Lebensdaten
1887 – 1946
Geburtsort
Siegen (Westfalen)
Sterbeort
Eisleben
Beruf/Funktion
Montanindustrieller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 143198122 | OGND | VIAF: 163745807
Namensvarianten
  • Klingspor, Walter
  • Klingspor, Walther

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Zitierweise

Klingspor, Walter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd143198122.html [26.04.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Gustav (1849–1932), Kaufm., S d. Bäckers u. Kaufm. Wilhelm u. d. Helene Oechelhäuser;
    M Anna (1861–1933), T d. Juristen Friedrich Wilhelm Wörner u. d. Kath. Juliane Hofmann; Vt 2. Grades Karl (s. 1);
    - 1923 Sabine Anna Margarete (* 1898), T d. Landwirts Gerhard Spielberg u. d. Anna Glöckner;
    1 S, 2 T.

  • Biographie

    K. arbeitete 1906-07 als Bergbaubeflissener in Bergwerken des Siegerlandes, der Ruhr und Mitteldeutschlands. 1908 nahm er das Studium an der Universität Tübingen auf, das er 1910 an der Bergakademie Berlin fortsetzte. Während des 1. Weltkrieges war er als Offizier unter anderem in der Türkei für den Aufschluß von Kupfererzen und Öl tätig. 1919 legte er das Bergassessorexamen ab und arbeitete zunächst im Reichsschatzministerium in Berlin. 1920 trat er in die Mansfeldsche Kupferschieferbauende Gewerkschaft in Eisleben, die Rechtsvorgängerin der Mansfeld AG für Bergbau und Hüttenbetrieb, ein. Schon im selben Jahr wurde er zum Bergwerksdirektor ernannt. Die Mansfeld-Gruppe betrieb damals nicht nur den Kupferschieferbergbau und die Verarbeitung der Erze auf Kupfer, Blei, Silber und chemische Produkte, sondern war daneben im Steinkohlenbergbau der Ruhr und in der Kaliindustrie tätig.

    1924 übernahm K. die Leitung der Mansfeldschen Kaliwerke AG. Die Betriebe mußten schon nach kurzer Zeit im Rahmen einer durch das Kalisyndikat mit Unterstützung des Reiches eingeleiteten Rationalisierung stillgelegt werden. K. übernahm nun die Leitung der mit der Mansfeld AG fusionierten Halleschen Pfännerschaft, eines bedeutenden alten Unternehmens, das Braunkohlenbetriebe mit Brikettfabriken, Schwelerei, Glashütten sowie eine Saline und Ziegeleien betrieb. 1935 wurde er ordentliches Vorstandsmitglied der Mansfeld AG. Während der Weltwirtschaftskrise kam die Gesellschaft durch den Verfall des Kupfer- und des Silberpreises in Schwierigkeiten. Durch Intervention bei der Reichsregierung gelang es, einen Förderprämienvertrag abzuschließen, der später die Grundlage für eine allgemeine Unterstützung des deutschen Metallerzbergbaues wurde. Die Rohstoffbetriebe auf der Kupferseite wurden in die Mansfeldsche Kupferschieferbergbau AG eingebracht, während die übrigen Betriebe bei der Holding, der Mansfeld AG, verblieben. 1935 fusionierten diese und die Salzdetfurth AG. Diese letztere wurde nun Holdinggesellschaft. In allen Gesellschaften, die Salzdetfurth angeschlossen waren, war K. im Vorstand oder im Aufsichtsrat tätig. Damit umfaßte sein Arbeitsbereich den Steinkohlenbergbau, Braunkohlenbetriebe, Glashütten, Kupfererzbergbau, Kupferhütten, chemische Betriebe und die Saline. Die Grube Pfännerhall wurde zu einem modernen Großbetrieb ausgebaut. Eine besondere Schwierigkeit, nämlich die Lage von wichtigen Verkehrsbändern und Siedlungen auf dem Tagbaufeld, wurde durch eine großzügige Umlegung beseitigt. Die Saline in Halle wurde durch neue Feuerungs- und Trocknungseinrichtungen modernisiert. Die Hohlglasfabriken in der Niederlausitz wurden unter K.s Leitung vom Handbetrieb auf Maschinenherstellung und schließlich auf Automaten umgestellt. Die Kupfer-, Erz- und Hüttenbetriebe wurden zu großen Betriebseinheiten zusammengefaßt, im Untertagebetrieb wurden neuartige Fördereinrichtungen verwendet.

    1935 leitete K. ein umfangreiches Bohr- und Schürfprogramm im südlichen und nördlichen Harz, im Thüringer Wald und in Nordhessen ein. Die Bohrungen brachten neue Erkenntnisse über die Ausbildung des Kupferschiefers in Mitteldeutschland und waren die Grundlage für den Aufbau einer Kupfergewinnung in Sontra und Sangerhausen. Ebenso veranlaßte K. den Neuaufschluß und den übertägigen Ausbau der Aufbereitung der Kupfervorkommen am Hochkönig im Salzburgerland. Auch ausgedehnte Prospektierungsarbeiten auf dem Balkan und in den nordischen Ländern wurden von ihm geleitet. Für die Verarbeitung baute er eine großangelegte Kupferelektrolyse, eine Schwefelsäurefabrik nach dem Kontaktverfahren. Da das Mansfelder Erz nahezu alle Metalle enthält, wurden auch die Vanadinproduktion und die Forschung nach seltenen Elementen wie Rhenium, Germanium und anderen gefördert. – Nach 1945 bemühte sich K. um den Zusammenhalt der Mansfeldbetriebe, die jedoch zum größten Teil enteignet wurden. Unmittelbar vor seinem Tode stand er den in einen volkseigenen Betrieb umgewandelten Mansfelder Berg- und Hüttenbetrieben noch einige Monate lang als Chefdirektor vor.

  • Literatur

    Rhdb. (P).

  • Autor/in

    Karl Georg Müller
  • Zitierweise

    Müller, Karl Georg, "Klingspor, Walter" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1980), S. 99 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd143198122.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA