Lebensdaten
1888 bis 1929
Geburtsort
Salurn
Sterbeort
Bozen
Beruf/Funktion
Volkstumspolitiker ; Schulmann
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 122257316 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Noldin, Josef
  • Noldin, Joseph

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Zitierweise

Noldin, Josef, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd122257316.html [16.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Carl Franz (1844–1922), Gutsbes. u. Weinhändler in S., S d. Aloys Carl Vinzenz (1813–77), Gutsbes. u. Weinhändler in S., u. d. Anna Maria Untersteiner (* 1815);
    M Amalia (1858–1943), T d. Rochus Mayr (1825–89), Gastwirt u. Gutsbes. in Brennbichl-Imst, u. d. Therese Pfurtscheller (1826–1919); Vorfahre mütterlicherseits Michael Pfurtscheller (1776–1854), Pionier d. Kleineisengewerbes in Fulpmes (Tirol), 1809 an d. Organisation d. Stubaier Freiheitskampfes maßgebl. beteiligt (s. ÖBL);
    Ov Hieronymus SJ (1838–1922), Moraltheol. (s. ÖBL);
    1) 1803 Ursula Zanon ( 1818), 2) Bozen 1922 Melania (1895–1973), T d. Carl Dallago (1869–1949), Kaufm. in B., Lyriker u. Philosoph (s. ÖBL), u. d. Adelheid Auckenthaler (1869–1954);
    3 S, 1 T.

  • Leben

    Nach dem Besuch des deutschsprachigen Gymnasiums in Trient, der Jesuitenschule „Stella Matutina“ in Feldkirch und des Gymnasiums in Rovereto legte N. 1906 am Franziskanergymnasium Bozen die Reifeprüfung ab. Es folgte der einjährig freiwillige Wehrdienst bei den Kaiserjägern in Innsbruck. Im Herbst 1907 immatrikulierte sich N. in Innsbruck für Rechtswissenschaften (1912 Dr. iur.). Nach einer Praktikantenzeit in Trient und Mezzolombardo rückte er 1914 als Leutnant d. R. des I. Kaiserjägerregiments ein und geriet Anfang 1915 in russ. Gefangenschaft. 1915-18 wurde er im Lager Pestschanka (Sibirien), zuletzt in Wladiwostok, wo er an die Japaner ausgeliefert wurde, gefangengehalten. 1920 kehrte N. nach Südtirol zurück und eröffnete eine Rechtsanwaltskanzlei in Salurn. Bei der Protestversammlung in Neumarkt am 6.3.1921 trat er gegen die Abtrennung von elf Gemeinden südlich von Bozen vom Gerichtsbezirk Neumarkt und der Gemeinde Tramin zur Unterpräfektur Cavalese auf. Als Vertreter der politischen Sammlungspartei „Deutscher Verband“ in Südtirol wandte er sich gegen die Entnationalisierung Südtirols durch den ital. Faschismus. Seit 1925 organisierte N. zusammen mit Michael Gamper (1885–1956) den deutschsprachigen Notschulunterricht („Katakombenschule“) für Salurn und das Bozner Unterland und exponierte sich bei der Verteidigung von angeklagten Notschul-Lehrerinnen vor Gericht. Am 1.12.1925 wurde er wegen angeblich ehrenrühriger Worte gegen die ital. Nation verhaftet. In Trient erfolgte die Verhandlung wegen angeblicher Beleidigung des Präfekturkommissars und öffentlicher Aufreizung. Nach 20tägiger Haft in Neumarkt wurde er zu fünf Tagen Arrest und 500 Lire Geldstrafe sowie zur Tragung der Prozeßkosten verurteilt. Im Januar 1927 wurde N. wegen Erteilung deutschen Lese- und Schreibunterrichts für fünf Jahre auf die Insel Lipari vordersizilian. Küste verbannt. Er lehnte es ab, ein Gnadengesuch an die röm. Regierung zu richten. Mussolini erklärte infolge einer parlamentarischen Behandlung der Südtirolfrage im österr. Parlament, N. sei in Zwangsaufenthalt geschickt worden, weil er antifaschistisch, d. h. „gegenrevolutionär“ sei. Im Juli 1928 erlitt N. eine malariaähnliche Fieberkrankheit (Liparitis). Im Dezember 1928 wurde er im Zuge von Amnestierungen aus der Verbannung entlassen, jedoch mit Berufsverbot belegt. Nach einer Magenoperation in Meran wurde N. die Ausreise zu einem Kuraufenthalt in Karlsbad bzw. zur Fachbehandlung in Innsbruck von den ital. Behörden verweigert. N. starb im Sanatorium Grieserhof bei Bozen, verehrt als „Märtyrer Tirols“ und „Kämpfer für das deutsche Volkstum“.

  • Literatur

    F. Rucker (Franz Zangerl), N., Ein dt. Schicksal, 1936;
    T. Ebner, Südtirol in Not u. Bewährung, 1955;
    H. Holzmann, in: Salurner Büchl, Schlern-Schrr. 155, 1956;
    W. Noldin, Aus d. Tagebuch meines Vaters, in: W. Pfaundler, Südtirol. Versprechen|u. Wirklichkeit, 1958, S. 217-19;
    K. Leipert, in: Südtiroler Heimat v. 31.12.1964, Nr. 12;
    W. Marzari Kanonikus Michael Gamper, 1974;
    K. Wieninger, Südtiroler Gestalten, 1977, S. 353-68;
    L. Steurer, Südtirol zw. Rom u. Berlin 1919-1939, 1980;
    M. Villgrater, Katakombenschule. Faschismus u. Schule in Südtirol, 1984;
    E. Oberkofler, in: Südtirol in Wort u. Bild 32, 1988, H. 4, S. 3-6;
    D. A. Binder, Pol. Katholizismus u. kath. Verbandswesen, Am Beispiel d. Kartellverbandes d. Kath. nichtfarbentragenden Studentenverbindungen Österreichs (ÖKV), 1989;
    S. Koß, in: ders. u. W. Löhr (Hg.), Biogr. Lex. d. KV, 1. T., 1991, S. 70-72 (P);
    Ch. Geltner, in: ders. (Hg.), 100 J. AKV Tirolia 1893-1993, I, 1993, S. 244-51.

  • Autor/in

    Michael Gehler
  • Empfohlene Zitierweise

    Gehler, Michael, "Noldin, Josef" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 330 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122257316.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA