Lebensdaten
erwähnt 1051, gestorben 1079
Sterbeort
Hildesheim
Beruf/Funktion
Bischof von Hildesheim
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 120929082 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hettilo
  • Ethilo
  • Hecelo
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Zitierweise

Hezilo, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd120929082.html [20.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Die Fam. ist fränk. Herkunft u. schuf sich erst dank H. in Sachsen Positionen. Verwandte Poppo ( 1084), Domherr v. H., Dompropst v. Bamberg u. (seit 1076) Bischof v. Paderborn, Kuno, Domherr u. Propst d. Moritzstiftes in H., der sich mit H. zerstritt, in d. sächs. Krise Spätjahr 1073 als entschiedener Anhänger Heinrichs IV. an dessen Hof ging u. wenig später Bischof v. Brescia wurde, „Bruderssohn“ Meginhard, der während d. Unruhen mit anderen Hildesheimer Scholaren nach Köln zu EB Anno geflüchtet war u. um dessen Rückkehr sich 1074-75 H. bemühte. Etwa 1070 avancierte Sigibert, Abt v. St. Michael in H. (bis 1079), od. s. Prior u. späterer Nachf. Meginhard zeitweilig zum Abt der Reichenau; ob auch hier, wie ein Zeitgenosse weiß, H. der Verwandtschaft zuliebe eingriff, bleibt zweifelhaft.

  • Leben

    H. hat nicht in Frankreich studiert. Wie andere Familienmitglieder erwarb er sich die ihm nachgerühmte literarische und theologische Bildung im wesentlichen wohl in Bamberg. Auf Bamberger Lebensstil jedenfalls|suchte er seine Landsleute auch in der neuen sächsischen Heimat festzulegen. Wieweit fränkisch-süddeutsche Anregungen später sein Interesse für die Domschule und ihre bibliothekarische Ausrüstung, seine Tätigkeit als Bauherr und Mäzen, seine Stellung zu Reformrichtungen bestimmten, ist freilich nicht auszumessen. Seit er noch unter Heinrich III. Kaplan, 1051/52 Propst des Königsstiftes Sankt Simon und Juda in Goslar, 1053 Kanzler für Italien, 1054 Nachfolger Bischof Azelins von Hildesheim geworden war, überwogen politische Motive. So gewiß H. sich gelegentlich auf geistig-geistliche Aufgaben zurückzog und Beispiele karitativer Fürsorge gab, häufiger redete man von Stolz und unbeherrschtem Temperament eines Gewalthabers, von der Schläue und Berechnung eines Taktikers.

    In den ersten 15 Jahren des Episkopats wurde Hildesheim erneuert, die Machtgrundlage künftiger Landesherrschaft beträchtlich erweitert. Der Wiederaufbau der 1046 weitgehend eingeäscherten Stadt ging nach neuen Plänen zügig voran. Beim Dom ersetzte H. das großzügigere und wohl westlich lokalisierte Projekt Azelins durch einen kreuzförmigen, klar gegliederten und im Raum des Altfridschen Münsters gelegenen Bau, den er schon 1061 einweihen und mit einem mächtigen Kronleuchter über dem Mittelschiff schmücken konnte. Umstritten ist, auch nach den Grabungen nach 1945, wie er das Erhaltene, Chor und Krypta, einbezog und wie damals die Turmanlagen aussahen. Nicht im alten Umfang wiederherstellen ließ H. das Domstift; das und Pfründenordnungen, wie die von ihm überlieferte, trugen dazu bei, daß das gemeinsame Leben der Mitglieder endgültig niederging. Auch H. beklagte die Entwicklung, und möglicherweise suchte er, was er beim Domstift mit seinen neuen Funktionen nicht mehr für realisierbar hielt, in anderen kirchlichen Anstalten zu wahren: in Godehards Gründung Sankt Moritz, die, um 1057/59 in ein Nonnenkloster verwandelt, unter Kuno 1068 ein Kanonikerstift wurde, im Braunschweiger Cyriakusstift (etwa gleichzeitig?), im Kreuzstift (1075/79). Hildesheim war als glanzvolles Zentrum eines weiten Herrschaftsbezirks gedacht. Fast alle Privilegien für das Bistum, darunter zu den alten Grafschaftsrechten solche in den Archidiakonaten Elze, Reden, Freden, Wallensen und zwei riesige Forstbannbezirke an Leine und Innerste, erwarb H. während der Minderjährigkeit Heinrichs IV., indem er sich an die jeweilige Regentschaft vortrefflich anpaßte. So griff er die Politik des Duumvirats Anno-Adalbert gegen die Reichsabteien für seine Diözese auf, und die blutigen Rangstreitigkeiten mit dem Abt von Fulda, die er Weihnachten 1062 vor dem jungen König, Pfingsten 1063 sogar in der Goslarer Kirche zu provozieren und zu schüren wagte, zeigten seine brutale Entschlossenheit. Bedeutsam für die Zukunft war, daß das Machtstreben des Bischofs immer mehr auch auf die eigentliche „Königslandschaft“ um Goslar selbst zielte. Das Peterstift in Goslar kam 1062 mit großen Einkünften an Hildesheim, und jahrelang war ein Hildesheimer Domherr bischöflicher Sendrichter und königlicher Pfalzrichter zugleich in der Stadt. Diesen Posten hatte bis 1068, bis zu seiner Ernennung zum Bischof von Osnabrück, jener Benno inne, der H. in der ersten Periode seiner Amtszeit als Scholaster und Baufachmann, nicht zuletzt auch in politischer Mission mannigfache Dienste geleistet hat.

    Ende der 60er Jahre galt H. als ein ungewöhnlich reicher Mann. Schlägereien zwischen königlichen und bischöflichen Ministerialen 1070 und Querelen um Hildesheims „Rechte“ in Goslar 1071/73 deuteten aber an, daß er nach einer Zeit des Gewinns und der Expansion gegen den selbstherrschenden König und seine Helfer in die Defensive geriet. Er erwärmte sich einerseits für die Ideen des sächsischen Reformerkreises um seinen Freund Burkhard von Halberstadt und teilte die Angst vieler vor Revindikationen, vor einer Übermacht des Königtums in Sachsen; andererseits verkörperte er den Reichsbischof der ottonisch-salischen Verfassung und kannte die Abhängigkeit der geistlichen „Fürsten“ von der Monarchie zu gut, um die Verbindung zum Hof und zu Repräsentanten des königstreuen Episkopats wie Liemar von Bremen jemals definitiv aufzugeben. So begann das Jonglieren. Im sächsischen Aufstand hat H. vielleicht nicht zu den Initiatoren der Rebellion vom Juli 1073 gehört, aber sie rechneten ihn von vornherein zur Partei und verschonten nach der Flucht Heinrichs IV. (Harzburg-Hersfeld) seine Diözese in auffälliger Weise. 1074 nahm H. an allen „Konventikeln“ teil. Als städtische Unruhen die deutschen Bischöfe alarmierten und den Aufständischen in Sachsen auch militärische Niederlagen drohten (Schlacht bei Homburg 1075), schwenkte H. rechtzeitig ein. Er erkaufte sich durch große Zahlungen Straffreiheit vom König und spielte dann sogar dank seinen Beziehungen zu allen Seiten den Vermittler. Das Spätjahr 1075 sah ihn unter den „Loyalen“, der 24.1.1076 sogar unter den Unterzeichnern des Wormser Absageschreiben an Gregor VII.|Nach der Legende soll sich H. gegen das Risiko der Unterschrift durch ein Tilgungszeichen unter dem Namen salviert haben. Sicher ist, daß er nach den Rückschlägen für Heinrich so bald wie möglich (wohl noch vor Tribur und Oppenheim) die Gnade Roms wieder zu gewinnen suchte und es durch die Vermittlung Adalberos von Würzburg und Eilberts von Minden auch schaffte. Wir wissen nicht, wieweit er das Gegenkönigtum vorbereiten und verwirklichen half. Krankheit begann seine Aktivität zu lähmen und zwang ihn zum Nachdenken. Seelenheilstiftungen beschäftigten ihn, darunter das Kreuzstift und dessen Ausstattung (Hezilokreuz); bei der Einweihung mußte er sich bereits von Burkhard vertreten lassen.

  • Literatur

    ADB XII; Briefe in Briefslgg. d. Zeit Heinrichs IV., ed. Erdmann-Fickermann, =
    MG Briefe d. dt. Kaiserzeit 5, 1950;
    UB d. Hochstifts Hildesheim, ed. K. Janicke, I, 1895;
    Ann. Hildesheimenses, = , ed. G. Waitz, 1878;
    Lamperti monarchi Hersfeldensis opera, ed. O. Holder-Egger, ebd. 1894;
    Ann. Altahenses maiores, ed. Oefele ebd. 1891;
    Chron. Hild., in: VII;
    Wolhere, Vita Godehardi posterior, ebd. XI. -
    H. A. Lüntzel, Gesch. d. Diöz. u. Stadt Hildesheim I, 1858, S. 247 ff.;
    A. Bertram, Gesch. d. Bist. Hildesheim I, 1899, S. 107 ff.;
    C. Erdmann, H. v. Hildesheim u. s. Briefe, in: Stud. z. Brieflit. Dtld.s im 11. Jh., 1938;
    J. M. Kratz, Der Dom z. Hildesheim, 1840;
    A. Bertram, Hildesheims Domgruft u. die Fundatio ecclesiae Hildensemensis, 1897;
    A. Zeller, Die roman. Baudenkmäler v. Hildesheim, 1907;
    R. Herzig, Der Dom zu Hildesheim, 1911;
    ders., Die Kirche zum hl. Kreuz in H., 1929;
    W. Effmann, Zur Baugesch. d. Hildesheimer Doms v. 9.-12. Jh., 1933;
    J. Bohland (Grabungsber.), in: F. J. Tschan, Saint Bernward of Hildesheim, = The Univ. of Notre Dame Indiana, Publications in Medieval Studies I-III, 1942/52, bes. II, S. 353 ff.;
    H. Beseler u. H. Roggenkamp, Die Michaeliskirche in Hildesheim, 1954;
    H. Zimmermann, Wurde Gregor VII. in Worms abgesetzt?, in: MIÖG 78, 1970.

  • Autor/in

    Wilhelm Berges, Werner Deich
  • Empfohlene Zitierweise

    Berges, Wilhelm; Deich, Werner, "Hezilo" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 102-104 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd120929082.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hezilo, oder, Hecelo, Hettilo, Ethilo, Bischof von Hildesheim, am 5. Aug. 1079, entstammte vermuthlich einem Rittergeschlechte in der Bamberger Gegend. Nachdem er in Frankreich seine Studien vollendet, wurde er Capellan am königlichen Hofe, Propst am Collegiatstiste zu Goslar, dem Ausgangspunkte so vieler Bischöfe dieser Zeit, und 1053 Kanzler für Italien. Doch bekleidete er diese Stelle nicht lange, denn am 8. März 1054 starb Bischof Azelin von Hildesheim, dessen Nachfolger H. wurde. Die Gunst, in welcher das|Bisthum bisher bei Heinrich III. gestanden hatte, bewahrte es auch unter der Regierung Heinrichs IV., welcher bis zum J. 1070 demselben manche werthvolle Schenkung und Erweiterung der Rechte gewährte. Als die Regentschaft der Kaiserin Agnes durch die Fürsten gestürzt wurde, gehörte H. wahrscheinlich zur Partei Anno's von Köln, mit dessen Neffen, dem Bischofe Burchard von Halberstadt, er eng befreundet war; später trat er zum Könige selbst in nähere Beziehungen. Aber diese verhinderten nicht, daß der Bischof, der sich in seinen Rechten, namentlich in Bezug auf die Stadt Goslar, vom Könige gekränkt fühlte, beim Ausbruche des sächsischen Ausstandes sofort zu dessen Gegnern trat; er wird sogar als eines der Häupter der Verschwörung bezeichnet. Als jedoch im J. 1075 Heinrich mit Heeresgewalt gegen die Aufständischen vorgehen konnte, hielt sich H. von ihnen zurück; er soll durch große Geldzahlungen an den König die Verwüstung des bischöflichen Gebietes abgewandt haben. Die besiegten Sachsen bedienten sich im Herbste mit Erfolg seiner Vermittlung, um Heinrich zum Frieden zu bewegen. Der Synode von Worms vom Januar 1076, welche die Absetzung Gregors VII. aussprach, wohnte auch H. bei und unterzeichnete das Decret. Die Erzählung, daß er dabei schlauer Weise seiner Namensunterschrift den Spieß, das in Handschriften gebräuchliche Zeichen für dir Unechtheit der Stelle, beigefügt habe, ist wol nur eine Anekdote. Allerdings hat H., wie die meisten anderen Bischöfe, nicht an der Sache des Königs festgehalten, vielmehr durch den Bischof Adalbero von Würzburg Lösung vom Banne erlangt. Ob er zu den sieben sächsischen Bischöfen gehörte, welche zu Forchheim die Wahl Rudolfs von Rheinfelden vollzogen, ist ungewiß. Er starb am 5. August 1079 und wurde in dem von ihm reformirten Moritzkloster in Hildesheim beigesetzt. — In seiner Diöcese bewahrte man ihm ein dankbares Andenken und mit Recht. H. hat nicht nur seinem Bisthum, wie erwähnt, werthvolle Zuwendungen vom Könige verschafft, er hat auch sonst eifrig für dasselbe Sorge getragen. Er vollendete den Bau des Domes und weihte ihn am 5. Mai 1061, doch war er noch später bemüht, ihn zu erweitern und zu schmücken: er organisirte das Domcapitel neu, außer dem von ihm bereicherten und erst mit Nonnen, dann mit Canonikern besetzten Moritzkloster gründete er in der Stadt noch das Kreuzstift. Ueberhaupt hat er viel gebaut und sich dabei der Hilfe des vortrefflichen Benno, der dann Bischof von Osnabrück wurde, bedient. Auch die Pflege des Schulunterrichtes ließ er sich angelegen sein, wie er selbst eine vortreffliche Bildung und Belesenheit in den classischen Autoren besaß. Neben seinem kirchlichen Eifer und seiner Mildthätigkeit wird seine Klugheit, ja Schlauheit gepriesen, aber diese schützte ihn nicht vor Ausbrüchen der heftigsten Leidenschaft. Dir alte Eifersucht zwischen Hildesheim und Fulda verursachte Pfingsten 1063 im Dome zu Goslar eine wilde Blutscene, und H. trug kein Bedenken, trotz des Gottesdienstes seine Anhänger von einem erhöhten Platze aus „wie mit einer Kriegsdrommete“ zum Dreinschlagen aufzufordern und alle Verantwortung für die Verletzung des geweihten Ortes auf sich zu nehmen. Auch seine Briefe verrathen einen hestigen und anmaßenden Charakter.

    • Literatur

      Ueber H. gibt namentlich Auskunft das Chron. Hildesheim. in Mon. Germ. Scr. VII, 853 ff.; dann die zahlreichen Briefe von ihm und an ihn bei Sudendorf, Registrum oder merkwürdige Urkunden für die deutsche Geschichte, welche aber noch einer genaueren Untersuchung bedürfen; ferner Lüntzel, Geschichte der Diöcese und Stadt Hildesheim, I. 247—261.

  • Autor/in

    Th. Lindner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Lindner, Theodor, "Hezilo" in: Allgemeine Deutsche Biographie 12 (1880), S. 382-383 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd120929082.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA