• Genealogie

    um 1450 Anna Ayrnschmalz; Schwager Conrad Ayrnschmalz, Abt v. Tegernsee;
    1 S, 2 T Caspar, Maler, führte M.s Werkstatt weiter, Magdalena ( Hans Winshaimer d. J., Goldschmied in München), Barbara ( 1) Peter Bodler d. J., als Bildschnitzer in Konstanz tätig 1485-1502, 2] Hans Nithard d. J., Goldschmied in Konstanz, s. ThB).

  • Leben

    M. richtete sich vermutlich Mitte der 50er Jahre eine Werkstatt im Haus des Klosters Tegernsee in München ein, das in der Mühlgasse stand. Er besaß wahrscheinlich das Haus Landschaftsstraße 4 in der Nähe des Rathauses sowie, was für sein stattliches Vermögen und sein Ansehen spricht, seit etwa 1485 den Edelsitz Kempfenhausen am Starnberger See. M. gehörte seit 1468 ununterbrochen dem Äußeren Rat der Stadt München an. Als Zechmeister der Malerzunft ist er 1461-77 öfters bezeugt. Für 1464 ist ein Schuldbrief Hzg. Sigmunds von Bayern überliefert, wonach er dem Maler und „fürstlichen Werkmann“ über 281 Pfd.Pfg. für eine von diesem ausgeführte Arbeit schuldete. Ein weiterer Schuldbrief des Herzogs für M. liegt für 1468 vor. Für das Kloster Neustift b. Freising führte M. 1470 ein kleines Tafelgemälde aus. Um 1470 scheint Hzg. Sigmund von Bayern M. nochmals mit einem großen Auftrag betraut zu haben, wofür der Maler einen Schuldbrief über den hohen Betrag von 576 Pfd.Pfg. erhielt. Es dürfte sich dabei um den Lohn für die Ausführung des großen Choraltars in der Zisterzienserklosterkirche Fürstenfeld gehandelt haben. Erhalten haben sich von diesem Retabel noch zwei Tafelgemälde mit Szenen aus dem Marienleben, und zwar eine Geburt Christi und eine Darstellung des Pfingstfestes (Klosterkirche Fürstenfeld, Fürstenfeldbruck).

    In den 70er Jahren des 15. Jh. erhielt M. von seinem Schwager, dem Abt von Tegernsee, einen großen Auftrag, nämlich 13 Seitenaltäre für die dortige Klosterkirche und um den kleinen Choraltar für die Kirche zu St. Quirin am Tegernsee. Vom Liebfrauenaltar von 1473, dem St. Sebastians-, dem St. Martins-, dem Hl.-Dreikönig- und dem Hl.-Geist-Altar, alle von 1478, haben sich hingegen anscheinend keine Tafelgemälde mehr erhalten.

    1482 lieferte M. für die Wallfahrtskirche Marienberg, die dem Zisterzienserkloster Raitenhaslach inkorporiert war, ein nicht mehr erhaltenes Tafelgemälde. 1482-84 folgte der Auftrag zur Ausführung von mehreren Altären für die Klosterkirche Tegernsee. M. war in dieser Zeit ein überaus angesehener und viebeschäftigter Maler in München. Seit etwa 1485 zog er sich aber aus Altersgründen immer mehr von der Malerei zurück und überließ fortan die Ausführung meist seinem Sohn Caspar. M. sorgte jedoch aufgrund seiner guten und weitreichenden Beziehungen nach wie vor für Aufträge. So ist für 1487 die Ausführung eines Marienaltars für die Klosterkirche der Augustinerchorherren in Rottenbuch belegt. Die Tafelbilder der Werktagsseite mit den Szenen aus der Passion Christi (Bayer. Staatsgem.slgg., München; Rijksmuseum Amsterdam) weichen aber von der bislang für M. bekannten Malweise ab. Sie dürfen wohl bereits seinem Sohn Caspar zugeteilt werden. M. besaß eine ausgesprochen erzählerische Begabung. Er schildert die Innenräume mit ihren Einrichtungen meist bis ins kleinste Detail. Dies läßt vermuten, daß er bei dem Münchner Meister der Pollinger Tafeln – nach neueren Forschungen wohl mit dem Maler Conrad Sachs ( 1449) identisch das Malerhandwerk erlernt hatte. Die künstlerischen Fähigkeiten M.s dürfen nicht nach den kleinformatigen Tafeln der Tegernseer Seitenaltäre beurteilt werden, die meist von Gesellen seiner Werkstatt ausgeführt wurden, sondern nur anhand seiner weitgehend eigenhändigen Werke, wie etwa der Tafelgemälde des Vier-Evangelisten-Altars oder des Fürstenfelder Choraltars. Bei den Schnitzaltären suchte M. die Zusammenarbeit mit talentierten Münchner Bildschnitzern. So läßt sich beispielsweise aufgrund der noch erhalten gebliebenen Schreinfiguren die Zusammenarbeit mit Ulrich Neunhauser, genannt Kriechbaum, am Fürstenfelder Choraltar und mit dem Meister der Blutenburger Apostel am Rottenbucher Marienaltar feststellen.

  • Werke

    Tafelbilder von Altären in Tegernsee u. St. Quirin: St. Quirinsaltar, 1474, München, Privatbesbes.;
    St. Benediktsaltar, 1475 ebd., Bayer. Staatsgem.slgg.;
    Allerjungfrauenaltar, 1476, Nürnberg, German. Nat.mus. u. München, Bayer. Nat.mus.;
    St. Veits- u. Allermärtyreraltar, 1476, München, Bayer. Staatsgem.slgg. u. Städt. Gal.;
    Vier Evangelistenaltar, 1476, Lugano, Slg. Thyssen-Bormenisza u. Wien, Privatbes. -
    Zuschreibungen: Predigt d. hl. Lukas, Köln, ehem. Slg. Hobraeck (1938);
    hl. Onophrius, Freising, Diözesanmus.;
    hll. Onophrius u. Christophorus, Zürich, Kunsthaus;
    Kreuzigung (1935 bei Graupe, Berlin, versteigert);
    Porträt d. Jörg v. Halspach, Basel, Kunstmus.;
    Porträt e. unbek. Mannes, München, Privatbes.

  • Literatur

    O. Hartig. Münchner Künstler u. Kunstsachen, T. I, in: Münchner Jb. f. bildende Kunst NF 3, 1926, S. 282 ff.;
    Hofberger, Aquarelle d. bayer. Könige v. G. M., in: Kunst- u. Antiquitäten-Rdsch. 42, 1934, S. 190;
    E. Buchner, Der wirkl. G. M., in: Btrr. z. Schwäb, u. bayer. Kunstgesch., Hans Buchheit z. 60. Geb.tag, 1939, S. 36-45;
    E. Steingräber, Über wiedergefundene Blätter aus illuminierten liturg. Hss. f. d. Münchener Angerkloster, in: Das Münster 6, 1953, S. 259-62;
    A. Stange, Dt. Malerei d. Gotik 10, 1960, S. 75-79;
    A. Wilhelm, Ein unbek. Werk d. Münchner Malers G. M., in: Alte u. moderne Kunst 15, 1970, Nr. 112, S. 13-15;
    V. Liedke, Die Münchner Tafelmalerei u. Schnitzkunst d. Spätgotik I, 1981, II, 1982;
    ThB. -
    Eigene Archivstud.

  • Autor/in

    Volker Liedke
  • Empfohlene Zitierweise

    Liedke, Volker, "Maleskircher, Gabriel" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 729 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119301792.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA