Lebensdaten
1913 – 2010
Geburtsort
Mainz
Sterbeort
San Francisco (Kalifornien, USA)
Beruf/Funktion
Rabbiner
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 120561093 | OGND | VIAF: 74013549
Namensvarianten
  • Trepp, Leo

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Trepp, Leo, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd120561093.html [14.04.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Maier (ben Yehuda) (1873–1941), aus Fulda, seit 1889 Kaufm. b. Herz Cahn in M., Mitgl. d. orth. Isr. Rel.ges., S d. Judah (1838–1900), aus Fulda, u. d. Karoline Adler;
    M Selma Zipora(h) Hirschberger (1879–1942/43 Ghetto Piaski oder Auschwitz), aus Oberlauringen;
    1 B Gustav (Israel) (* 1917), emigrierte n. England;
    1) Mainz 1938 Miriam (1916–99), Kindergärtnerin in e. jüd. Kinderheim in d. Schweiz, T d. Philipp de Haas (1884–1935), aus Bad Pyrmont, Dr. phil., 1912 Rabbiner in Kattowitz, 1920 Landesrabbiner in Oldenburg, Amtsvorgänger v. T. (s. Biogr. Hdb. Oldenburg; Biogr. Hdb. Rabbiner II), u. d. Anny Markhoff (* 1889), 2) Gunda Wöbken-Ekert (* 1958), Journ.;
    1 T aus 1).

  • Biographie

    Nach dem Besuch der orth. Grundschule („Bondi“-Schule) und Abitur am Schloßgymnasium in Mainz 1931 studierte T. in Frankfurt/M., Würzburg und Berlin Romanistik sowie gleichzeitig an Joseph Breuers (1882–1980) Jeshiva (Talmud-Schule) in Frankfurt/M. 1934/35 war er Lehrer am staatlichen Gymnasium in Berlin; 1935 wurde er in Würzburg bei dem Romanisten Adalbert Hämel (1885–1952) und dem Psychologen Karl Marbe (1869–1953) mit der Arbeit „Taine, Montaigne, Richeome, Ihre Auffassungen von Religion und Kirche“ (gedr. 1935) zum Dr. phil. promoviert. 1936 wurde T., der bereits seit 1934 gelegentlich als Prediger in Höchst gewirkt hatte, am orth. Rabbinerseminar in Berlin zum Rabbiner ordiniert. 1936–38 amtierte er als Landesrabbiner von Oldenburg und gründete hier 1937/38 die jüd. Volksschule.

    Am 9./10. 11. 1938 wurde T. in das KZ Sachsenhausen verschleppt, das er drei Wochen später verlassen konnte, nachdem ihm der Chief-Rabbi von Großbritannien, Joseph H. Hertz (1872–1946), ein Visum besorgt hatte. Anfang 1939 emigrierte T. mit seiner Frau nach Großbritannien, 1940 in die USA. Nach Studien in Harvard und an der Univ. of California in Berkeley vertrat T. verschiedene Rabbinate in Massachusetts und Washington State. Versuche, den Vater (der 1941 eines natürlichen Todes starb) und die Mutter (die nach Piaski deportiert wurde) zu retten, scheiterten; das Elternhaus in Mainz wurde von Bomben zerstört. Von etwa 1948 bis 1972 war T. Rabbiner in Berkeley und an der Reformsynagoge Beth El; seit 1965 auch in der Synagoge Beth Shalom Napa Valley. 1951–83 unterrichtete T. als Professor für Philosophie und Geisteswissenschaften am Napa College, Kalifornien. Seit dieser Zeit bestanden regelmäßige Kontakte zu führenden Vertretern der Reform- und Conservative-Bewegungen, u. a. mit Mordechai M. Kaplan (1881–1983), dem Vordenker des Rekonstruktionismus. 1983–93 war T. Seelsorger am Veterans Home of California in Yountville.

    1954 kehrte T. ein erstes Mal nach Deutschland (Oldenburg) zurück, weitere regelmäßige Besuche, Gastprofessuren an den Universitäten Oldenburg (1971), Hamburg (1971) und Frankfurt/M. (2006), Gastvorlesungen an der Humboldt-Univ. Berlin sowie seit 1983 Lehraufträge an der Ev.-theol. Fakultät in Mainz (seit 1988 als Hon.prof.) schlossen sich an.

    Schon in den 1970er Jahren setzte sich T.u. a. in gemeinsamen Lehrveranstaltungen mit Günter Mayer (1936–2004) – für die Versöhnung zwischen Christen und Juden in Deutschland ein. Durch seine zahlreichen öffentlichen Vorträge, Lehrstunden an Schulen und Predigten in christlichen Kirchen erfreute er sich großer Beliebtheit. Mit seinen Publikationen, von denen v. a. die detaillierte Studie über „Die Oldenburger Judenschaft“ (1973) sowie die für eine weitere Öffentlichkeit verfaßten Werke „Die amerik. Juden“ (1991), „Der jüd. Gottesdienst“ (1992, ²2004) und „Geschichte der dt. Juden“ (1996) zu nennen sind, trug T. wesentlich zum Verständnis des Judentums bei. Von T.s Hauptanliegen, der Bewahrung des Vermächtnisses der dt. Juden, ist auch seine Darstellung „Die Juden“ (engl. 1966, dt. 1969, zahlreiche Aufll., engl., poln., span. Übers.) geprägt, eines der weltweit verbreitetsten Bücher über das Judentum. Stets warnte T. vor neuem Antisemitismus und setzte sich für die Bildung der Jugend ein. Den jüd. Traditionen seiner Geburtsstadt galt seine besondere Aufmerksamkeit: 1996 weihte T. die restaurierte Synagoge in Mainz-Weisenau wieder ein, 2004 edierte er Gesänge aus der liturgischen Tradition der jüd. Gemeinde Mainz (Nigune Magenza, mit 2 CDs). Obwohl orthodox erzogen und Verehrer von Samson Rafael Hirsch (1808–88), übernahm T. in Auseinandersetzung mit Kant, Hegel, Durkheim u. a. Gedanken des progressiven Judentums aus den USA. Zuletzt publizierte er Werke, die Suchenden auf dem Weg zur jüd. Gemeinschaft (Dein Gott ist mein Gott, Wege z. Judentum u. z. jüd. Gemeinschaft, 2005 mit Gunda Wöbken-Ekert) Orientierung boten. T. war der letzte noch lebende Rabbiner, der bereits in der NS-Zeit amtiert hatte.

  • Auszeichnungen

    A Mitgl. d. American Ac. of Rel., d. American Philosophical Association, d. Rabbinical Assembly, d. Central Conference of American Rabbis (Ehrenmitgl. seit 1986), d. Board of Rabbis of Northern California (Contributing Editor v. The Reconstructionist);
    – Gr. Siegel d. Stadt Oldenburg (1971);
    George Washington-Ehrenmedaille d. Heritage Foundation (1979);
    Dr. h. c., Hebrew Union College, Jewish Inst. of Rel. (1985) u. Univ. Oldenburg (1989);
    Goldenes Dr.dipl. (1985) u. Ehrenmitgl. (2010) d. Univ. Würzburg;
    Ehrenbürger d. Stadt Oldenburg (1990);
    Johannes Gutenberg-Plakette d. Stadt Mainz (1993);
    Ehrensenator d. Univ. Mainz (1996);
    BVK 1. Kl. (1997);
    Oldenburg-Preis d. Oldenburg. Landschaft (2003);
    Ehrenring d. Stadt Mainz (2003);
    T.-Synagoge in Yountville.

  • Werke

    W u. a. Eternal Faith, Eternal People, A Journey into Judaism, 1962;
    Judaism, Development and Life, 1966, ⁴2000;
    A History of the Jewish Experience, 1973, ²2001;
    The Complete Book of Jewish Observance, 1980;
    Judaism and the Religions of Humanity, 1985;
    Die Wiss. d. Judentums u. d. dt. Univ., 1989;
    Jüd. Ethik, 1988;
    Der jüd. Gottesdienst, Gestalt u. Entfaltung, 1991, erw. Aufl. 2003;
    Das Vermächtnis d. dt. Juden, 2000;
    Nachlaß: StadtA Mainz, Zeitgeschichtl. Slg.

  • Literatur

    L E. Seeber u. a., L. T., Ehrenbürger d. Stadt Oldenburg, 1991;
    R. Dörrlamm, Magenza, Die Gesch. d. jüd. Mainz, 1995 (P);
    Ch. H. Thümer, Rückkehr auf Zeit, Vier Begegnungswochen Mainzer Juden 1991–1995, 1999, S. 178 f. (P);
    L. T., Ein Mainzer d. Vergangenheit u. d. Gegenwart, in: Consens Mainz 2, 2008, S. 20 f. (P);
    Biogr. Hdb. Rabbiner II (W, L); BHdEI.

  • Autor/in

    Andreas Lehnardt
  • Zitierweise

    Lehnardt, Andreas, "Trepp, Leo" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 402-403 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd120561093.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA