Lebensdaten
1850 bis 1927
Geburtsort
Tägerwilen Kanton Thurgau
Sterbeort
Wädenswil Kanton Zürich
Beruf/Funktion
Botaniker
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 122508114 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Müller, Hermann
  • Müller-Thurgau, Hermann
  • Müller, Hermann
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Zitierweise

Müller-Thurgau, Hermann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd122508114.html [20.06.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johannes Ulrich (1828–1908), Bäckermeister u. Rebbauer in T.;
    M Marie Egloff (1830–1907);
    1881 Bertha Biengen (1862–1957), T e. Weinhändlers in Oestrich (Rheingau);
    3 T;
    E Robert Fritzsche, Prof., Dir. d. Eidgenöss. Forschungsanstalt f. Obst-, Wein- u. Gartenbau in W. (s. L).

  • Leben

    M. besuchte seit 1861 die Sekundarschule in Emmishofen und anschließend das Lehrerseminar in Kreuzungen. 1869 wurde er Lehrer an der Städtischen Realschule in Stein am Rhein. Zur Weiterbildung ging er 1870 an das Polytechnikum (heute ETH) in Zürich, das er 1872 mit dem Diplom eines Fachlehrers für Naturwissenschaften verließ. Nach kurzer Tätigkeit am Lehrerseminar in Kreuzungen in den Fächern Naturwissenschaften, Mathematik und Turnen studierte er seit 1873 an der Univ. Würzburg bei dem bekannten Pflanzenphysiologen Julius Sachs. Nach der Promotion zum Dr. rer. nat. mit einer Arbeit über „Die Sporenkeime und Zweigvorkeime der Laubmoose“ war er 1874-76 Assistent bei Sachs am Pflanzenphysiologischen Institut. 1876 wurde er zum Leiter der neuerrichteten Pflanzenphysiologischen Versuchsstation und Lehrer für Botanik an der Preuß. Lehr- und Versuchsanstalt für Obst-, Wein- und Gartenbau in Geisenheim (heute Forschungsanstalt Geisenheim) und 1888 zum Professor ernannt. Hier konnte er seine Liebe zur Botanik und Landwirtschaft mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen der Pflanzenphysiologie in einer neuartigen Arbeitsrichtung, der angewandten Botanik, vereinen. Seine grundlegenden Untersuchungen über die Physiologie der Weinreben und Obstgehölze, über die Gärungsphysiologie und sein erfolgreiches Wirken als Lehrer führten zur Berufung zum ersten Direktor der 1890 gegründeten Deutsch-Schweizer. Versuchsstation und Schule für Obst-, Wein- und Gartenbau Wädenswil (heute Eidgenöss. Forschungsanstalt für Obst-, Wein- und Gartenbau). Nach 34jährigem Direktorat, während dessen er sich große Verdienste um den Aufbau der wissenschaftlichen Forschung und die wirtschaftliche Gesundung und Stärkung des Obst- und Weinbaus in der Schweiz erwarb, trat er 1924 in den Ruhestand.

    Untersuchungen des Stoffwechsels stärkehaltiger Pflanzen führten M. zur Erforschung von Bildung, Transport und Ablagerung der Assimilationsprodukte bei Reben und deren Abhängigkeit von der Anzahl der Blätter. Außerdem wies er die Bedeutung der Assimilationsprodukte für Befruchtung, Verrieseln, Beerenbildung und -reife nach. Seine gärungsphysiologischen Arbeiten befaßten sich in erster Linie mit dem Einfluß der Temperatur auf den Ablauf der Gärung, die Anwendung und Züchtung von Reinhefekulturen und die bakteriologischen Grundlagen des Säureabbaus. Mit der wissenschaftlichen Bearbeitung einer gärungsfreien Obst- und Traubenverwertung schuf er die Grundlagen für eine neue Sparte der industriellen Nutzung landwirtschaftlicher Produkte. Auch phytopathologischen Problemen widmete sich M. erfolgreich mit der Untersuchung der Biologie der Schaderreger der Reben, Obst- und Zierpflanzen. Sein Name bleibt mit der nach ihm benannten Rebensorte verbunden, die er in Geisenheim aus einer Kreuzung der Sorten Riesling und Silvaner züchtete und die später in Wädenswil zu einer erfolgreichen Sorte selektiert wurde, die heute die meistverbreitete Rebsorte im deutschen Weinbau ist.|

  • Auszeichnungen

    Ehrenmitgl. d. Dt. Weinbauver. (1890); Dr. h. c. (Bern 1920).

  • Werke

    u. a. Welches sind d. Resultate wiss. Forschung üb. d. Vorgang d. Reifens d. Trauben, in: Ann. d. Önol. 6, 1877, S. 615-17;
    Über d. Gefrieren u. Erfrieren d. Pflanzen, in: Thiels landwirtsch. Jbb. 9, 1880, S. 133-89;
    Über d. Einfluß d. Temperatur auf d. Gärung d. Mostes, in: Verhh. d. Dt. Weinbaukongresses, 1882, S. 117-24;
    Die Herstellung alkoholfreier Obst- u. Traubenweine, 1896;
    Der Rote Brenner d. Weinstockes, in: Zbl. f. Bakteriol., 2. Abt., 10, 1903;
    Infektion d. Weinrebe durch Plasmopara viticola (Peronospora), ebd. 29, 1911;
    Die Bakterien im Wein u. Obstwein u. d. dadurch verursachten Veränderungen, ebd. 36, 1913 (mit A. Osterwalder);
    Züchtung besserer Rebsorten, in: Landwirtsch. Jb. d. Schweiz 1915, S. 608 (mit F. Kobel);
    Konservierter Traubensaft als Ersatz v. Wein, in: Schweizer.|Zs. f. Obst- u. Weinbau inkl. Verwertung, 1895, S. 155;
    insgesamt ca. 500 wiss. Arbeiten (vollst. Slg. in d. Bibl. d. Forschungsanstalt Wädenswil).

  • Literatur

    R. Fritzsche, H. M.-T., in: Schweizer Pioniere d. Wirtsch. u. Technik 29, 1974, S. 9-64 (W, L, P);
    Ostschweizer Erfinder u. Pioniere, Ausst.kat. St. Gallen 1988, S. 54-59 (P);
    Biogr. Lex. verstorbener Schweizer II, 1948;
    Schweizer Lex. (P).

  • Autor/in

    Günter Staudt
  • Empfohlene Zitierweise

    Staudt, Günter, "Müller-Thurgau, Hermann" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 510 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122508114.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA