Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Eisenhändler in Basel ; Bandfabrikanten ; Ärzte ; reformierte Theologen
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 119343770 | OGND | VIAF: 50033852
Namensvarianten
  • Staehelin
  • Stehelin
  • Stähelin
  • mehr

Orte

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Zitierweise

Stähelin, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119343770.html [12.04.2021].

CC0

  • Leben

    Der im alemann. Sprachraum verbreitete Familienname Stehelin oder Stähelin findet sich im Raum Basel seit dem 13. Jh. Ein erstes bürgerliches Geschlecht ist zu Beginn des 15. Jh. faßbar, weitere Namensträger aus der Region wurden 1465 und 1524 eingebürgert, alle genannten Familienzweige lassen sich aber nicht über das frühe 16. Jh. hinaus verfolgen und gelten als ausgestorben. In der Ostschweiz (v. a. den Kantonen Schaffhausen und St. Gallen) ist der Name Stähelin/Stehelin ebenfalls beheimatet. Allerdings bestehen keine direkten genealogischen Verbindungen zur Basler Familie.

    Die heutigen S. gehören zu den ältesten noch existierenden Geschlechtern Basels. Im Laufe der Jahrhunderte variierte die Schreibweise von Stehelin über Stähelin zu Staehelin. Letzte kam im 19. Jh. auf und ist heute die häufigste Variante. Stammvater ist der Seiler Hans ( 1555), der 1519 Mitglied der Zunft zu Safran wurde und 1520 das Basler Bürgerrecht erwarb. Er wanderte entweder aus der Reichsstadt Reutlingen oder dem Städtchen Riedlingen/Donau zu. Der rasche Aufstieg der Familie geschah im Umfeld der Reformation, zu deren treibenden Kräften zahlreiche Neubürger gehörten. Mit Hans’ Enkel Johannes (1555–1615) rückte die Familie bereits in die Reihe der Basler Ratsgeschlechter auf. Bis zum Ende der alten Eidgenossenschaft 1798 stellte sie insgesamt zehn Ratsherren oder Zunftmeister, fünf von ihnen, der Eisenkrämer Johannes (1600–60), der Goldschmied Martin (1631–97, s. HLS), sein gleichnamiger Sohn (1665–1728), der Eisenhändler Benedikt (1708–87) und dessen Sohn Johann Rudolf (1750–1832, s. HLS), ebenfalls Eisenhändler, gehörten dem Dreizehnerrat, der eigentlichen Regierung, an. Im 19. Jh. wirkte August (1812–86, s. ADB 35; HLS), Teilhaber mehrerer Baumwollspinnereien, einige Jahre als Mitglied des Kleinen Rates, danach vetrat er Basel zehn Jahre im Ständerat auf Bundesebene. Er und sein gleichnamiger Sohn (1841–1909) engagierten sich zudem führend beim Aufbau der schweizer. Eisenbahnen.

    Die meisten Mitglieder der rasch weit verzweigten und mit allen wesentlichen Basler Geschlechtern durch Heirat verbundenen Familie widmeten sich bis ins frühe 19. Jh. Handelsgeschäften. Viele waren Eisenhändler, ein Geschäft, das im 30jährigen Krieg aufblühte, hinzu kamen Spezereien und Kolonialwaren. Seit Mitte des 18. Jh. betätigten sich viele S. zunehmend auch als In- oder Teilhaber von Eisenwerken sowie Band- und Stoffabriken, dem klassischen Industriezweig Basels und den benachbarten Gegenden im Elsaß und Südbaden.

    Teile der Familie wanderten im 18. und 19. Jh. nach Frankreich (wo sie sich Stehelin nannten), Brasilien oder in die USA aus. Dort ließen sie sich als Händler, Plantagen- und Waldbesitzer sowie Fabrikanten nieder. Seit Ende des 17. Jh. finden sich auch akad. Berufe, darunter mit Johann Heinrich (1668–1721, s. HLS) und seinem Sohn Benedikt (1695–1750, s. HLS), beide Botaniker, sowie dem Arzt Johann Rudolf (1724–1800, s. HLS) drei Professoren der Univ. Basel. Benedikt wirkte als Freund Albrecht v. Hallers und korr. Mitglied der Académie des sciences in Paris weit über Basel hinaus.

    Im 19. und 20. Jh. ergriffen immer mehr Familienmitglieder akademische Berufe, darunter wiederum Mediziner wie Alfred (1834–1912), Gründer der ersten Augenklinik in der dt.sprachigen Schweiz, Rudolf (1875–1943, s. Fischer; HLS), Prof. für Innere Medizin oder John (1891–1969, s. Schweizer Lex.), Prof. für Psychiatrie an der Univ. Basel. Prägend ist aber die lange Reihe ref. Theologen, die überwiegend als Pfarrer in Basel und Umgebung amteten. Einige von ihnen wurden Prof. der Theologie wie Johann Jakob (1797–1875, s. BBKL X; Nietzsche-Zeitgenossenlex.), sein Enkel Ernst (1889–1980) oder Rudolf (1841–1900, s. BJ V, S. 297–300; BBKL X; HLS). Ernst amtierte mehrfach als Rektor der Univ. Basel, darunter beim 500jährigen Jubiläum 1960. Als Prof. für alte Geschichte lehrte Felix (1873–1952, s. HLS) ebenfalls an der Univ. Basel. Sein Enkel Martin (* 1937, s. Kürschner, Gel.-Kal. 2011) war Prof. für Musikwissenschaft in Bonn und Göttingen. Manche S. standen wie viele pietistische gesinnte Basler ihrer Zeit der Herrnhuter Brüdergemeine nahe. Zu ihnen zählten viele Pfarrer, aber auch der Spezereihändler Peter (1763–1820) und sein Enkel Friedrich (1846–1922), lange Jahre Missionar in Paramaribo (Surinam) und seit 1899 Bischof der Brüdergemeine. Wie in Basler Bürgerfamilien üblich finden sich auch immer wieder großzügige Spender. So gründete Balthasar (1675–1746) 1739 den Staehelinschen Armenfonds (heute Familienfonds), und Sophie Zaeslein, geb. S., stiftete ihr Landgut Hofmatt als Erholungsheim für Bedürftige.

  • Literatur

    Schweizer. Geschlechterbuch 7, 1943, S. 533–64;
    Gesch. d. Basler Fam. Stehelin u. S., 1960, 31995;
    HBLS;
    Andreas Staehelin (Hg.), Professoren d. Univ. Basel aus fünf Jhh., 1960;
    HLS;
    Qu
    StA Basel-Stadt (Archiv d. Fam. S.);
    UB Basel, NL 72 (Felix Staehelin), NL 73 (NL Lucas Eduard S.), NL 124 (Ernst S.), NL 246 (Alfred S.), NL 247 (Rudolf S.) u. NL 248 (Theodor S.).

  • Autor/in

    Hermann Wichers
  • Empfohlene Zitierweise

    Wichers, Hermann, "Stähelin" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 20-21 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119343770.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA