Lebensdaten
1702 bis 1762
Geburtsort
Jettingen/Mindel (Schwaben)
Sterbeort
Salzburg
Beruf/Funktion
Komponist ; Organist ; Kapellmeister
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11938700X | OGND | VIAF: 29724539
Namensvarianten
  • Eberle, Johann Ernst (eigentlich)
  • Eberlein, Johann Ernst (nicht!)
  • Eberlin, Johann Ernst
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Zitierweise

Eberlin, Johann Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11938700X.html [06.05.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Amandus ( 1736), Oberamtmann der Freiherrn v. Stein in Jettingen;
    M Franziska Kreuzer ( 1739), Lehrerstochter;
    Seekirchen b. Salzburg 1727 Maria Jos. Cäc., T des Bergwerksadjunkten Joh. Vital. Ign. Pflanzmann u. der Maria Kath. Godin;
    5 T, u. a. Maria Cäc. Barb. (1728–1806), war „E. Waberl“ der Mozartbriefe, Maria Jos. Kath. (1730- bald n. 1752, Ant. Cajetan Adlgasser, 1777, Kirchenmusiker, s. NDB I), Maria Franziska (1737–66, Hofgerichtssekretär Joh. Nik. Paul Strasser, gen. als Holofernes in E.s Schulspiel), Sängerin.

  • Leben

    E. ist der bedeutendste Meister der Salzburger Hofkapelle in der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Er diente seit circa 1726 als Hoforganist und seit 1749 als Hof- und Domkapellmeister bis zu seinem Lebensende 5 Salzburger Fürsterzbischöfen. L. Mozart, mit dessen Familie er eng befreundet war, sein Schwiegersohn und Amtsnachfolger A. C. Adlgasser und R. G. von Pasterwitz in Kremsmünster waren seine Schüler. L. Mozart rühmt seine zahlreichen, vorwiegend kirchenmusikalischen Kompositionen und vergleicht ihn an Fruchtbarkeit mit Al. Scarlatti und G. Ph. Telemann. Im Übergang zwischen Barock und Klassik bekennt er sich nur mehr zum Teil zur Ausdrucks- und Formenwelt der neapolitanischen Schule und gewährt einfachen Liedformen und bodenständiger Melodik breiten Raum, die insbesondere die komischen Partien seiner Schulspiele beherrschen. Zukunftsweisend ist der häufige Gebrauch des crescendo und decrescendo im Sinne einer Abkehr von der alten Registerdynamik. Seine zumeist durch eine einsätzige Sinfonia eingeleiteten Oratorien zeichnen sich durch sorgfältige Orchester- und Rezitativbehandlung aus. Durch gedämpfte Streicher, geteilte Bratschen und solistische Verwendung von Violine, Violoncello, Fagott, Posaune, Glockenspiel, Hackbrett und anderen erzielt E. besondere Orchesterwirkungen. Auch steht er mit seinem Schuldrama „Sigismundus“ (Kremsmünster 1750/51) am Beginne des modernen Melodrams. Eine Würdigung seiner Kirchenmusik steht noch aus. Seine formelhaften und sequenzreichen Fugen schätzte Mozart wenig, jedoch hatte er „allen Respect für seinen 4stimmigen satz“, was auch seine Abschriften von Werken E.s zu Studienzwecken beweisen. Durch seine gediegene Technik hatte dieser schon auf den jungen Mozart, der 1761 in seinem (ungarischen) „Sigismundus“ mitsang, einen nachhaltigen Einfluß ausgeübt.

  • Werke

    22 Oratorien, 61 Schulspiele, 3 Opern, zahlr. Messen, Requiems u. andere geistl. W (vieles verschollen); im Druck erschien: IX Toccata e Fughe per l'Organo, Augsburg 1747 (wovon d. letzte in e v. F. C. Griepenkerl irrtümlich J. S. Bach zugeschrieben wurde);
    5 Stücke f. d. Salzburger Hornwerk, in: Der Morgen u. d. Abend, hrsg. v. L. Mozart, ebd. 1759;
    Musik f. d. Orgelwerk in L. Roseneggers Mechan. Theater in Schloß Hellbrunn; Neudr.:
    9 Toccates et Fughes, Mainz 1798 (mehrfach nachgedr. u. a. in: F. Commer, Musica sacra, I, 1839);
    115 Versetten f. Orgel;
    Der blutschwitzende Jesus, = DTÖ, Jg. 28/I, 1921;
    2 Motetten, ebd. Jg. 43/I, 1936.

  • Literatur

    ADB V; Die Briefe W. A. Mozarts, hrsg. v. L. Schiedermair, II, 1914, S. 164 f.;
    R. Haas, E.s Schuldramen u. Oratorien, in: Stud. z. Musikwiss. 8, 1921, S. 9-44;
    Hermann Albert, W. A. Mozart I, 1924, S. 5 u. ö.;
    G. Frotscher, Gesch. d. Orgelspiels u. d. Orgelkomp. II, 1936, S. 1107 f.;
    K. Pfannhauser, Mozart hat kopiert!, in: Acta Mozartiana, Jg. 1, 1954, S. 21 ff.;
    A. Kellner, Musikgesch. d. Stiftes Kremsmünster, 1956, S. 805;
    M. Cuvay, in: Mitt. d. Ges. f. Salzburger Landeskde. 95, 1955, S. 179 ff.;
    R. Haas, in: MGG III, Sp. 1057-60 (W, L); A. Layer, in: Lb. Bayer. Schwaben VI, 1958, S. 388-405 (L).

  • Autor/in

    Hellmut Federhofer
  • Empfohlene Zitierweise

    Federhofer, Hellmut, "Eberlin, Johann Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 246 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11938700X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Eberlin: Johann Ernst E., namhafter Componist, Organist und Capellmeister des 18. Jahrhunderts, aus Jettenbach stammend. Nähere Nachrichten über diesen zu seiner Zeit sehr angesehenen und namentlich als tüchtiger Contrapunktist geschätzten Künstler fehlen indeß fast so gut wie ganz; weder sein Geburts- noch sein Todesjahr sind festzustellen und alle darüber vorhandenen Angaben unzuverlässig. Nur aus dem Umstande, daß unter seinen (von Fétis mit Sorgfalt verzeichneten) Compositionen die früheste und späteste die Daten 1730 und 1773 tragen, kennt man die ungefähren Grenzen seiner Thätigkeit als Componist. Um 1759 Jahn, Mozart I, 429 sagt: 1750—1762) war er Capellmeister und Truchseß des Erzbischofs Siegmund zu Salzburg, nachdem er vorher Hoforganist gewesen war. Wol hauptsächlich aus dem Umstande, daß von seinen vielen und vortrefflich gearbeiteten Compositionen nur Bruchtheile über den näheren Umkreis seines Wirkens hinausgelangt zu sein scheinen, erklärt sich die außerordentliche Spärlichkeit der Nachrichten über ihn bei den Schriftstellern seiner Zeit. Eine ausführlichere Notiz über ihn findet sich nur bei Marpurg, Beiträge III, 183, in der Nachricht von dem Zustande der Musik des Erzbischofs zu Salzburg im Jahre 1757: „Capellmeister Herr Ernst Eberlin von Jettenbach in Schwaben. Ist auch Hochfürstl. Truchseß. Er war vorher Hoforganist: und wenn jemand den Namen eines gründlichen und fertigen Meisters in der Setzkunst verdienet, so ist es gewiß dieser Mann. Er hat die Töne ganz in seiner Gewalt; und er setzet mit solcher Behendigkeit, daß es mancher für eine Fabel halten würde, wenn man ihm die Zeit bestimmen wollte, in welcher dieser gründliche Setzer diese oder jene beträchtliche Composition zu Stande gebracht hat. Was die Menge seiner verfertigten Musikstücke betrift, kann man ihn den zween so sehr fleißigen als berühmten Hrn. Componisten Scarlatti und Telemann an die Seite setzen. Im Druck sind nur die Toccaten für die Orgel von ihm bekannt.“ Auch Mozart, wiewol er mit Eberlin's Toccaten und Fugen hinsichts ihres künstlerischen Werthes nicht sehr zufrieden war (Brief an seine Schwester 10. April 1782, bei Jahn III, 373), ließ doch seiner Tüchtigkeit im Tonsatze alle Gerechtigkeit widerfahren, und schrieb sich eine Anzahl seiner Kirchenstücke in Partitur ab, um sie als Muster contrapunktischer Arbeit zu studiren (Jahn ebd. I, 433). Von Kirchenstücken Eberlin's kennt man ungefähr 40 Nummern (2 Messen, Offertorien, Responsorien, Hymnen, Motetten etc.), ferner eine Passion nach Metastasio 1755, eine Kreuzigung, eine Auferstehung. Außerdem componirte er von 1745—1760 eine Reihe lateinischer Dramen für die Schüler des Salzburger Benedictiner-Convents, von denen man jedoch nichts weiter kennt als die Titel und die meisten Daten der Aufführung (s. Fétis). Gedruckt sind von ihm 9 Toccaten und Fugen für Orgel in verschiedenen Ausgaben, auch einige Motetten. Von den unter dem Titel „Der Morgen und der Abend“ durch Leopold Mozart 1759 bei Lotter in Augsburg herausgegebenen 12 Clavierstücken, von denen täglich eins von dem sogenannten Hornwerke (einer Art Mixtur-Orgel) auf Hohensalzburg gespielt wurde, sind die Stücke für Januar, April, August, November und December von E. (s. Marpurg, Beitr. IV, 403).

    • Korrektur

      Korrektur: Nach gef. Mittheilung des Herrn C. F. Pohl haben dessen neueste Nachforschungen ergeben, daß der wahre Name Eberle, nicht Eberlein, lautete, daß E. am 27. März 1702 zu Jettingen bei Günzburg geboren worden, schon 1727 Organist in Salzburg war und am 21. Juni 1762 daselbst starb.

  • Autor/in

    v. Dommer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Dommer, Arrey von, "Eberlin, Johann Ernst" in: Allgemeine Deutsche Biographie 5 (1877), S. 576-577 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11938700X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA