Lebensdaten
1670 bis 1745
Geburtsort
Paris (?)
Sterbeort
Dresden
Beruf/Funktion
Architekt ; sächsischer General
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119547252 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • de Bodt, Jean (de ist kein Adelsprädikat)
  • de Bodt, Jan
  • Bodt, Jean de
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Zitierweise

Bodt, Jean de, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119547252.html [24.01.2019].

CC0

  • Genealogie

    Die möglicherweise aus den Niederlanden stammenden Eltern mußten nach dem Widerruf des Ediktes von Nantes (1685) Frankreich verlassen und wandten sich nach den Generalstaaten; verheiratet.

  • Leben

    B. trat als Kadett in die Dienste Wilhelms von Oranien. Als dieser 1689 den Thron Englands bestieg, folgte er ihm und wurde zum Hauptmann beim Artillerie- und Ingenieurkorps befördert. Vor allem in England widmete er sich eifrig dem Studium der Zivilarchitektur neben seinen militärischen Aufgaben. Der 28jährige Ingenieurarchitekt muß bereits als viel versprechendes Talent gegolten haben, denn 1698 übertrug ihm Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg die Leitung des gesamten landesherrlichen Bauwesens, als Offizier erhielt er eine Gardekompagnie. Er vollendete 1699-1706 das von Johann Arnold Nehring begonnene Berliner Zeughaus, dessen Vorderfront charakteristische Züge seines Stiles trägt, und das Stadtschloß in Potsdam, wo er an der Nordseite eine Halle für die Wache mit Portal und Kuppel hinzufügte (1701). In Berlin scheint er noch andere Entwürfe für den Hof, für Palais und für Befestigungsbauten geliefert zu haben. 1706 wurde er Chef des Artilleriewesens und erhielt als Kommandant der Festung Wesel den Auftrag, die dortigen Werke zu erneuern. Nach dem Tode Friedrichs I. (1713) ging B., zum Generalmajor befördert (1715), nach Wesel, um die Durchführung der dortigen Fortifikationsarbeiten zu leiten. 1718-22 baute er das Berliner Tor an der Zitadelle und beeinflußte den Bau der protestantischen Kirche (1728). Da ihm die engen Verhältnisse unter Friedrich Wilhelm I. keine Entfaltungsmöglichkeiten boten und er mancherlei Zurücksetzungen erfuhr (z. B. Nichtberücksichtigung seiner Pläne für die Befestigung Magdeburgs), übernahm er, durch Vermittlung Zacharias Longuelunes, in Dresden die oberste Leitung des gesamten sächsischen Militär- und Zivilbauwesens als Generalintendant an Stelle August Christoph Graf von Wackerbarths. Gleichzeitig wurde er zum Chef des Ingenieurkorps und zum Generalleutnant befördert. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger kann B.s Bedeutung für die sächsische Architekturgeschichte nicht verkannt werden. Er hat mit Longuelune dem sächsischen Barock die akademisch-klassizistische Note gegeben, die charakteristisch für das 2. Viertel des 18. Jahrhunderts in Sachsen ist. Eine zusammenfassende Darstellung seiner gesamten Tätigkeit steht noch aus. Gesichert ist für ihn der Bau der umfangreichen Kasernen in der Dresdener Neustadt, der Ausbau ihrer Befestigungswerke, die Leitung des Umbaus des Holländischen zum Japanischen Palais, wobei insbesondere die Gestaltung der Hauptfront des neuen Vordertraktes sein Werk ist, das innere Tor (1734) und das Brunnenhaus (1736) auf der Festung Königstein. Nach dem Regierungsantritt Friedrich Augusts II. trat er, wohl durch Alter und Kränklichkeit bedingt, gegenüber Longuelune und Johann Christoph Knöffel mehr in den Hintergrund. Handschriften und Pläne, vor allem aus seiner sächsischen Zeit, befinden sich im Landeshauptarchiv Dresden und in der Sächsischen Landesbibliothek.

  • Literatur

    ADB III;
    Archiv f. sächs. Gesch. 5, 1867, S. 303, 7, 1869, S. 275, NF 6, 1880, S. 319;
    Neues Archiv f. sächs. Gesch. 7, 1886, S. 164;
    Verz. d. Kunstdenkmäler v. Sachsen, Bd. 1, 18, 23;
    ThB.

  • Portraits

    Gem. v. L. de Sylvestre, 1729 (Staatl. Kunstslgg. Dresden).

  • Autor/in

    Günther Meinert
  • Empfohlene Zitierweise

    Meinert, Günther, "Bodt, Jean de" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 363 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119547252.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Bodt: Jean de B., sächsischer General, geb. 1670 zu Paris als Sohn eines Mecklenburgers, und zu Dresden 3. Jan. 1745. Er verließ als junger Ingenieur Frankreich nach Aufhebung des Edicts von Nantes seiner evangelischen Religion halber. In Holland fand er Aufnahme in das Cadettencorps und begleitete später den Prinzen von Oranien als Capitän der Artillerie und des Ingenieurcorps nach England. Hier ward er Engineer of the Tower und wohnte mit Auszeichnung den Schlachten in Flandern bei. Der von ihm entworfene Plan zum Palais von Whitehall gab 1698 Anlaß zu seiner Berufung nach Berlin durch Kurfürst Friedrich III. als Hofbaumeister. 1699 zum Kammerjunker ernannt, erhielt er eine Compagnie der Garde und die Inspection der königlichen Schlösser sowie der Militärgebäude. In Berlin vollendete er das von Nering begonnene, von Schlüter fortgeführte Zeughaus und in Potsdam den Schloßbau. 1706 ward er zum Chef der Artillerie und zum Commandanten der Citadelle von Wesel mit dem Auftrag der Erneuerung der dortigen Festungswerke ernannt. 1715 zum Generalmajor und 1719 zum Commandanten von Wesel avancirt, verließ er den preußischen Dienst, weil seinen Plänen für die Befestigung Magdeburgs diejenigen des Obersten Wallrabe vorgezogen waren. In kursächsisch polnische Dienste getreten, ward er am 13. Oct. 1728 vom König August zum Generallieutenant und Chef des Ingenieurcorps, sowie zum Intendanten der Civil- und Militärgebäude in Dresden, am 11. Oct. 1734 zum Commandanten der Neustadt und am 16. März 1741 zum General der Infanterie ernannt. In Dresden hat er u. a. die Ballustraden der Elbbrücke und das Portal des Japanischen Palais gebaut.

    • Literatur

      F. Meyer, Berühmte Männer Berlins, 1875, S. 181 ff.

  • Autor/in

    Winkler.
  • Empfohlene Zitierweise

    Winkler, "Bodt, Jean de" in: Allgemeine Deutsche Biographie 3 (1876), S. 24 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119547252.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA