Lebensdaten
1854 bis 1912
Geburtsort
Groß-Skal (Böhmen)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
österreichisch-ungarischer Staatsmann ; Außenminister
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119182033 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lexa von Aehrenthal, Aloys Leopold Johann Baptist Freiherr (bis 1909)
  • Lexa von Aehrenthal, Aloys Graf
  • Lexa von Aehrenthal, Aloys Leopold Johann Baptist Freiherr (bis 1909)
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Zitierweise

Lexa von Aehrenthal, Aloys Graf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119182033.html [18.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Baptist Freiherr Lexa von Aehrenthal (1817–98), kaiserlich und königlicher Geheimer Rat und Großgrundbesitzer;
    M Maria Felicia Gräfin von Thun und Hohenstein (1830–1911);
    Gvv Johann Baptist Freiherr Lexa von Aehrenthal (seit 1829), Wirklicher Geheimer Rat, Vizepräsident des Oberappellationsgerichts Prag, Obersthoflehenrichter in Böhmen, Mähren und Schlesien;
    Gmv Johanna Nepomuzena, T des Feldmarschalleutnants Joseph Graf von Wilczek und der Rosalie, T des Bürgermeisters Schulz in Sobotka;
    Gvm Leopold Felix Graf von Thun und Hohenstein, Geheimer Rat und Obersthoflehenrichter;
    Gmm Elisabeth Mladota Freiin von Solopsik;
    Ur-Gvv Johann Anton Lexa (1733–1824, 1790 Adel), aus bäuerlicher Familie in Kralovitz bei Pilsen, Gründer der Prager Feuer-, Wasser- und Wetterversicherungsanstalt, Gutsbesitzer;
    Wien 22.7.1902 Pauline, T des ungarischen Ministers Graf Julius Széchényi und der Gräfin Karoline Zichy; 3 K, u. a. S Johann Graf Lexa von Aehrenthal, Großgrundbesitzer.

  • Leben

    A. trat 1877 in den Dienst des österreichisch-ungarischen Ministerium des Äußern ein und wurde erst Attaché bei der Botschaft in Paris, 1878 in Petersburg. 1883 zur Dienstleistung ins Ministerium des Äußern einberufen, wurde er 1888 der Botschaft in Petersburg als erster diplomatischer Beamter zugeteilt. Seit 1895 war er Gesandter in Bukarest, seit 1899 Botschafter in Petersburg, 1906 wurde er zum Minister des Äußern berufen. - Das Programm des geistvollen, sachkundigen, arbeitsfreudigen, unzweifelhaft bedeutenden, aber sprunghaften und eitlen Mannes, der übrigens an Leukämie litt, war die Abkehr von der behutsamen Politik seines Vorgängers, des Grafen Agenor Goluchowski und der Übergang zu größerer Aktivität nach dem Vorbild des Grafen Gustav Kálnoky. Bei der Durchführung dieses Programms suchte er vielfach durch Überrumpelung und Täuschung des Gegners zu wirken, was nicht immer zu Erfolgen führte. So mißlang sein unvermittelt vorgebrachter Plan einer direkten Bahnverbindung zwischen Bosnien und Saloniki (Januar 1908). In der ebenfalls diplomatisch nicht genügend vorbereiteten Annexion Bosniens und der Herzegovina (5.10.1908), die eine schwere europäische Krise auslöste, errang er zwar einen äußerlichen Erfolg; im Endergebnis verlor jedoch Österreich-Ungarn stark an Vertrauen: Verschärfte Feindschaft Rußlands und Serbiens, offene Gegnerschaft Englands, ein Abgleiten Italiens aus dem Dreibundverhältnis, somit also eine Förderung des Zusammenschlusses der künftigen Gegner im ersten Weltkrieg waren die Folge. A. versagte sich außerdem den Wünschen des Deutschen Reiches, Italien durch freundliche Haltung im Tripoliskrieg (1911) zurückzugewinnen, wenn er sich auch einem Präventivkrieg gegen diese Macht widersetzte. Er vermied es ferner, Rußland durch ein Entgegenkommen in der Dardanellenfrage aus dem Ring der Gegner abzuziehen. Daraus und aus seiner wenig freundlichen Haltung in der Marokkokrise 1911 ergab sich auch eine Abkühlung des Bundesverhältnisses zum Deutschen Reich, was den gemeinsamen Kampf gegen die politische Isolierung Deutschlands behinderte, so daß sein Nachfolger Graf Leopold Berchtold eine wenig erfreuliche Erbschaft übernehmen mußte.

  • Literatur

    F. Zweybrück, Gf. A., Fragmente z. seiner Beurteilung, in: Dt. Rdsch., 1912, S. 52-70;
    B. Molden, A. Gf. A., 1917 (P);
    H. Friedjung, Österr.-Ungarn u. Rußland 1908, in: Hist. Aufsätze, 1919;
    ders., Die Zusammenkunft A.s mit Iswolsky, ebenda;
    O. Hoijer, Vers la grande guerre, Le comte d'A. et la politique de violence, Paris 21922;
    J. Ancel, Le duel Isvolski-A. 1908-1909, in: Bull, de la Société d'hist. moderne, 8.3.1927;
    M. Baernreither, Fragmente eines polit. Tagebuchs, 1928;
    R. Dufour, Von A.en Iswolski gedurende de Bosnische Crises, in: Tijdschr. voor Geschiedenis, Bd. 45, 1930, S. 267-77;
    B. Fürst v. Bülow, Denkwürdigkeiten II, 1930 (P);
    A. v. Urbaiski, Audienz bei Frhr. v. A. vor d. Annexion. Bosnien u. d. Herzegowina, in: Berliner Mhh., Jg. 16, 1938, S. 1131–36;
    Uhlirz II, 2, 1941, S. 1061–95;
    J. Mielke, Der französ. Botschafter in Wien, Philipp Grossier, u. d. Politik A.s 1906-14, Diss. Breslau 1942 (ungedr.);
    H. Grossmann, Die Pressepolitik d. österr.-ungar. Außenministers Gf. A. A. (1906-12), Diss. Wien 1949 (ungedr.);
    B. Molden, in: BJ XVIII, S. 230-43 (u. Totenliste 1912);
    Kroat. Enz. I, 1941.

  • Autor/in

    Ludwig Bittner
  • Empfohlene Zitierweise

    Bittner, Ludwig, "Lexa von Aehrenthal, Aloys Graf" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 89 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119182033.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA