Lebensdaten
1897 bis 1960
Geburtsort
Frankfurt/Main
Sterbeort
Stetten bei Stuttgart
Beruf/Funktion
Photograph
Konfession
konfessionslos,episkopal
Normdaten
GND: 119173255 | OGND | VIAF: 22945367
Namensvarianten
  • Peterhans, Walter Anton
  • Peterhans, Walter
  • Peterhans, Walter Anton
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Zitierweise

Peterhans, Walter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119173255.html [11.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Andreas (* 1872), aus Neuburg/Donau, soz.-dem. Mechaniker, 1900 Werkmeister d. Photofabr. Dr. R. Krügener in F., 1904 Betriebsleiter, seit 1926 Betriebsdir. d. Photo- u. Kino-Werks Dresden-Reick d. Zeiss-Ikon AG (s. Wenzel);
    M Sophie Christine Hupfeld (1873–1944), aus Sontra (Nassau);
    1) ( um 1929) Ellen Cöster geb. Hausschild, 2) ( um 1950) Gesine Weisz, 3) ( um 1954) Gertrud Lempp, 4) Brigitte Schlaim;
    1 S aus 2) Michael (* um 1939), Elektrotechniker in Kalifornien, 1 S aus 3), 1 T aus 2).

  • Leben

    Angeregt durch den Vater, unternahm P. schon früh erste Experimente mit der Photographie. Nach dem Abitur 1916 in Dresden wurde er zum Militär eingezogen und geriet 1918 in engl. Gefangenschaft. Nach der Heimkehr begann er 1919 an der TU Dresden Maschinenbau zu studieren und wechselte im Herbst desselben Jahres nach München. Hier nahm er bis 1921 ein Studium der Philosophie auf; bis 1924 studierte er Philosophie und Mathematik in Göttingen. 1925/26 ließ sich P. in photographischen Reproduktions und Druckverfahren an der Staatl. Akademie für Graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig ausbilden. Seit 1927 als freier Industrie- und Porträtphotograph in Berlin tätig, nahm er 1928 erstmals an Gruppenausstellungen teil und begann, selbst zu unterrichten. Grete Stern (1904–99) und Ellen Auerbach (* 1906) gehörten zu seinem Schülerkreis. 1929 wurde P. von Hannes Meyer (1889–1954) als Leiter der Fotoklasse an das Dessauer Bauhaus berufen, wodurch das Medium dort institutionalisiert und mit Einführungen in Optik und Photochemie verknüpft wurde. Hier konnte er auch seine erste und zu Lebzeiten einzige Einzelausstellung zeigen. Nach der Schließung der Dessauer Lehranstalt wirkte P. an der Berliner Nachfolge-Einrichtung bis 1933 weiter und übernahm zusätzlich zur Fotoklasse diejenige für Reklame. Nach der vollständigen Auflösung des Bauhauses unterrichtete er an der Berliner Fotoschule von Werner Graeff (1901–78), sodann 1935-37 an der Reimann-Häring-Schule (seit 1936 „Kunst-u.-Werk-Schule“). Nebenbei war er publizistisch und als freier Photograph tätig. Nach einer vorbereitenden Reise 1937 emigrierte P. 1938 in die USA, wo er in der Architekturabteilung des Armour Institute in Chicago auf Betreiben von Mies van der Rohe eine Anstellung in theoretischen Fächern fand; die Photographie gab er auf. 1945-47 kam zu seinen Lehrverpflichtungen eine Tätigkeit für das Committee on Social Thought an der Univ. Chicago, wo eine engere Verflechtung der einzelnen Fächer über die Einbeziehung der Philosophie als verbindendem Element angestrebt wurde. 1953 lehrte P. als Gastdozent an der Hochschule für Gestaltung in Ulm, 1959/60 an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg; eine dauerhafte Anstellung in Deutschland, die er nach dem Krieg wieder anstrebte, blieb jedoch aus.

    P.s Lehre am Bauhaus markiert für die dort praktizierte Photographie den gleichen Einschnitt, der mit der Leitung Meyers in vielen Bereichen spürbar wird: Praxisorientiertheit und Verwissenschaftlichung der experimentellen Kreativität wurden gefördert, der Umgang mit dem Medium professionalisiert. P. interessierte sich v. a. für die angewandte Photographie und zog diese verstärkt für Typographie, Reklame und Messebau heran. Größere Bedeutung als sein eigenes photographisches Werk, das Architektur-, Landschafts-, Sach- und Porträtaufnahmen umfaßt, gewann für die Entwicklung der Gebrauchsgraphik seine Lehrtätigkeit, mit der er den neuen „akademismus, genährt vom dilettantismus“ der Avantgarde zu bekämpfen suchte. Demgemäß sah er seine Arbeit eher mit der Sachlichkeit von Renger-Patzsch als mit der Bauhausmoderne der Lehrzeit Moholy-Nagys verknüpft. Dennoch zeigen seine eigenen Aufnahmen neben dem Interesse an subtilen Ausdrucksqualitäten im Bereich der Wiedergabe von Lichtwirkungen und Materialien auch abstrahierend-surreale Tendenzen und ironischen Feinsinn. Das gilt v. a. für die Stilleben, die den eigenwilligsten Teil seines Schaffens ausmachen und frei mit den Realitätsebenen der photographischen Bildwelt spielen. Unvollendet blieb das theoretische Hauptwerk P.s, das erst in den USA im Zusammenhang mit seiner Lehre entworfen wurde; es wirkte dort aber lange nach.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Ges. Dt. Lichtbildner (1928).

  • Werke

    Fotogrr. u. a. in: Berlin, Berlin. Gal. u. Bauhaus-Archiv;
    Dessau, Bauhaus;
    Essen, Mus. Folkwang;
    Köln, Agfa Foto-Historama;
    Paris, Mus. nat. d'Art Moderne;
    New York, Mus. of Modern Art;
    Malibu, J. Paul Getty Mus.;
    San Francisco, Mus. of Modern Art.Schrr. Fotografie P., in: Gebrauchsgraphik, 1928, H. 6, S. 78 f.;
    Zum gegenwärtigen Stand d.|Fotogr., in: ReD, 1930, H. 5, S. 137 ff.;
    Der Drucker, 1935;
    Material- u. Sachfotogr. im Unterr., in: Gebrauchsfotogr., 1937, H. 9, S. 160 f.;
    Curriculum Vitae [1953], in: W. P., Darmstadt, Bauhaus-Archiv 1967;
    Visual Training, in: Dimension, 1955, S. 22 ff.;
    Fragment über Ästhetik, in: Ratio, 1960, H. 2, S. 106 ff.

  • Literatur

    H. A. Potamkin, in: American Photography XXV, 1931, H. 4, S. 182;
    Ch. Zervos, Nouvelles Photographies, in: Cahiers d'Art, 1934, Nr. 9, S. 70 ff.;
    H. Dearstyne, Basic Teaching of Architecture, in: Liturgical Arts, XII, 1944, Nr. 3;
    H. M. Wingler, Das Bauhaus 1919-1939, Weimar Dessau Berlin u. d. Nachfolge in Chicago seit 1937, 1962 (P);
    ders., W. P., 1967;
    P. Tausk, Die Gesch. d. Fotogr. im 20. Jh., 1977;
    L. Mies v. d. Rohe, P.' Seminar f. visuelles Training d. Architekturabt. am IIT, in: W. Blaser, Mies v. d. Rohe, 1977, S. 39 f.;
    U. Eskildsen, in: W. P., Ten Photographs, 1978;
    E. Auerbach, in: Fotogr. 1922-1982, 1982;
    W. Herzogenrath, Bauhausfotogr., 1983;
    E. Neumann (Hg.), Bauhaus u. Bauhäusler, Erinnerungen u. Bekenntnisse, 1985;
    D. Domer, W. P. and the Legacy of Visual Training, in: Reflections Nr. 5, 1987;
    ders., W. P. and Visual Training at Illinois Inst. of Technology, in: The Structurist, Nr. 31/32, 1991/92;
    Th. Koenig, Otto Steinerts Konzept „Subjektive Fotografie“ (1951-1958), 1988, S. 130 f.;
    J. Fiedler, W. P., e. „tabularische“ Annäherung, in: Fotogr. am Bauhaus, 1990, S. 84 ff.;
    I. Graeve, Vom Wesen d. Dinge, Zu Leben u. Werk W. P.s, in: W. P., Fotogrr. 1927-1938, Ausst.kat. Berlin 1993, S. 6 ff. (P);
    F. Whitford (Hg.), Das Bauhaus, Selbstzeugnisse v. Meistern u. Studenten, 1993;
    B. Auer, Einl., in: Künstler mit d. Kamera, Photogr. als Experiment, 1994, S. 15 f.;
    G. Glüher, Licht-Bild-Medium, Unterss. zur Fotogr. am Bauhaus, 1994;
    BHdE II;
    U. Eskildsen, in: Contemporary Photographers, 1988, S. 808 f.

  • Autor/in

    Wolfgang Brückle
  • Empfohlene Zitierweise

    Brückle, Wolfgang, "Peterhans, Walter" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 235-236 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119173255.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA