Lebensdaten
1878 bis 1945
Geburtsort
Karlstadt/Main
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Offizier ; bayerischer Gesandter in Berlin ; Leiter eines Widerstadskreises
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 122724933 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sperr, Franz

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Zitierweise

Sperr, Franz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd122724933.html [17.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Ludwig (* 1848), aus Moosach b. München, aus Försterfam., Bahnbeamter, Reg.dir., bis 1920 stellv. Leiter d. Eisenbahndirektion Regensburg, Ehrenkreuz d. bayer. Verdienstordens v. Hl. Michael 1918;
    M Therese Geiger, aus Aschaffenburg, aus Fischer- u. Brauerfam.;
    Murnau 1921 Gertraud (1889–1981), T d. Hans Schmidt (1863–1924), Gen.major, u. d. Sophie Müller (1864–1906);
    1 S Hanns Ludwig (* 1922), Bankbeamter, Journ., emigrierte in d. USA.

  • Leben

    S. schlug nach dem Abitur in Ulm (1897) die Offizierslaufbahn ein, die ihn schon 1911 in den bayer. Generalstab führte (1913 in d. preuß. Gen.stab abgeordnet). Im 1. Weltkrieg im Osten wie im Westen eingesetzt, knüpfte er bereits hier viele Kontakte, die sich seit 1918 auf politischem Feld vertieften, als er in Berlin zuerst im Amt des bayer. Militärbevollmächtigten, 1919 als stellv. Bevollmächtigter beim Reichsrat, seit Nov. 1932 als Leiter der bayer. Gesandtschaft (formell Gesandter 20.2.1933) tätig wurde. Als Militär wie Diplomat höchst kompetent, politisch ein Vertreter gouvernementalen, gemäßigt monarchistischen Denkens, traditionell konservativ-liberal und überzeugt katholisch, trat S. von Anfang an für Föderalismus und bayer. Eigenständigkeit ein. 1919 konnte er die landsmannschaftliche Ausrichtung der Wehrmacht maßgeblich begründen. In der Endphase der Republik sah er zuerst in Papen, den er als „Verderber des Föderalismus“ betrachtete, das Hauptproblem; im März 1933 versuchte er in intensivem Zusammenspiel mit Ministerpräsident Heinrich Held in München, die NS-Machtübernahme in Bayern zu verhindern. Von den Lügen der bayer. NS-Führer (z. B. Wilhelm Frick) tief enttäuscht, ließ er sich – auch angesichts des Bedeutungsverlusts seines Amtes – am 1.11.1934 in den einstweiligen Ruhestand versetzen (endgültig 1.11.1939).

    In München begann S. seit 1935, angestoßen durch Kronprinz Rupprecht (1869–1955), Verbindungen zwischen Regimekritikern, u. a. Militärs, Politiker, Juristen, herzustellen; dazu half 1936/40 seine Tätigkeit als Leiter einer Zweigstelle der Dt. Gesellschaft|für Wehrpolitik und Wehrwissenschaft, später als Berater der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft, was ihm Vorträge und Reisen ermöglichte. Führende Mitglieder des Widerstandskreises waren die früheren bayer. Minister Eduard Hamm (Wirtschaft), Anton Fehr (Landwirtschaft), Reichsminister Otto Geßler (Wehrmacht), der Kabinettschef des Kronprinzen, Franz Frhr. v. Redwitz, der Augsburger Rechtsanwalt Franz Reisert, Joseph Ernst Fürst Fugger-Glött und besonders der gemaßregelte Erlanger Privatdozent Ernst Meier. Man plante zuerst, kompetent zur Stelle zu sein, wenn das Regime von innen oder von außen her zusammenbräche; später, als sich die NS-Diktatur sogar im Krieg als stabil erwies, wurde auch ein gewaltsamer Umsturz bedacht, entweder durch Kräfte des Militärs, oder, sobald die – für sicher gehaltene – Invasion der Alliierten den Rhein erreicht haben würde, durch eine Beseitigung des Regimes in Bayern als Anstoß für den Zusammenbruch der NS-Herrschaft. Dazu knüpfte S. Kontakte zum Kreisauer Kreis (Treffen mit Helmuth James Gf. v. Moltke) und zum abgesetzten Generalstabschef Franz Halder, der 1943 für die militärische Führung dieser Aktion gewonnen werden konnte – die politische Führung sollte bei S. liegen. Zum Verhängnis wurde S. eine von Alfred Delp angeregte Unterredung mit Claus Gf. Schenk v. Stauffenberg am 6.6.1944 in Bamberg. Obwohl es zu keiner Übereinstimmung kam – S. hatte Zweifel am Erfolg des Planes –, wurde die Tatsache, daß S. ihn nicht meldete, nach seiner Verhaftung (2.9.1944) bei seinem Prozeß vor dem Volksgerichtshof unter Roland Freisler am 11.1.1945 als schwerstes Verbrechen gewertet. S. wurde zum Tod verurteilt und am 23. Jan. hingerichtet. Mit S., dessen Widerstandstätigkeit erst Jahrzehnte später gewürdigt wurde, ging der Kopf eines zwar regional beschränkten, aber bestens vorbereiteten Umsturzplanes unter.

  • Auszeichnungen

    EK I (1914); ao. Minister (1933); Oberst (1939); Gedenkstein (München, Friedhof St. Georg, Bogenhausen); F.-S-Str. in München; Gedenktafel in Karlstadt/Main.

  • Literatur

    E. Fröhlich, F. S. als Mil.bevollmächtigter u. Gesandter, Magisterarb. München 1973 (ungedr.);
    H.-A. Jacobsen (Hg.), „Spiegelbild e. Verschwörung“, Die Opposition gegen Hitler u. d. Staatsstreich v. 20. Juli 1944 in d. SD-Ber.erstattung, 2 Bde., 1984;
    J. Zarusky u. H. Mehringer (Hg.), Widerstand als „Hochverrat“ 1933–1945, Verfahren gegen dt. Reichsangehörige vor d. Reichsger., d. Volksger.hof u. d. Reichskriegsger., 1998, Mikrofiche 0481;
    H. Rumschöttel u. W. Ziegler (Hg.), F. S. u. d. Widerstand gegen d. NS in Bayern, 2001 (P);
    G. Hetzer, Archival. Qu. zu F. S., ebd., S. 175–221;
    W. Becker, in: Zeitgesch. Lb. XI, 2004, S. 92–106;
    ders., Der bayer. Widerstandskreis um F. S. u. Otto Geßler, in: U. Karpen (Hg.), Europas Zukunft, Vorstellungen d. Kreisauer Kreises um Helmuth James Gf. v. Moltke, 2005, S. 33–51;
    Wi. 1935.

  • Portraits

    Photogrr. (Porträtslg. d. Bayer. HStA München, Abt. IV Kriegsarchiv).

  • Autor/in

    Walter Ziegler
  • Empfohlene Zitierweise

    Ziegler, Walter, "Sperr, Franz" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 670-671 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122724933.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA