Lebensdaten
1856 bis 1914
Geburtsort
Tieschetitz (Mähren)
Sterbeort
Linz
Beruf/Funktion
Industrieller ; Erfinder ; Leiter der Aktienbrauerei in Linz ; Asbest- und Zementfabrikant
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 127024891 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hatschek, Ludwig

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Zitierweise

Hatschek, Ludwig, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd127024891.html [17.07.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Philipp (1823–1908), Brauer in T., siedelte 1866 nach L. über, wo er mit s. B Jakob d. Städt. Brauhaus pachtete u. später d. Linzer Brauhaus gründete, S d. Mälzers Baruch, dann Berthold, der im Kloster Hradisch e. Malzfabrik u. in T. e. Brauerei errichtete, u. d. Hanna Bock;
    M Sophie (1830–1915), T d. Jonas Scheuer, Brennereibes. u. Likörfabr. in Neutitschein;
    1889 Rosa (1865–1950), T d. Gastwirts u. Fleischhauers Würzburger in Wien;
    1 S, 3 T, u. a. Hans (1890–1956), Erbe u. Leiter d. väterl. Unternehmungen, die er vergrößerte u. deren Erzeugungsprogramm er erweiterte;
    E Valerie von Martens ( Curt Goetz, 1960, Schauspieler, s. NDB VI).

  • Leben

    H. besuchte die Handelsschule in Linz und die Brauereischule Weihenstephan bei Freising/Obb. Er führte anschließend zusammen mit seinem Bruder und seinem Schwager die Aktienbrauerei Linz. Nach seiner Heirat machte er sich 1890 mit Einwilligung seines Vaters – wohl wegen Zerwürfnissen mit seinem Schwager – selbständig und ließ sich seinen Anteil von circa 100 000 Gulden auszahlen. Er begab sich auf eine Englandreise, um industrielle Erfahrungen zu sammeln. Er erwarb eine Asbestfabrik und eine Wasserkraftanlage in Schöndorf bei Vöcklabruck. 1893 nahm die „Erste österreichisch-ungarische Asbestwarenfabrik L. H.“ ihre Produktion auf, litt aber von vornherein unter schlechtem Geschäftsgang, der durch die schadhaften Anlagen und Geldmangel bedingt war. – Erste Versuche (1894), Asbestpappe zur Herstellung eines feuerfesten, dauerhaften Dachdeckungsmaterials mit Teer zu tränken, schlugen fehl. Nach vielen Versuchen gelang endlich 1900 die Lösung des Problems durch ein hydraulisches Bindemittel, Portlandzement. Auf das von ihm entwickelte Erzeugungsverfahren wurde H. 1901 das österreichische Patent 5970 verliehen und „Eternit“ als Name der Platten geschützt.

    Das Jahrzehnt von 1900 bis 1910 war mit zähen Kämpfen um die Auswertung der Erfindung erfüllt. Besonders hart war die Durchsetzung in Deutschland, wo man zehn Jahre lang das Patent nicht anerkennen wollte. H. verkaufte seine Erfindung an Lizenznehmer in aller Welt, ohne sich selbst finanziell zu beteiligen. Die erste dieser Eternit-Fabriken entstand 1903 in Poissy bei Paris. Noch im gleichen Jahr errichtete H. eine Fabrik in Nyergesujfalu bei Gran, da Ungarn besondere Steuerbegünstigungen und Subventionen anbot und sich gegen die Einfuhr aus Österreich wehrte. Weitere Fabriken entstanden in Beraun bei Prag und in Mährisch-Schönberg. Erstmals stand Asbestzement beim Bau der Tauernbahn (1902–09) in Großverwendung und bewährte sich voll und ganz. Im Verlauf der Vergrößerung seiner Unternehmen erwarb H. 1907 eine Portlandzementfabrik in Gmunden und fuhr selbst nach Petersburg, um mit den Asbestgrubenbesitzern im Ural einen 5-Jahresvertrag abzuschließen, der ihm den alleinigen Ankauf der vollständigen Jahresproduktion sicherte. Die Kaufsumme überschritt bei weitem sein Gesamtvermögen. Als 1914 der Krieg ausbrach, lagerten 1200 Waggonladungen russisches Asbest in Vöcklabruck, wodurch die Produktion 4 Kriegsjahre lang gesichert war. 1910 wurde die Rhombusdeckung erfunden und erschloß neue Anwendungsgebiete Bis zu seinem Tode leitete H. vom Krankenlager aus die Versuche mit Druckrohren aus Asbestzement.

  • Literatur

    E. Honigmann, L. H., Erfinder, Mensch, Werk, in: Bll. f. Technikgesch. 18, 1956, S. 95 ff. (P);
    L. H.-Festnr. d. Zs. d. Eternitwerke L. H., 1956;
    Internat. Asbestzement-Revue 2, 1957, H. 1;
    E. v. Kurzel-Runtscheiner, in: Österr. Naturforscher u. Techniker, 1957, S. 195 (L S. 205);
    R. Kunz in: NÖB X, S. 107-10;
    J. Mentschl, Österr. Wirtsch.-pioniere, 1959, S. 116-20;
    ÖBL.

  • Autor/in

    Gustav Otruba
  • Empfohlene Zitierweise

    Otruba, Gustav, "Hatschek, Ludwig" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 58 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd127024891.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA