Lebensdaten
1894 bis 1944
Geburtsort
Charlottenburg bei Berlin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
General
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 119328380 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lindemann, Fritz
  • Lindemann, Carl Theodor Fritz

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Zitierweise

Lindemann, Fritz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119328380.html [27.05.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Fritz (1868–1954), Gen.-Lt., zuletzt (bis 1923) Kommandeur d. Infanterieschule, 1929-40 Berater d. chines. Regierung, Vf. v. „Im Dienst Chinas“ (1940), S d. Gen.arztes Dr. med. Heinrich Friedrich (1833–1905) u. d. Emilio Konze;
    M Gertrud, T d. Rentners Adolf Reinecke u. d. Therese Bourzutschky;
    Potsdam 1922 Lina (1898–1982), T d. preuß. Gen.-Lt. Fritz v. Friedeburg (1866–1933) u. d. Willy v. Wenckstern;
    2 S, 1 T.

  • Leben

    L. trat nach dem Abitur am Viktoria-Gymnasium in Potsdam 1912 als Fahnenjunker in das preuß. 4. Garde-Feldartillerie-Rgt. ein. Den 1. Weltkrieg erlebte er als Frontoffizier, Regimentsadjutant und Adjutant des Artillerie-Inspekteurs des Landwehr-Korps. 1919 gehörte er zeitweise der deutschen Friedensdelegation in Versailles an und wurde 1920 in die Reichswehr übernommen. Nach bestandener Wehrkreisprüfung durchlief L. die Generalstabsausbildung und wechselte dann mehrfach zwischen Truppen- und Generalstabsdienst. In der Wehrmachtsabteilung des Ministeramtes war er General v. Schleicher unmittelbar unterstellt und machte sich mit militärpolitischen Zusammenhängen vertraut. Als Lehrer der Kriegsakademie bildete er Generalstabsoffiziere aus. Zur gleichen Zeit äußerte er sich in der „Militärwissenschaftlichen Rundschau“ zu militärpolitischen Grundsatzfragen. Im Herbst 1936 als Generalstabsoffizier zum Generalkommando des X. Armee-Korps nach Hamburg versetzt, nahm er 1938 seinen Abschied als Oberst und wirkte danach als militärpolitischer Kommentator beim „Hamburger Fremdenblatt“. Bei Ausbruch des 2. Weltkrieges wurde L. als Oberst z. V. Kommandeur des in Augsburg beheimateten Artillerie-Rgts. 27 und führte es im Polen- und Frankreich-Feldzug. Als Artillerie-Kommandeur 138 und Führer der Vorausabteilung des XI. Armee-Korps wurde ihm im Sept. 1941 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Am 1.1.1942 reaktiviert und zum Generalmajor befördert, führte er die 132. Infanterie-Division bei der Eroberung von Sewastopol und in den schweren Abwehrschlachten südlich des Ladoga-Sees. Am 1.10.1943 wurde L. mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Generals der Artillerie beim Oberkommando des Heeres beauftragt und am 1.12.1943 zum General der Artillerie befördert. Seine häufige Reisetätigkeit zwischen Berlin, dem Führerhauptquartier, den Oberkommandos der Heeresgruppen und Armeen und den in der Heimat wirkenden Stellvertretenden Generalkommandos ermöglichte es ihm, der zum engeren Führungskreis der Widerstandsbewegung im militärischen Bereich gehörte, zahlreiche Verbindungen zu knüpfen und als Koordinator zu wirken. Solche Verbindungen unterhielt L. auch zu Persönlichkeiten aus dem zivilen Bereich, wie Hjalmar Schacht, der ihn „für einen der fähigsten und aktivsten Männer im Widerstandskreis der Offiziere“ hielt. Als Pressesprecher der Reichsregierung nach einem geglückten Attentat auf Hitler vorgesehen, sollte L. den ersten Aufruf an die deutsche Bevölkerung im Rundfunk verlesen. Nach dem Scheitern des Attentats am 20. Juli 1944 flüchtete er nach Sachsen und tauchte schließlich in Berlin unter. Am 4. August wurde er aus der Wehrmacht ausgestoßen; eine Kopfprämie von 500 000 Mark wurde auf ihn ausgesetzt. Bei seiner Verhaftung am 3. Sept. wurde L. durch mehrere Schüsse schwer verletzt. Im Polizeikrankenhaus in der Charité verstarb er, ständig von der Gestapo bewacht, nach mehreren Operationen. L.s. Familie geriet in Sippenhaft; die Söhne wurden vor dem Volksgerichtshof angeklagt und erhielten Zuchthausstrafen. Fünf Personen, die L. Unterkunft gewährt hatten, mußten dafür mit dem Tode büßen.

  • Literatur

    G. H. Bidermann, Krim - Kurland mit d. 132. Inf.-Div. 1941–45, 1964 (P);
    E. Zeller, Geist d. Freiheit, 51965;
    P. Hoffmann, Widerstand -Staatsstreich - Attentat, Der Kampf d. Opposition gegen Hitler, 31979;
    20. Juli 1944, hrsg. v. d. Bundeszentrale f. Heimatdienst, 31960;
    D. Melnikow, Der 20. Juli 1944, Legende u. Wirklichkeit, 2. Aufl., o. J.;
    H. Pentzlin, Hjalmar Schacht, 1980.

  • Autor/in

    Friedrich-Christian Stahl
  • Empfohlene Zitierweise

    Stahl, Friedrich-Christian, "Lindemann, Fritz" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 585 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119328380.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA