-231 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd130652865.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA