Lebensdaten
um 1630 bis nach 1692
Beruf/Funktion
Komponist ; Musiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 12946435X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Eberling, Daniel
  • Ebeling, Daniel
  • Eberlin, Daniel
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Zitierweise

Eberlin, Daniel, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd12946435X.html [17.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    Vorfahren unbek.;
    um 1667 Francisca Frischleben;
    8 K, u. a. Amalia Louise Juliane ( Gg. Phil. Telemann, 1767, Komp.).

  • Leben

    Über den ersten Lebensabschnitt dieses ruhelosen Feuergeistes sind wir nur durch G. Ph. Telemann unterrichtet, nämlich daß er „ehemaliger Capitain unter den päpstlichen Völkern in Morea, so gegen die Türken gefochten“, danach Bibliothekar in Nürnberg gewesen sei. 1667, 1670 und 1672 ist E. bei der Eisenacher Hofkapelle bezeugt. Ein bisher angenommener Aufenthalt 1673 in Kassel läßt sich nicht nachweisen. Während einer erneuten Tätigkeit bei der Hofmusik|in Eisenach (1676–78) führte er auch den Titel Kammersekretär; damals schrieb er für Johann Pachelbel eine ausführliche Empfehlung und Beurteilung seiner musikalischen Qualitäten. 1678 (Herbst ?, jedenfalls vor dem 20. Dezember) berief ihn der kunstliebende Landgraf Carl von Hessen-Kassel an seinen Hof. Hier blieb E. vermutlich ohne Unterbrechung 7 Jahre; die Neuorganisation der fast 15 Jahre lang darniederliegenden Kasseler Hofkapelle war wohl eine lohnende Aufgabe, die den Abenteurer für längere Zeit an die Residenz zu binden vermochte. Von seinem aggressiven Charakter geben die Akten mehrfach Zeugnis, der Landgraf entließ zum Beispiel um seinetwillen ein langjähriges Kapellmitglied. 1685 ging E. erneut nach Eisenach, wo er neben der Kapellmeisterstelle das Amt eines Pagenhofmeisters und Münzwardeins bekleidete. Unregelmäßigkeiten in Geldsachen zwangen ihn 1692 zur Flucht. Noch einmal tauchte er im gleichen Jahre als Bankier in Hamburg auf und blieb nach diesem Zeitpunkt verschollen. Telemann weiß danach noch von einer weiteren Stelle als Capitain bei der Landmiliz in Kassel zu berichten. – E. gehört zu den bedeutendsten Komponisten der Ära zwischen Schütz und Bach. Die vorliegenden Werke, ein Bruchteil des Ganzen, umfassen meist geistliche Kompositionen; sie zeigen E. als einen feinsinnigen, ausdrucksvollen Textgestalter, der mit seiner beredten Schilderung des „Ich, ich, ich will in aller Not auf meinen Jesum bauen“ den Weg für Johann Sebastian Bach bereitet und zudem virtuose Violinparte bis in die 4. Lage eingebaut hat, welche (nach Moser) das bedeutendste Violinsolo der damaligen Zeit darstellen. Reiche vokale Auszierungen mit ornamentalen Begleitfiguren für die Streicher schmücken die anderen Kantaten. Die Aria „pro dormente Camillo“ regte Johann Christoph Bach zu 15 Cembalo-Variationen an.

  • Werke

    Ich will in aller Not auf meinen Jesum bauen, Kantate f. Tenorsolo, Violin. u. Bc. (Neuausg. durch H. J. Moser im „Erbe dt. Musik“ in Vorber.); Allmächtiger, hlg., ewiger Gott, Kant. f. Sopr., Alt, Ten., Baß, 2 Violin., 3 Viol. Bc;
    Vae! misero qui Deum meum, für Alt, Bc. pro organo (alle Mss. Berlin, Dt. Staatsbibl., Mus. Ms. 30294);
    Ich kann nit mehr ertragen diesen Jammer, f. Sopr., Alt, Ten., Baß, 2 Violin., 4 Gamb., Bc. (Ms. Uppsala);
    Trium variantium fidium concordia, ternis partibus conflati, Nürnberg 1675 (Ms. Stadtbibl. Nürnberg);
    Aria Pro dormente Camillo (s. L); Der Anfang e. zehnstg. Kanons Ex ungue Leonem ist unter s. Bild (gezeichnet 1675 v. St. Strauch, gest. v. J. Azelt) mitgeteilt; über weitere, heute verschollene W berichtete Apell (s. L).

  • Literatur

    ADB V; J. Mattheson, Grundlage e. musikal. Ehrenpforte, 1739, Neuausg. v. M. Schneider. 1910;
    D. v. Apell, Gallerie Casselischer Tonkünstler…, 1806;
    A. Moser, Gesch. d. Violinspiels, 1923;
    C. Freyse, Aria Eberliniana, = Veröff. d. Neuen Bach-Ges. 39, 1940;
    H. J. Moser, Zwischen Schütz u. Bach, in: Wiss. Zs. d. Karl-Marx-Univ. Leipzig, 4. Jg., 1954/55;
    Ch. Engelbrecht, Die Hofkapelle d. Landgf. Carl v. Hessen-Kassel, in: Zs. f. Hess. Gesch. u. Landeskde., 1957, S. 146 f.; C. Freyse, in: MGG III, Sp. 1055 f. (W, L, P).

  • Autor/in

    Christiane Engelbrecht
  • Empfohlene Zitierweise

    Engelbrecht, Christiane, "Eberlin, Daniel" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 245 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd12946435X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Eberlin: Daniel E., ein zu Nürnberg geborener Musiker des 17. Jahrhunderts, war ebensowol durch seine mannigfaltigen Lebensschicksale als durch sein vielumfassendes Wissen und Können ausgezeichnet. Nachdem er in seiner Jugend sich in Rom zur Erlernung der Musik aufgehalten, dann aber als Hauptmann der päpstlichen Truppen in Morea gegen die Türken gekämpft hatte, wurde er Bibliothekar in Nürnberg. Diese Stelle vertauschte er 1673 mit dem Capellmeisterposten in Cassel. Von Cassel begab er sich in gleicher Eigenschaft an den Hof zu Eisenach, bekleidete aber nebenher noch die Aemter eines Pagenhofmeisters, geheimen Secretärs, Münzwardeins und Regentens auf dem Westerwalde. Dann betrieb er zeitweilig in Hamburg und Altona Banquiergeschäfte und kehrte 1678 nach Cassel zurück, wo er 1685 als Hauptmann der Landmiliz starb. Georg Philipp Telemann, der eine Tochter Eberlin's zur ersten Frau hatte, rühmt ihn als gelehrten Contrapunktisten und hervorragenden Violinspieler. Im J. 1675 erschienen von seiner Composition zu Nürnberg Violintrios unter dem Titel: „Trium variantium fidium concordia, hoc est moduli musici, quos sonatas vocant, ternis partibus conflati.“ Ueber eine Aria Eberlin's pro dormente Camillo schrieb Joh. Christoph Nach in Eisenach im Jahre 1690 Claviervariationen. Sein Bildniß, von Strauch verfertigt, besaß E. L. Gerber; unter demselben befand sich ein zehnstimmiger Canon: „Ex ungue Leonem.“

  • Autor/in

    Spitta.
  • Empfohlene Zitierweise

    Spitta, "Eberlin, Daniel" in: Allgemeine Deutsche Biographie 5 (1877), S. 574-575 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd12946435X.html#adbcontent

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