Lebensdaten
1886 bis 1960
Geburtsort
Schöningen bei Stettin
Sterbeort
Bad Godesberg bei Bonn
Beruf/Funktion
Agrarpolitiker ; Diplomat
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 12373181X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schlange, Hans (bis 1921)
  • Schlange-Schöningen, Hans
  • Schlange, Hans (bis 1921)
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Zitierweise

Schlange-Schöningen, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd12373181X.html [20.06.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Ernst Schlange (1851–1925), auf Colbitzow (Schöningen, Pommern), Rr.gutsbes., zuletzt in Dietrichsdorf (Ostpreußen);
    M Olga (1857–98), T d. Rudolf v. Busse (1817–90), preuß. Oberstlt., u. d. Ida v. Schwerdtner (1820–95);
    Ur-Gvm Rudolf Maximilian v. Busse (1783–1864), preuß. Gen.lt. (s. Priesdorff V, S. 474 f., Nr. 1658);
    Ov Ernst Friedrich Hans Schlange (1856–1922), Chirurg;
    Om Konstantin v. Busse (1820–97), preuß. Gen.lt. (s. BJ III, Tl.; Priesdorff VIII, S. 273 f., Nr. 2597);
    B Ernst Schlange (1888–1967), Dr. agr., Landwirt, 1932 MdR (NSDAP);
    1913 Margarete v. Nagy (1890–1975);
    3 S Ernst-Siegfried Alexander (* 1914), Dipl., Hans-Joachim (1916–91), Industriekaufm. in Rolandia/Parana (Brasilien), Horst-Dietrich (1918–90), Dr., zuletzt in Göttingen, 1 T Marie-Luise Johnsen (1921–99), Fremdsprachenkorrespondentin, zuletzt in Sᾶo Paulo (Brasilien);
    E Heinrich (* 1960), Dr. phil., Hist., PD am Friedrich Meinecke Inst. d. FU Berlin;
    Vt Ernst Schlange (1888–1947 in russ. Haft), Präs. d. Gen.direktion d. Preuß.-Süddt. Staatslotterie.

  • Leben

    Nach dem Abitur 1906 diente S. drei Jahre als Offizier im Jäger-Rgt. zu Pferde No. 2 in Langensalza (Thür.). Darauf folgte eine Ausbildung und Tätigkeit in der Landwirtschaft. 1914-18 nahm er am 1. Weltkrieg teil, in dem er dreimal verwundet wurde. Nach Kriegsende übernahm er das väterliche Gut Schöningen, das er zu einem international anerkannten Musterbetrieb ausbaute.

    Politisch engagierte sich S. anfangs in der DNVP, für die er 1921 in den Preuß. Landtag und 1924 in den Reichstag gewählt wurde. Zunächst Gefolgsmann Hugenbergs am äußersten rechten Flügel dieser Partei, setzte er seit 1926 auf die pragmatische Linie des Grafen Westarp. Nachdem er 1928 den Vorsitz des pomm. Landesverbandes der DNVP niedergelegt hatte, verließ er Anfang 1929 mit etlichen Anhängern die DNVP und schloß sich der Christlich-Nationalen Bauern- und Landvolkpartei an, die er bis zum Juli 1932 im Reichstag vertrat. Im Herbst 1931 ernannte ihn Reichskanzler Brüning zum Reichskommissar für die Osthilfe und Reichsminister ohne Geschäftsbereich. Als solcher strebte S. eine Umstrukturierung der ostdt. Landwirtschaft an, indem nicht entschuldungsfähiger Großgrundbesitz in bäuerliche Siedlung überführt werden sollte. Dieses Konzept stieß bei Reichspräsident Hindenburg und dessen Umgebung auf entschiedenen Widerspruch. Die Entlassung Brünings durch den Reichspräsidenten im Mai 1932 wurde nicht zuletzt hierdurch veranlaßt. Während des „Dritten Reiches“ lebte S. als Landwirt in Schöningen. Während des Kriegs stand er in Kontakt mit Widerstandskreisen; auf einer Ministerliste Goerdelers von 1944 war er als Ernährungsminister vorgesehen, ohne daß dies zu einer Verhaftung und Verurteilung S.s führte.

    Im Frühjahr 1945 flüchtete S. in den Westen und gehörte im Herbst des Jahres zu einem Kreis von Politikern in Norddeutschland, die für die Bildung einer christl. Sammelpartei warben. Im Febr. 1946 übernahm er die Leitung des Zentralamtes für Ernährung und Landwirtschaft in der brit. Zone. 1947-49 war er Direktor der bizonalen Verwaltung für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Frankfurt/M. In beiden Ämtern bemühte sich S., Grundlagen für eine agrarpolitische Ordnung zu schaffen, die eine sozial verpflichtende Ernährungspolitik gestattete. Hiermit machte er sich jedoch die Bauernverbände zu Gegnern, was seine politische Karriere beeinträchtigte.

    1949 für die CDU in den Bundestag gewählt, scheiterten S.s politische Ambitionen auf ein Ministeramt bzw. auf das Amt des Bundespräsidenten letztlich an Adenauer, nachdem er mit Nachdruck die Bildung einer Großen Koalition gefordert und Adenauers Führungsanspruch vor der CDU/CSU-Bundestagsfraktion in Frage gestellt hatte. 1950 schied S. aus dem Bundestag aus und trat in den diplomatischen Dienst über. Seit 1950 war er in London Generalkonsul, 1951-53 außerdem Geschäftsträger und 1953-55 erster bundesdt. Botschafter.

  • Auszeichnungen

    Dr. agr. h. c. (Landwirtschaftl. Hochschule Berlin, 1931); Gr. BVK mit Stern u. Schulterband (1953).

  • Werke

    u. a. Führer u. Völker, 1931;
    Acker u. Arbeit, 1932;
    Am Tage danach, 1946;
    Lebendige Landwirtsch., 1947;
    Hg.:
    Im Schatten d. Hungers, 1952;
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß: BA Koblenz.

  • Literatur

    H. Muth, in: G. Franz u. H. Haushofer (Hg.), Gr. Landwirte, 1970, S. 394-417 (W, P);
    G. J. Trittel, H. S., Ein vergessener Pol. d. „Ersten Stunde“, in: VfZ 25, 1987, S. 25-63;
    ders., in: Das Parl. Nr. 46 v. 15.11.1986 (P), Nr. 32 v. 8.8.1987 (P);
    U. Wengst, S., Ostsiedlung u. d. Demission d. Reg. Brüning, in: GWU 30, 1977, S. 99-119;
    J. Farquharson, The Consensus Never Came, H. S. and the CDU, 1945–1949, in: European History Quarterly 19, 1989, S. 353-83;
    G. J. Trittel, Hunger u. Politik, Die Ernährungskrise in der Bizone (1945–1949), 1990;
    Rhdb.;
    Klimesch (P);
    Wi. 1958;
    Biogr. Lex. Weimarer Rep.;
    Lex. Konservatismus (W, L);
    Schumacher, M. d. R.;
    Schumacher, M. d. L.;
    Schumacher, M. d. B.;
    Munzinger;
    Biogr. Hdb. MdB;
    D. Hildebrand, in: Christl. Demokraten gegen Hitler, hg. v. G. Buchstab, B. Kaff u. H.-O. Kleinmann, 2004, S. 438-45.

  • Autor/in

    Udo Wengst
  • Empfohlene Zitierweise

    Wengst, Udo, "Schlange-Schöningen, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 26 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd12373181X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA