Lebensdaten
erwähnt 1389, gestorben 2. Hälfte 14. Jahrhundert
Beruf/Funktion
Bildhauer ; Erzgießer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 123190096 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Georg
  • Klausenburg, Georg von (von ist kein Adelsprädikat)
  • Clusenberg, Georg von (von ist kein Adelsprädikat)
  • mehr

Zitierweise

Georg von Klausenburg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd123190096.html [18.06.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Nikolaus, aus K., Maler;
    B Martin v. K., Bildhauer u. Erzgießer.

  • Leben

    Von den 3 bezeugten Werken der Brüder Georg und Martin von Klausenburg ist nur eines auf uns gekommen: Das bronzene Reiterstandbild des heiligen Georg auf der Prager Burg (3. Vorhof). Nach Balbinus trug der Heilige (bis 1757) einen Schild mit der Umschrift: „Anno domini MCCCLXXIII hoc opus Imaginis S. Georgii per Martinum et Georgium de Clussenberch conflatum est“. Von den beiden anderen, für die Bischöfe von Großwardein in Ungarn (Nagyvarad) angefertigten Bronzeskulpturen haben wir lediglich die Inschriften (und auch diese nicht im Original) sowie spätere Beschreibungen und eine kleine Zeichnung. Es waren dies: 3 Standfiguren der Heiligen Stephan, Emmerich und Ladislaus (entstanden gegen 1370) und 1 großes vergoldetes Reiterstandbild des Königs Ladislaus von Ungarn von 1389. Beide Werke standen bis zum 17. Jahrhundert auf dem Domplatz in Großwardein. In den Türkenkriegen wurden sie eingeschmolzen.

    Eine Zeichnung Georg Hoefnagels um 1600, deren Beschriftung die beiden Werke nennt, unterrichtet nur summarisch über die allgemeine Situation, ohne daß Einzelheiten zu entnehmen wären. Nach einem Bericht des türkischen Reisenden Evlia Tschelebi von 1660 waren die beiden Großwardeiner Werke an Wuchs „zwei erwachsenen Menschen gleich“ und somit wahrscheinlich überlebensgroß. – Was die Zuschreibung des Kopfreliquiars im Museum von Raab (Györ) betrifft, so scheiden die Brüder als Urheber aus stilistischen Gründen aus.

    Das Prager Reiterstandbild des heiligen Georg ist 1562 bei einem Turnier beschädigt worden. In der Tat wurden 1573 „15 schock Groschen an den Pichsenmacher (Wolf) Hofprucker“ in Prag für Arbeiten am heiligen Georg bezahlt. Daß damals, wie tschechische Forscher eine Zeitlang vermuteten, das Reiterstandbild zur Gänze nachgegossen wurde, ist aus gußtechnischen und mehr noch aus stilistischen Gründen unwahrscheinlich. Zwar wirkt die differenzierte, mit erstaunlicher Genauigkeit beobachtete und überraschender Naturtreue wiedergegebene Bewegung des „lionardesken“ Pferdes wie ein Vorgriff auf die Renaissance, doch ist das Standbild nichtsdestoweniger im Wesen gotisch und gehört jener idealisierenden Unterströmung an, die im „weichen Stil“ um 1400 wieder an Einfluß gewinnt, ganz abgesehen von dem durchaus gotischen Habitus des zartgliedrigen, knabenhaften Reiters und der für die Mitte des 14. Jahrhunderts (Hohenfurther Altar) charakteristischen, kristallinischen Felsenformation des Landschaftssockels. Einigen Aufschluß über die ursprüngliche Bestimmung (Altarbild, Brunnenfigur oder freistehendes Denkmal) gibt die freiplastisch empfundene Komposition, die sich im Halbkreis um eine lotrechte Raumachse entwickelt, deren Drehpunkt die Lanze ist. Das Reiterstandbild hat jedoch in seiner pretiösen Feinheit und heraldischen Stilisierung viel von einer Goldschmiedearbeit. Als Freimonument aus Bronze indessen ist der immerhin über halblebensgroße heilige Georg ohne Beispiel im 14. Jahrhundert. Weder in Italien noch in Deutschland gibt es vorher vergleichbare Reiterstandbilder: Die italienischen sind auch im 14. Jahrhundert noch von der Antike bestimmt, die deutschen sind im 13. Jahrhundert hoheitsvoll und streng (Bamberg, Magdeburg), im 14. Jahrhundert verbürgerlicht und ganz ohne die höfische Eleganz des Prager Georg (heilige Georg und Martin an der Westwand des Regensburger Doms, heiliger Georg am Münster in Basel). Nur in der Malerei gibt es kompositionelle Vorstufen (Mechelen, Bibel für Robert von Anjou, vor 1343; Georgskodex im Vatikan, Nachzeichnungen nach einem Fresko von Simone Martini für den Dom von Avignon). Bei den regen Beziehungen der ungarischen Könige zu Frankreich und Italien könnten die Brüder Impulse von dorther empfangen haben. Als Skulptur freilich ist der Prager heilige Georg eher in der Kunst der Herzöge Rudolf und Albrecht in Wien und der damaligen Reichshauptstadt Prag beheimatet. Zwar hat er mit dem monumentalen Realismus der Parlerplastik wenig gemeinsam, aber der im gleichen Jahre entstandene heilige Wenzel in der Wenzelskapelle des Prager Veitsdoms entspricht immerhin einem ähnlichen Heiligen- und Ritterideal. Am nächsten stehen ihm in der Bewegung der Longinus am Tympanon der Teynkirche in Prag und in ihrer zierlichen Schmuckfreudigkeit die Laibungs- und Tympanonfiguren (Pauluslegende der Lünette) am Singertor des Wiener Stephansdoms.

    Daß jedoch der heilige Georg von Karl IV. in Auftrag gegeben und in Prag gegossen worden ist, ist alles in allem nicht sehr wahrscheinlich. Weder die Inschrift noch die Überlieferung enthält einen Hinweis darauf, ganz abgesehen davon, daß Böhmen weder im Mittelalter noch in der Neuzeit monumentale Erzplastik hervorgebracht hat. Hingegen bezeugen die deutschen Inschriften an zeitgenössischen ungarischen Grabbeigaben (Ringe) und vor allem an jenen beiden ungarischen Wappenschilden, die König Ludwig von Ungarn eben damals (1367) für die ungarische Kapelle des Aachener Münsters stiftete, daß in Ungarn eine Gießhütte bestanden hat. So spricht viel dafür, daß auch der Prager heilige Georg wie die beiden anderen Werke der Brüder Georg und Martin von Klausenburg in Großwardein entstanden ist.

    Als gegenstandslos darf ferner die Kontroverse über die nationale Herkunft der Brüder gelten. Klausenburg war im 14. Jahrhundert eine überwiegend deutsche Stadt. Es ist unwahrscheinlich, daß ungarische Künstler die siebenbürgisch-sächsische Dialektform Clussenberch verwendet hätten, wenn sogar die deutschen Bürger Klausenburgs, wie mehrfach bezeugt, in ihren lateinischen Urkunden mitunter die Bezeichnung Kolosvár gebrauchten.

    Wie Peter Parler gehörten die Brüder wohl jener um 1330 geborenen Künstlergeneration an. Daß jedoch der in den Quellen immer zuerst genannte Martin der ältere und bedeutendere war, ist nur eine Vermutung. Als Schöpfer des Reiterstandbildes des Prager heiligen Georg, einem der Hauptwerke der abendländischen Plastik des 14. Jahrhunderts, gehörten sie jedenfalls zu den führenden Bildhauern ihrer Zeit.

  • Literatur

    ADB IV (unter Clusenberg);
    W. Hájek, Kronika Česká, Prag 1541, S. 347 v. (berichtet v. hl. Georg als e. Brunnenfigur, „nad rourou“);
    B. Balbinus, Epitome historica rerum Bohemicarum III, ebd. 1677, S. 379;
    W. Roth, Gesch. d. dt. Plastik in Siebenbürgen, 1906, S. 9;
    W. Pinder, Die dt. Plastik d. 14. Jh., 1925;
    ders., Die Kunst d. ersten Bürgerzeit, 1937;
    J. Bálogh, Qu. d. ungarländ. Georgsdarst., in: Archaeologiai Ertesitö 43, Budapest 1929;
    dies., Márton és György kolozsváry szobrászok, in: Erdélyi Muzeum Cluy-Kolozsvár 39, Klausenburg 1934 (L);
    J. Pečírka, Socha sv. Jiří na hradě pražském. Uměni VII, Prag 1934;
    E. v. Mesterhazy, St. Georg in Prag, z. Gesch. d. Reiterstandbildes, in: Ungarn 3, Budapest 1942;
    J. Czemegy, Hol állott egijkor szent Lászlo nagyváradi Lorasszobra, in: Antiquitas Hungarica 2, ebd. 1948;
    L. Gerevich, in: A magyarországi müvészet története I, Budapest 1956, S. 166 ff.;
    H. Wühr, Die Brüder Martin u. G. v. K., in: Südostdt. Vj.bll. 11, 1962;
    H. J. Rieckenberg, Martin u. G. v. K., in: Archiv f. Kulturgesch. 55, 1963 (mit d. 3 Inschrr. u. Beschreibungen);
    ThB 24 (unter Martin v. Klausenburg).

  • Autor/in

    Hilde Bachmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Bachmann, Hilde, "Georg von Klausenburg" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 233 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123190096.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Clusenberg (fälschlich Clusenbach): Georg und Martin C., zwei Bildhauer und Erzgießer, wurden von Kaiser Karl IV. nach Prag berufen, wo sie zwischen 1370—1373 das gegenwärtig im Residenzhofe des Hradschin aufgestellte Reiterstandbild des heiligen Georg modellirten und gossen. Heimath und Lebensverhältnisse dieser ausgezeichneten Künstler, wahrscheinlich Brüder, sind gänzlich unbekannt; ihre Namen haben sich erhalten durch eine am Schilde der Georgsstatue angebrachte Inschrift, lautend: „A. Dni. M. CCCLXXIII. hoc opus imaginis S. Georgii per martinum et georgium de Clusenberch conflatum est.“ Daß der Name Clusenberch einem Orte entnommen sei, läßt sich kaum bezweifeln; doch hat es bisher nicht gelingen wollen, unter den vielen Orten, welche mit Clus, Clause oder Chiusa beginnen, den richtigen auszufinden. Da sowol die künstlerische Behandlung wie die Technik des Gusses auf Köln hindeuten, dürfte die Heimath der Meister am Unterrhein, in Westfalen oder Niedersachsen zu suchen sein. Möglich, daß die alte Reichstadt Goslar, wo der Erzguß schon im 11. Jahrhundert betrieben wurde und in deren Nähe ein Sandsteinberg den Namen Clus führt, ihre Vaterstadt ist. Unter allen dem 14. Jahrhundert entstammenden statuarischen Gußwerken nimmt das in Rede stehende Denkmal mit Entschiedenheit den ersten Rang ein, als das größte und durchgebildetste: es ist etwas unter Lebensgröße gehalten, indem die Gesammthöhe von den Hufen des Pferdes bis zur erhobenen Hand des Reiters 2,25 M. beträgt, während die Figur des Heiligen allein 1,20 M. hoch ist. Die Anordnung des Ganzen ist überaus lebendig und wohlgemessen, die Zeichnung correct und die Ausführung im höchsten Grade sorgfältig. Kopf und Gestalt des Heiligen zeigen noch die conventionellen Formen, welche allen gothischen Bildwerken eigen sind; das Gesicht ist zwar edel aber leblos, der Leib in herkömmlicher Weise geschwungen. Der Ritter hält in der erhobenen Rechten die Lanze, welche er dem Unthier in den Rachen stößt, während die linke Hand den Zügel anzieht. Ungleich freier und naturgemäßer als der Reiter ist das Pferd behandelt, welches sich über dem unter seinen Füßen sich windenden Drachen aufbäumt und im Galopp hinwegzusetzen sucht. Ueber die meisterhafte Ausführung des Pferdes äußerte sich schon der gelehrte Historiker Balbin im Jahre 1681, daß es von allen Künstlern bewundert werde und daß die Adern und Muskeln vollständig|ausgedrückt seien. — Im Jahre 1561 wurde das Denkmal bei Gelegenheit eines am S. Georgsplatze abgehaltenen Turnieres schwer beschädigt, indem mehrere Personen auf den Rücken des Pferdes kletterten, unter welcher Last das Standbild überschlug und, weil es mit einem Röhrbrunnen verbunden war, in das vorstehende Wasserbassin stürzte. Damals wurden der Kopf und die beiden Hinterbeine des Pferdes abgesprengt; doch fand kein Umguß statt, wie vielfach behauptet wird, sondern es gelang mittels geschickter Löthungen das Kunstwerk so zusammenzufügen, daß der alterthümliche Charakter keine Störung erlitten hat. Das Erz, aus welchem das Denkmal besteht, wurde von mehrern Chemikern untersucht und als eine Legirung von 10 Gewichtstheilen Kupfer und 1 Gewichtstheil Zinn, ohne anderweitige Zusätze, befunden. Ein zweites Bildwerk, welches auch nur annähernd die Manier der Meister C. verriethe, ist nicht bekannt, obwol die in der Georgsstatue niedergelegten Kunstkenntnisse eine ausgebreitete Thätigkeit voraussetzen.

    • Literatur

      Vgl. Balbinus, Epitome rerum bobem., Prag 1681. — Karl Adolf Redel, Beschreibung von Prag, 1704. — Ferd. Mikowec, Alterthümer und Denkwürdigkeiten von Böhmen, 1853—56.

  • Autor/in

    Grueber.
  • Empfohlene Zitierweise

    Grueber, Bernhard, "Georg von Klausenburg" in: Allgemeine Deutsche Biographie 4 (1876), S. 348-349 unter Clusenberg, Georg [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123190096.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA