Tröger, Walther

Lebensdaten
1929 – 2020
Geburtsort
Wunsiedel (Oberfranken)
Sterbeort
Frankfurt am Main
Beruf/Funktion
Sportfunktionär ; Jurist ; Sportfunktionär ; Funktionär
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 128686561 | GND-Explorer | OGND | VIAF
Namensvarianten

  • Tröger, Walther Hans Martin
  • Tröger, Walther
  • Tröger, Walther Hans Martin
  • Tröger, Walter
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Zitierweise

Tröger, Walther, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd128686561.html#indexcontent [26.05.2026].

CC0

  • Tröger, Walther Hans Martin

    1929 – 2020

    Sportfunktionär, Jurist

    Als Präsident des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland (1992–2002), als Sportdirektor (1983–1990) und Mitglied (1989–2009) des Internationalen Olympischen Komitees sowie als Vorstandsmitglied (1975–2003) und stellvertretender Vorsitzender (1991–2003) der Stiftung Deutsche Sporthilfe gehörte der Jurist Walther Tröger über mehr als ein halbes Jahrhundert zu den Spitzenfunktionären des bundesdeutschen und des internationalen Sports. Geschätzt wurde er v. a. für sein Engagement für den Breiten- und den Behindertensport.

    Lebensdaten

    Geboren am 4. Februar 1929 in Wunsiedel (Oberfranken)
    Gestorben am 30. Dezember 2020 in Frankfurt am Main
    Grabstätte in Plön
    Konfession evangelisch
    Walther Tröger, Imago Images (InC)
    Walther Tröger, Imago Images (InC)
  • 4. Februar 1929 - Wunsiedel (Oberfranken)

    1936 - 1944 - Breslau (Niederschlesien, heute Wrocław, Polen)

    Schulbesuch

    Elisabet-Gymnasium

    1944 - 1945

    Kriegsdienst als Luftwaffenhelfer

    1945 - 1947 - Wunsiedel (Oberfranken)

    Flucht zur Großmutter; Schulbesuch (Abschluss: Abitur)

    Oberrealschule

    1947 - 1951 - Erlangen

    Studium der Rechtswissenschaften (Abschluss: Erstes juristisches Staatsexamen)

    Universität

    1953 - 1961 - Dortmund; später Darmstadt

    Generalsekretär

    Allgemeiner Deutscher Hochschulsport-Verband

    1956 - 1967 - Frankfurt am Main

    Rechtswart; seit 1957 (ehrenamtlicher) Vorsitzender

    Hessischer Basketball-Verband

    1957 - 1961 - Hagen (Westfalen)

    Rechtswart

    Deutscher Basketball Bund

    1961 - 2002 - Frankfurt am Main

    Übersiedlung; Geschäftsführer; seit 1970 hauptamtlicher Generalsekretär; seit 1992 Präsident

    Nationales Olympisches Komitee für Deutschland (NOK, seit 2006 Deutscher Olympischer Sportbund)

    1964 - 1994 - Mies (Kanton Waadt)

    Mitglied der Internationalen Kommission

    Fédération Internationale de Basketball Amateur (seit 1986 Fédération Internationale de Basketball)

    1972 - 1972 - München

    Bürgermeister des Olympischen Dorfs

    1975 - 2003 - Frankfurt am Main

    Vorstandsmitglied; seit 1991 stellvertretender Vorsitzender

    Stiftung Deutsche Sporthilfe

    1976 - 2006 - Hagen

    Vizepräsident

    Deutscher Basketball Bund

    1976 - 2002

    achtmaliger Chef de Mission des NOK

    Olympische Winterspiele

    1982 - 2011

    Mitglied; seit 1994 Vorsitzender des Vereins- und Stiftungsvorstands

    Verein Deutsches Sportmuseum

    1983 - 1990 - Lausanne (Kanton Waadt)

    (ehrenamtlicher) Sportdirektor; seit 1985 auch Delegierter für den Behindertensport und 1988–2010 Vorsitzender der Kommission „Sport für Alle“ (heute Kommission Sport und aktive Gesellschaft)

    Internationales Olympisches Komitee

    1989 - 2009 - Lausanne

    Mitglied

    Internationales Olympisches Komitee

    30. Dezember 2020 - Frankfurt am Main

    alternativer text
    Walther Tröger, Imago Images (InC)

    Tröger besuchte das Elisabet-Gymnasium in Breslau (Niederschlesien, heute Wrocław, Polen) bis zu seiner Verpflichtung als Luftwaffenhelfer 1944. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs flüchtete er mit seiner Mutter und den drei Brüdern nach Wunsiedel (Oberfranken). Im Anschluss an das Abitur an der dortigen Oberrealschule 1947 studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Erlangen, engagierte sich in dieser Zeit für den Hochschulsport und legte 1951 das Erste juristische Staatsexamen ab.

    Trögers sportliche Aktivitäten – er betrieb Leichtathletik und spielte beim VfL Wunsiedel, beim TV Erlangen sowie in Basketball- und Handballmannschaften der Universität – und seine juristische Ausbildung prädestinierten ihn zum Sportfunktionär: 1953 wurde er auf Initiative des Präsidenten Helmut Meyer (1926–2001) Nachfolger Richard Vorhammers (1920–2009) als Generalsekretär des Allgemeinen Deutschen Hochschulsport-Verbands, 1956 zudem Rechtswart bzw. 1957 Vorsitzender des Hessischen Basketball-Verbands in Frankfurt am Main. Auch für den Deutschen Basketball Bund (DBB) war er seit 1957 als Rechtswart tätig. Für den Basketballsport setzte sich Tröger auf internationaler Ebene von 1964 bis 1994 als Mitglied der Internationalen Kommission der Fédération Internationale de Basketball Amateur (seit 1986 Fédération Internationale de Basketball) ein. Nachdem er von 1960 bis 1976 dem Ehrenrat des DBB angehört hatte, übernahm er als dessen Vizepräsident bis 2006 eine Leitungsfunktion in diesem Verband.

    Einen entscheidenden Karriereschritt vollzog Tröger 1961, als er unter der beginnenden Präsidentschaft von Willi Daume (1913–1996) als Geschäftsführer an das Nationale Olympische Komitee für Deutschland (NOK, seit 2006 Deutscher Olympischer Sportbund) wechselte. Seit 1970 bestimmte er dessen Entwicklung als hauptamtlicher Generalsekretär, seit 1992 in der Nachfolge Daumes als gewählter Präsident entscheidend mit. Nach verlorener Wiederwahl 2002 trat Tröger sein Präsidentenamt an Klaus Steinbach (geb. 1953) ab.

    Von den Olympischen Winterspielen 1976 in Innsbruck bis zu den Winterspielen in den USA 2002 führte Tröger die deutsche Sportlerauswahl acht Mal als Chef de Mission des NOK an. Mit seiner Tätigkeit für das NOK verbunden war seit 1983 Trögers ehrenamtliches Engagement als Sportdirektor des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), für das er sich seit 1985 auch als Delegierter für den Behindertensport und von 1988 bis 2010 der von ihm maßgeblich mitbegründeten Kommission „Sport für Alle“ (heute Kommission Sport und aktive Gesellschaft) einsetzte und dem er von 1998 bis 2009 in der Nachfolge von Berthold Beitz (1913–2013) als Mitglied angehörte.

    Verdienste erwarb Tröger auch seit 1975 als Vorstandsmitglied und seit 1991 als stellvertretender Vorsitzender der Stiftung Deutsche Sporthilfe, bevor er diese Ämter 2003 niederlegte. Von 1982 bis 2011 war er außerdem als Mitglied, seit 1994 als Vorsitzender des Vereins- und Stiftungsvorstands des Vereins Deutsches Sportmuseum aktiv und damit in leitender Funktion an der Gründung des Deutschen Sport & Olympia Museums 1999 in Köln beteiligt. Mediale Aufmerksamkeit erhielt Tröger, der sich mit Daume führend bei der Bewerbung Münchens als Austragungsort für die Olympischen Spiele 1972 eingesetzt hatte, als Bürgermeister des Olympischen Dorfs in München. In dieser Funktion war er nach dem Attentat auf israelische Sportler am 5. September 1972 Mitglied des Krisenstabs und führte mit Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher (1927–2016) zwölf Gespräche mit den palästinensischen Terroristen.. Gleichwohl plädierte er für eine Fortführung der Spiele.

    In seiner langen Zeit als Spitzenfunktionär führender nationaler wie internationaler Sportverbände prägte Tröger die Entwicklung der Sportorganisation und v. a. des olympischen Gedankens in der Bundesrepublik und über sie hinaus. Er galt weniger als Visionär denn als geschickter Pragmatiker und Netzwerker. Ein besonderes Anliegen war ihm der Ausbau von Breiten- und Behindertensport, für den er sich in den Kommissionen des IOC engagierte. Öffentliche Kritik trugen ihm Stellungnahmen zur politischen Dimension des Sports ein. So wandte er sich gegen einen Boykott der Olympischen Sommerspiele in Moskau 1980 und wies vor den Olympischen Sommerspielen in Peking 2008 mit Hinblick auf einen geforderten Protest gegen Chinas Umgang mit Menschenrechten und seiner Tibet-Politik darauf hin, dass Sportlerinnen und Sportler wegen politischer Stellungnahmen nach Einzelfallprüfung aus dem Team ausgeschlossen werden könnten.

    1956 Silberne Ehrennadel des Deutschen Basketball Bunds
    1960–1976 Mitglied des Ehrenrats des Deutschen Basketball Bunds
    1967 Ehrenmitglied des Hessischen Basketball-Verbands
    1984 Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (1994 Großes Verdienstkreuz)
    1986 Goldene Ehrennadel des Deutschen Basketball Bunds
    1989 Ehrenplakette der Stadt Frankfurt am Main
    1994 Honorarprofessor für ökonomische und juristische Aspekte internationaler Sportpolitik, Institut für Sportwissenschaft der Universität Potsdam
    1994 Ehrenmitglied des Deutschen Basketball Bunds
    1998 FIBA Order of Merit der Fédération Internationale de Basketball
    2001 Hessischer Verdienstorden
    2001 Komturkreuz des Verdienstordens der Republik Polen
    2002 Ehrenpräsident des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland (seit 2006 Deutscher Olympischer Sportbund)
    2006 Ehrenmitglied des Aufsichtsrats der Stiftung Deutsche Sporthilfe
    2006 Ehrenring des Deutschen Basketball Bunds
    2008 Dr. h. c., Kyungnam University, Busan (Südkorea)
    2009 Olympischer Orden in Silber des Internationalen Olympischen Komitees
    2012 Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen
    2019 Mitglied der Hall of Fame des deutschen Sports (weiterführende Informationen)
    Chevalier, Ordre national du Mérite (Frankreich)
    Ehrenmitglied des Allgemeinen Deutschen Hochschulsport-Verbands

    Nachlass:

    Privatbesitz.

    Weitere Archivmaterialien:

    Deutscher Olympischer Sportbund, Frankfurt am Main.

    Carl und Liselott Diem-Archiv, Köln. (weiterführende Informationen)

    Deutsches Sport & Olympia Museum, Sammlung, Köln. (weiterführende Informationen)

    Zentrum für Olympische Studien, Historisches Archiv, Lausanne. (weiterführende Informationen)

    Aufsätze und Artikel:

    Klaus Zieschang, Ein Pionier des Sportmanagements, in: Ommo Grupe (Hg.), Einblicke. Aspekte olympischer Sportentwicklung, 1999, S. 180–183.

    Horst Philipp, Walther Tröger, in: ebd., S. 303 f.

    Norbert Wolf, Olymericks – trögerisch, in: ebd., S. 305–307. (Limericks, Karikaturen)

    Friedrich Mevert, Prof. Walther Tröger. Kompetenter Pragmatiker im NOK und IOC, in: ders., 50 Jahre Deutscher Sportbund. Geschichte – Entwicklung – Persönlichkeiten, 2002, S. 382 f. (P)

    Sven Felix Kellerhoff, Anschlag auf Olympia. Was 1972 in München wirklich geschah, 2022.

    Gedenkschrift, Jubiläumsartikel und Nachrufe:

    N. N., Walther Tröger feiert am 4. Februar seinen 80. Geburtstag, in: Deutscher Olympischer Sportbund v. 26.1.2009. (P) (Onlineressource)

    N. N., Prof. Walther Tröger vollendet das 90. Lebensjahr, in: Deutscher Basketball Bund v. 4.2.2019. (P) (Onlineressource)

    N. N., Sportdeutschland trauert um Prof. Walther Tröger, in: Deutscher Olympischer Sportbund v. 31.12.2020. (P) (Onlineressource)

    Johannes Knuth, Ein Leben im Dienst des Sports. Zum Tod von Walther Tröger, in: Süddeutsche Zeitung v. 1.1.2021. (P) (Onlineressource)

    Anno Hecker/Matthias Friebe, „Jemand, der Verbindungen schaffen konnte“. Zum Tod von Walther Tröger, in: Deutschlandfunk v. 1.1.2021. (P) (Onlineressource)

    N. N., Trauer um „Mr. Olympia“. Walther Tröger im Alter von 91 Jahren verstorben, in: Deutscher Leichtathletik Verband v. 4.1.2021. (Onlineressource)

    N. N., Der adh trauert um Prof. Walther Tröger, in: Allgemeiner Deutscher Hochschulsport-Verband v. 4.1.2021. (P) (Onlineressource)

    Jörg Hahn, Zum Tod von Walther Tröger, in: Verein Frankfurter Sportpresse v. 12.1.2021. (P) (Onlineressource)

    Volker Kluge, Walther Tröger, einer der wichtigsten olympischen Zeitzeugen, ist gestorben, in: Journal of Olympic History 1 (2021), S. 35–37. (P) (Onlineressource)

    Detlef Kuhlmann/Harald Pieper/Ulrich Schulze Forsthövel (Hg.), Die sportlich heiteren und politisch gescheiterten Olympischen Spiele München ’72. Zum Gedenken an Walther Tröger, 2023.

    N. N., DBB trauert um Prof. Walther Tröger, in: Deutscher Basketball Bund. (Onlineressource)

    sieben Fotografien, 1990–2013, Digitales Bildarchiv des Bundesarchivs. (Onlineressource)

  • Autor/in

    Stefan Jordan (München)

  • Zitierweise

    Jordan, Stefan, „Tröger, Walther“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.04.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd128686561.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA