Lebensdaten
1851 bis 1925
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Porto
Beruf/Funktion
Romanistin
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119282585 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Michaëlis de Vasconcellos, Carolina
  • Michaëlis, Carolina (geborene)
  • Michaalis de Vasconcelos, Carolina
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Michaëlis de Vasconcelos, Carolina, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119282585.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Gustav Michaëlis (1813–95), Dr. phil., Vorsteher d. Stenograph. Büros im Preuß. Herrenhaus u. im Dt. Reichstag, seit 1864 Prof. an d. Univ. B. (s. ADB 52), S d. Johann August Tobias (1760–1821), Ratsapotheker in Magdeburg, u. d. Johanna Elisabeth Faulwasser (1773–1834);
    M Henriette (1809–63), T d. Andreas Friedrich Gustav Lobeck, Kaufm. in Stettin, u. d. Auguste Louise Barbara Schmidt;
    Schw Henriette Michaelis (* 1849), Lexikographin (s. W);
    Berlin 1876 Joaquim de Vasconcel(l)os (1849–1936, kath.), Musik- u. Kunsthistoriker, Prof. an d. Univ. Porto (s. Biblos 5, 1929, S. 12-19).

  • Leben

    M. besuchte 1857-66 die Höhere Töchterschule. Da an den deutschen Universitäten noch kein Frauenstudium zugelassen war, beschäftigte sie sich nach ihrem Schulabschluß autodidaktisch mit dem Studium klassischer, romanischer, slawischer und semitischer Sprachen und Literaturen. Mit 17 Jahren verfaßte sie ihre ersten literarischen Arbeiten. M. unterhielt rege Korrespondenz mit international bekannten Romanisten wie Graziado Isaia Ascoli, Gaston Paris, Adolfo Mussafia, Hugo Schuchardt und Friedrich Diez, dem Begründer der romanischen Philologie. Im Zusammenhang mit der Polemik um die Faustübersetzung Castilhos kam sie 1872 in Kontakt mit portugies. Gelehrten. Sie korrespondierte mit Teofilo Braga, Adolfo Coelho und Joaquim de Vasconcelos, dem bekannten Kunsthistoriker. Die geistigen Interessen, die sie mit letzterem verbanden, entwickelten sich im Laufe der Zeit zu einer engeren Beziehung und führten 1876 zur Heirat. M. folgte ihrem Mann nach Portugal, wo sie in Porto wohnte und sich mit Geschichte, Literatur, Sprache, Ethnographie und Volkskunde ihrer Wahlheimat beschäftigte. Die|z. T. bahnbrechenden Arbeiten, in denen sie ihre Forschungen darlegte und die der Tendenz der Zeit entsprechend vorwiegend der altportugies. Sprache und Literatur und dem portugies. 16. Jh. zugewandt sind, trugen ihr allgemeine Anerkennung ein. Auch die span. Literatur war ihr sehr vertraut. 1911 erhielt M. einen Lehrstuhl an der Philosophischen Fakultät der Univ. Lissabon, wo sie allerdings nie lehrte. Dagegen unterrichtete sie an der Univ. Coimbra, wo sie eine o. Professur für germanische und romanische Philologie innehatte.

    M. war eine der herausragenden Gestalten des portugies. Geisteslebens und eine bedeutende Vermittlerin zwischen deutscher und portugies. Kultur. Ihre ersten wissenschaftlichen Arbeiten galten dem romanischen Wortschatz. 1876 erschien ein umfangreicher Band „Studien zur romanischen Wortschöpfung“, sodann die „Studien zur hispan. Wortbedeutung“ (1885), deren Ergebnisse zum sicheren Bestand der romanischen Wortkunde geworden sind. Volkskunde und Literaturwissenschaft verbinden sich in ihren Arbeiten zu einer schönen Harmonie; M. besaß ein feines ästhetisches Empfinden, und in ihren Werken paart sich philologische Gründlichkeit mit künsterischer Auffassungsgabe. Aus ihren zahlreichen Arbeiten ragen die Untersuchungen und Ausgaben altportugies. Liederbücher vor allem des „Cancioneiro da Ajuda“, die kritische Ausgabe der Werke Sá de Mirandas (1895), die Kommentare zu den dramatischen Schöpfungen Gil Vicentes und ihre Camões-Studien hervor.|

  • Auszeichnungen

    Ehrenmitgl. d. Inst. f. Lebende Sprachen, Berlin; Dr. h. c. (Freiburg/Br. 1893, Hamburg 1916, Coimbra 1923); Offz. d. Ordens v. Santiago (1911).

  • Werke

    Portugies. Sprache, in: K. Vollmoeller (Hrsg.), Krit. Jahresberr. üb. d. Fortschritte d. roman. Philol. 4, 1891-94;
    Der portugies. Infinitiv, in: Roman. Forschungen 7, 1891;
    Gesch. d. Portugies. Lit., 1893 (auch in: G. Gröber, Grundriß der roman. Philol.);
    Randglossen z. altportugies. Liederbuch, in: Zs. f. roman. Philol. 20-29, 1896-1905;
    Estudos sobre o romanceiro peninsular, romances velhos em Portugal, in: Cultura española, 1907-09, 21934;
    Notas vicentinas – Preliminares de uma edição crítica das obras de Gil Vicente 1-4, 1912-22 (2. Aufl. in einem Bd., in: Ocidente, 1949);
    Saudade portuguesa – Divagações filológicas e literário-históricas em volta de Inês de Castro e o Cantar Velho … „Saudade minha – Quando te veria?“, 21922;
    Tragedia de la insigne Reina Dona Isabel, 1922;
    Bernardim Ribeiro e Cristóvão Falcão – Obras, 2 Bde., 1923 (mit S. Braamcamp Freire);
    Des origens da poesia peninsular (mit 40 Briefen an Alfredo Pimenta), 1930. – Übers.: W. Storck, Vida e obra de Luís de Camões, 1897. – Zu Henriette: Wb. d. ital. u. dt. Sprache, 81905;
    Wb. d. portugies. u. dt. Sprache, 1907.

  • Literatur

    J. L. de Vasconcelos, C. M., Lista des seus trabalhos, 1912 (W-Verz.), fortges. v. Mendes des Remédios, in: Biblos 2, 1926, H. 5, S. 241-47, erg. v. G. Moldenhauer, in: Lusitania 4, 1927, H. 10, S. 27-43 (zahlr. P, mehrere Würdigungen S. 5-25, 45-94);
    F. Krüger, C. M. de V. z. Gedächtnis, in: Zs. f. roman. Philol. 46, 1926, S. 13-16 (P);
    W. Meyer-Lübke, C. M. u. d. roman. Sprachwiss., in: Lusitania 4, 1927;
    Sonder-Nr. d. Revista Lusitana, 1927;
    Miscelânea de estudos em louvor de dona C. M., 1930;
    A. E. Beau, D. C. M. de V., 1958;
    J. Prado Coelho (Hrsg.), Dicionário das Literaturas Portuguesa, Galega e Brasileira, 1971, S. 1132 f.

  • Autor/in

    Heinz Kröll
  • Empfohlene Zitierweise

    Kröll, Heinz, "Michaëlis de Vasconcelos, Carolina" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 437-438 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119282585.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA