Lebensdaten
um 545 oder 550 bis 613
Beruf/Funktion
fränkische Königin
Konfession
arianisch?,katholisch
Normdaten
GND: 11947204X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Brunichild
  • Brunichild
  • Brunhilde
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Zitierweise

Brunichilde, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11947204X.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Athanagild ( 567), Westgotenkönig;
    Schw Galswind (ermordet 567, 567 Chilperich I., König in Neustrien);
    1) 567 Sigibert I., König in Austrien (ermordet 575), 2) 575 Merowech, S Chilperichs I. ( 584);
    S aus 1) Childebert II. (um 570–95), König in Austrien und (seit 592) in Burgund;
    T aus 1) Ingund ( Hermenigild, S des Westgotenkönigs Leowigild), Chlodoswind;
    E Theudebert II. (585–612), König in Austrien, Theuderich II. (587–613), König in Burgund;
    Ur-E Sigibert II. (ermordet 613).

  • Leben

    Als Gattin, Mutter, Großmutter und Urgroßmutter der Könige in Austrien und (seit 592) Burgund hat B. zwei Menschenalter die Politik des Frankenreiches entscheidend beeinflußt und wiederholt faktisch die Regentschaft geführt. Ihr ganzes Zeitalter ist ausgefüllt von Vorherrschaftskämpfen der fränkischen Teilreiche untereinander, die durch die Ermordung Galswinds auf Betreiben ihrer Nebenbuhlerin Fredegund ausgelöst waren. Gegen die Anschläge Fredegunds ( 597) und den Widerstand des austrischen Adels, der (zunächst von Bischof Ägidius von Reims und Herzog Gunthchramn Boso, später von Pippin I. und Arnulf von Metz geführt) das Königtum zu schwächen suchte, behauptete sie immer wieder die Stellung ihrer Familie. Nach dem Bruderkrieg ihrer Enkel und dem Tod beider (612/13) erhob sie unter Umgehung des fränkischen Teilungsrechtes ihren ältesten Urenkel Sigibert II. zum König, unterlag aber alsbald dem Bund des austrischen Adels mit Fredegunds Sohn Chlothar II. und wurde grausam von Pferden zu Tode geschleift. Seitdem geriet das Königtum in Abhängigkeit vom Adel. - Die ihr feindliche Überlieferung hat das Bild der energischen und gewiß nicht zart besaiteten Königin sehr verzerrt.

  • Literatur

    ADB III;
    F. Dahn, Urgesch. d. german. u. roman. Völker III/IV, 1883–89;
    ders., Die Könige d. Germanen VII/1-3, 1894/95;
    G. Kurth, La reine Brunehaut, in: Études franques I, Brüssel-Paris 1919;
    J. Vannérus, La reine Brunehaut dans la toponymie et dans la légende, in: Ac. Royale de Belgique Bull., Classe des lettres et des sciences morales et politiques, Brüssel 1938, V, S. 24;
    F. Lot, in: Hist. générale, hrsg. v. G. Glotz, Moyen Age I, Paris 1940, S. 256-67 u. ö.;
    ders., Naissance de la France, ebenda 1948, S. 65-79 u. ö.;
    E. Ewig, Die fränk. Teilungen u. Teilreiche, in: Abhh. d. Mainzer Ak., 1952, S. 687-92, 712-15 u. ö.

  • Autor/in

    Peter Classen
  • Empfohlene Zitierweise

    Classen, Peter, "Brunichilde" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 679 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11947204X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Brunhilde, des Westgothenkönigs Athanagild und der Gunthsvintha Tochter, wuchs auf am Hofe zu Toledo, bis sie im J. 566 als Braut des Frankenkönigs Sigibert I. durch dessen Erzieher, den Major domus Gogo nach Rheims geführt wurde. Der Hochzeit voran ging der Uebertritt der Braut vom arianischen zum katholischen Bekenntniß, ein Schritt, der ihr das Wohlwollen des Clerus sicherte. Die leiblichen und geistigen Vorzüge Brunhildens rühmt Venantius Fortunatus in hohen Tönen. Andere Nachrichten bezeugen, daß man der Fremden mit Mißtrauen begegnete, namentlich die Großen des Volks standen ihr gegenüber. Aus ihrer Ehe mit Sigibert stammten ein Sohn, Childebert II. und zwei Töchter, Ingundis und Chlodosintha. Ingundis ward an den Westgothen Hermenegild vermählt und in seinen Untergang verwickelt, ein harter Schlag für die Mutter. Trübes erfährt diese auch bei den Franken. Ihre Schwester Gailesvintha, Gemahlin von Brunhildens Schwager Chilperich, wird um einer Buhlerin, der Fredegunde willen, durch den Gemahl ermordet. Feindschaft trennt seitdem die beiden Bruderreiche, aber in dem ersten Kriege von 574 erscheinen Chilperich und Fredegunde als Angreifer. Mitten im Sieg wird Sigibert 575 ermordet und die verwittwete Brunhilde fällt mit ihren Schätzen in die Gewalt Chilperichs. Während ihr Sohn unter der Obhut austrasischer Großen in Metz aufwächst, lebt sie in der Verbannung zu Rouen. Dort findet sie Chilperichs Sohn Merovech und Leidenschaft und Politik helfen eine Ehe zwischen Merovech und Brunhilde schließen. Der Bischof Praetextatus von Rouen, der Taufpathe Merovechs, begünstigt die Sache, aber Chilperich trennt sofort seinen Sohn von der unerwünschten Schwiegertochter und Merovech findet schon 577 einen gewaltsamen Tod. Nach Chilperichs Ermordung (584), welche der Fredegunde zur Last gelegt wird, lebte B. im austrasischen Reich, zwar nicht als Vormünderin ihres Sohnes, aber doch nicht ohne Einfluß, denn der Vertrag von Andelot 588 ist mit in ihrem Namen abgeschlossen, und ihr Dazwischentreten vermag einen ihrer Getreuen, Lupus von Champagne, vor dem Angriff der Gegner zu beschützen. Allein die austrasischen Großen erheben sich in wiederholten Verschwörungen gegen das Königthum und dessen fiscalische Politik und deutlich ist darin der Einfluß der Fredegunde zu erkennen. Nicht blos persönlicher Haß, auch politischer Gegensatz trennt die beiden Frauen bis zum Tode der Fredegunde 597. Im Jahr zuvor hatte B. nach ihres Sohnes Tode die Vormundschaft über ihre beiden Enkel übernommen; bald bricht zwischen diesen und dem Sohn der Fredegunde Chlothar II. der Krieg aus; Chlothar hatte ihn begonnen. In diesen Kämpfen mit dem Geschlecht der Gegnerin und mit den Großen um die Leitung ihrer Enkel verwildert B. Ihren Enkel Theuderich verhindert sie eine legitime Ehe zu schließen, um nicht in der Gemahlin die Nebenbuhlerin zu haben; ihr wird die Schuld an dem Kriege Theuderichs gegen seinen Bruder Theudebert und die Ermordung des letzteren zugeschrieben (611), ihr die Tödtung oder Verstümmelung so mancher Großen aus dem Volte. Auch der zweite Enkel starb im J. 613 und die rastlos energische Frau bemühte|sich, den ältesten der vier Urenkel auf den Thron zu sehen. Aber Arnulf von Metz und Pippin, die Stammväter der Karolinger, rufen Chlothar II. in das Land. Von Worms aus sendet B. ihm die Mahnung zur Umkehr und wirbt um die Hülfe der rechtsrheinischen Völker. Jedoch der Verrath umlauert sie. Die austrasischen und burgundischen Großen gehen über zu Chlothar und durch Mord enden die Urenkel Brunhildens, sie selbst ward in Orbe von dem Kämmerer Herpo gefangen und dem Sohne ihrer alten Feindin in Rionne ausgeliefert. Alle Gräuel der langen Kriege wurden auf die Besiegte gehäuft und nach langen Folterqualen, dem Heere ihrer abtrünnigen Unterthanen schimpflich zur Schau gestellt, ward sie von einem wilden Pferde zu Tode geschleift (613). In Autun soll sie bestattet worden sein.

  • Autor/in

    Albrecht.
  • Empfohlene Zitierweise

    Albrecht, "Brunichilde" in: Allgemeine Deutsche Biographie 3 (1876), S. 442-443 unter Brunhilde [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11947204X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA