Lebensdaten
1868 bis 1951
Geburtsort
Gießen
Sterbeort
Kronberg (Taunus)
Beruf/Funktion
Schriftgießer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119116162 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Klingspor, Karl

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Zitierweise

Klingspor, Karl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119116162.html [17.01.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Carl (1839–1903), Zigarrenfabr. in G., S d. Bäckermeisters u. Kirchenältesten Joh. Heinrich (1790–1866) in Siegen u. d. Maria Friederika Pfitzer;
    M Wilhelmine (1843–1913), T d. Kaufm. Georg Christian Wallenfels in G. u. d. Friederike Ritter;
    B Wilhelm (1871–1925), Teilh. d. Fa.Gebr. Klingspur“, kaufm. Leiter; Vt 2. Grades Walter (s. 2);
    - Berlin 1902 Else Bötticher (1872–1945); kinderlos;
    N Karl Hermann (* 1903), Schriftgießer u. Drucker, Mitstifter d. K.-Mus. in O.

  • Leben

    Nach kaufmännischer Ausbildung in der väterlichen Firma trat K. 1892 in die im gleichen Jahr von seinem Vater erworbene Rudhardsche Gießerei (gegründet 1842) in Offenbach am Main ein. Sein Bruder Wilhelm folgte 1895 nach und übernahm als Partner die kaufmännische Leitung. K., dem die technischen und künstlerischen Aufgaben zufielen, knüpfte bald Kontakte zu Künstlern, um neue Schrift- und Schmuckformen herausbringen zu können. So entstanden unter anderem Schriften von Heinz König und Schmuckmaterial nach Entwürfen des bedeutenden Jugendstil-Künstlers Heinrich Vogeler. Den entscheidenden Durchbruch aber erreichten die Brüder mit der von dem Berliner Maler und Kunstgewerbler Otto Eckmann in ihrem Auftrag geschaffenen „Eckmann-Schrift“, die 1900 vorgestellt wurde. Die Brüder nahmen bald mit weiteren Künstlern Kontakt auf, darunter mit dem in der „Darmstädter Künstlerkolonie“ führenden Architekten und Graphiker Peter Behrens. Nacheinander erschienen in der Rudhardschen Gießerei die „Behrens-Schrift“, die „Behrens Antiqua“ und die „Behrens Mediäval“, dazu auch Schmuck-Material. Seit 1906 firmierte die Offenbacher Schriftgießerei „Gebrüder Klingspor“ und festigte im Lauf der Zeit ihre weltweite Anerkennung durch den Ausbau eines in Form und technischer Ausfertigung hervorragenden Schriften-Programms. Künstler wie Otto Hupp und besonders Rudolf Koch, der von 1906 bis zu seinem Tod 1934 in Offenbach wirkte und an der Kunstschule lehrte, sodann Walter Tiemann, Buchgestalter und Direktor der Leipziger Akademie für Graphische Künste und Buchgewerbe, prägten das Schaffen der Schriftgießerei. Als vorbildlich galten auch die in der eigenen Hausdruckerei hergestellten Schriftproben und Sonderdrucke, darunter die „Klingspor-Kalender“. Die künstlerischen Impulse gingen von K. aus, der auch als Förderer der Offenbacher Kunstgewerbeschule zum hohen Ansehen dieser Schule beitrug. Sein sicheres, fundiertes Urteil in Fragen der modernen Buch- und Schriftgestaltung wurde von Verlegern, Druckern und Buchkünstlern im In- und Ausland gesucht und geschätzt. Er hinterließ eine der bedeutendsten Privatsammlungen zur modernen Buch- und Schriftkunst, die seine Erben der Stadt Offenbach schenkten. Im November 1953 wurde das inzwischen weltweit bekannte „Klingspor-Museum“ für internationale Buch- und Schriftkunst gegründet, das jetzt einen Bestand von über 20 000 Inventar-Nummern umfaßt. Seine Autorität in Fragen der Schriftkunst hat K. auch öffentlich eingesetzt, sogar dort, wo Gefahr damit verbunden war; so hat er 1941 in Artikeln und Vorträgen gegen einen Erlaß zur Abschaffung der gebrochenen Schriften Stellung genommen und die Unrichtigkeit der Begründung, sie seien „Judenlettern“, nachgewiesen. Seine reichen Erfahrungen und Kenntnisse im Bereich der Schrift- und Buchkunst hat K. 1949 in seinem Buch „Über die Schönheit von Schrift und Druck“ veröffentlicht. – Als 1925 sein Bruder Wilhelm an den Folgen einer Kriegsverwundung starb, übernahm dessen Schwiegersohn, Ernst Keller (1897–1939), die kaufmännische Leitung der Firma, deren Gebäude im 2. Weltkrieg zerstört wurden. Nach K.s Tod war sein Neffe Karl Hermann 1951-56 Komplementär. Bereits 1917 hatte sich die Firma D. Stempel (Frankfurt/M.) mit 60 % des Kapitals bei „Gebrüder Klingspor“ engagiert und erwarb 1956 die restlichen 40 % von der Familie.|

  • Auszeichnungen

    Dr.-Ing. E. h. (TH Darmstadt), Gutenbergring d. Stadt Leipzig, Goethepreis d. Stadt Frankfurt.

  • Literatur

    J. Rodenberg, The work of K. K., 1926;
    ders., In der Schmiede d. Schrift, K. K. u. s. Werk, 1940;
    F. Bauer, Chronik d. Schriftgießereien, 21928;
    Philobiblion, Dem Erneuerer dt. Schrift- u. Buchkultur K. K. z. 25.6.1938, 1938;
    J.gabe Gebr. Klingspor Offenbach, 1953;
    A. Meiner, in: Börsenbl. f. d. dt. Buchhandel 18, 1953;
    Internat. Buchkunst im 19. u. 20. Jh., hrsg. v. G. K. Schauer, 1969;
    Lex. d. Buchwesens I, 1952, S. 383.

  • Autor

    Hans A. Halbey
  • Empfohlene Zitierweise

    Halbey, Hans A., "Klingspor, Karl" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 98-99 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119116162.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA