Lebensdaten
1841 bis 1925
Geburtsort
Possenhofen
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Königin von Neapel-Sizilien ; Herzogin in Bayern
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119105225 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Marie Sophie von Bayern (geborene)
  • Maria Sofia
  • Marie Sophie
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Zitierweise

Marie Sophie, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119105225.html [23.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Hause Wittelsbach;
    V Hzg. Maximilian in Bayern ( 1888, s. NDB 16);
    M Ludovika Wilhelmine (1808–92), T d. Kg. Max I. Joseph v. Bayern ( 1825, s. NDB 16);
    Schw Kaiserin Elisabeth v. Österreich ( 1898, s. NDB IV), Mathilde (1843–1925, ⚭ Ludwig Gf. v. Trani, 1838–86, B d. Kg. Franz II. v. Neapel-Sizilien, 1894); Schwager Alfons Gf. v. Caserta (1841–1934);
    - 1858 Franz (II.) v. Neapel-Sizilien (1836–94), S d. Kg. Ferdinand II. v. Neapel-Sizilien (1810–59) u. d. Christine v. Sardinien (1812–36);
    1 T (früh †).

  • Leben

    Zum Zeitpunkt der Werbung (1858) Kg. Ferdinands II. von Neapel-Sizilien für seinen Sohn, Kronprinz Franz, war M., die ihre Kindheit großenteils in Schloß Possenhofen am Starnberger See verbracht hatte, 17 Jahre alt. Nach der per procura in München vollzogenen Hochzeitszeremonie traf sie am 3.2.1859 in Bari ein, wo sie zum ersten Mal ihrem Mann begegnete. Mit dem Tod Kg. Ferdinands (22.5.1859) wurde sie an der Seite Franz' II. Königin von Neapel-Sizilien.

    M.s persönliches Schicksal war aufs engste verknüpft mit dem politischen Zustand des Königreichs und dem Fortgang der ital. Einigungsbewegung. Ohne ein präzises politisches Programm zu verfolgen, versuchte sie, ihren Gemahl dem Einfluß seiner Stiefmutter (Erzhzgn. Therese v. Österreich, 1816-67) zu entziehen, ihn aus seiner Unsicherheit und teilnahmslosen Unentschlossenheit zu befreien. Ihre Bemühungen, Kg. Franz nach dem Triumphzug Garibaldis auf Sizilien (Mai 1860), dem Zusammenbruch der dortigen bourbon. Herrschaft und der Landung Garibaldis auf dem Festland zu einem dynamischeren Handeln gegen die Revolutionäre zu bewegen, blieben allerdings erfolglos. Franz entschied sich gegen eine ihm auch von seinem General Pianell angeratene militärische Auseinandersetzung und für den Abzug aus Neapel in die Festung Gaeta (7.9.1860); am selben Tag wurde Neapel von den Truppen Garibaldis besetzt. Mit der Beschießung von Gaeta (13.11.1860) begann die dreimonatige Belagerung der Festung. In dieser Zeit entstand der Mythos von der „Heldin von Gaeta“, dem durchaus reale Züge entsprechen: Er gründet sich auf M.s persönlichen Mut, ihre Unerschrockenheit in Augenblicken höchster Gefahr, ihre ungeschützte Teilnahme am Verteidigungskampf, ihre Fähigkeit, die zusammengewürfelten Truppen in Gaeta zu neuem Kampfgeist anzuspornen, ihren Schwung, der zeitweise auch ihren Gemahl mitreißen konnte.

    Nach dem Scheitern aller militärischen, politischen und diplomatischen Bemühungen wurde am 13.2.1861 die bedingungslose Übergabe Gaetas an die Revolutionstruppen unterzeichnet; Franz und M. erhielten freies Geleit in den Kirchenstaat und trafen am 15.2.1861 im Quirinal ein. Während des röm. Exils war das Königspaar mehr Objekt als Subjekt teilweise phantastisch anmutender Restaurationsversuche; die Spannungen zwischen M. und ihrer Schwiegermutter wuchsen sich zu einem Dauerkonflikt aus. Im Sommer 1862 wieder in München und Possenhofen, dann in Baden-Baden und Augsburg, kehrte M. erst unter dem Druck ihrer bayer. Verwandten wieder nach Rom zurück, wo dem Paar 1868 eine Tochter geboren wurde, die jedoch nur drei Wochen alt wurde. Dem Zugriff der ital. Einigungstruppen auf Rom kam das Königspaar im April 1870 durch die Flucht zuvor; in Paris führten Franz und M. ein Leben in großer Zurückgezogenheit. 1894 starb Franz; das Erbe ging auf den Thronprätendenten, seinen Bruder Alfons Gf. v. Caserta, über. M. zog in eine kleine Villa bei Neuilly, eröffnete auf dem Platz vor der Oper einen Spitzenladen und gründete ein Gestüt für Rennpferde. Als über 80jährige kehrte sie nach München zurück.

    M. war seit der Belagerung von Gaeta Gegenstand schwärmerischer Verehrung, aber auch polemischer Verleumdung. Literarische Allegorien (A. Daudet) und Huldigungen (F. Gregorovius, G. d'Annunzio, M. Proust) stehen auf der einen Seite, kolportierte Gerüchte über einen bedenklichen Lebenswandel und die Verstrickung in politische Intrigen auf der anderen.

  • Literatur

    A. Tosti, M. regina di Napoli, 1947;
    J. P. Garnier. Le dernier roi de Naples, 1961;
    H. Acton, The Last Bourbons of Naples (1825–61), 1962;
    F. Valsecchi, M., Kgn. v. Neapel, in: ZBLG 44, 1981, S. 381-96 (L, P).

  • Autor/in

    Hans-Michael Körner
  • Empfohlene Zitierweise

    Körner, Hans-Michael, "Marie Sophie" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 202 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119105225.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA