Lebensdaten
1873 bis 1965
Geburtsort
Lehe bei Bremerhaven
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Forschungsreisender ; Alpinist
Konfession
konfessionslos
Normdaten
GND: 119103354 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rickmers, Willy Rickmer
  • Rickmers, Willi
  • Rickmers, Willy Rickmer

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Zitierweise

Rickmers, Willi, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119103354.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Willy, eigtl. Wilhelm Heinrich (1844–91), Teilh. d. Fa. „Rickmers Reismühlen, Reederei u. Schiffbau AG“ in B., S d. Rickmer Clasen (1807–86) u. d. Etha Reimers (1806–93), beide v. Helgoland;
    M Alice (1853–1922), T d. Friedrich Gustav Hellbardt, Gutsbes. in Roschenen (Ostpreußen), u. d. Josephine Laurita de Mojean;
    2 B Erwin (* 1876), wanderte 1903 in d. USA aus, Hans-Erik (1881–1923), Landwirt;
    London 1897 Mabel (1866–1939), T d. William Pirie Duff, Kaufm. in Kalkutta, u. d. Isabella Davidson; kinderlos.

  • Leben

    R. lebte bis zur Mittleren Reife in Bremen (1890) an verschiedenen Orten Deutschlands und besuchte 1890/91 die Privatschule Oskar Silligs in La Tour-de-Peilz am Genfer See, wo Alpenwanderungen und erste Hochtouren seine Begeisterung für das Gebirge weckten. Nach dem Tod des Vaters absolvierte er 1891-93 eine kaufmännische Lehre in der Bremer Firma seines Onkels Andreas Rickmers (1835–1924), studierte seit 1893 an der Univ. Wien Geologie, Botanik u. Zoologie und unternahm Touren in den östlichen Zentralalpen und den Dolomiten. Er trat der Akademischen Sektion des Dt. u. Österr. Alpenvereins (DÖAV) bei und vervollständigte seine bergsteigerischen Fähigkeiten. 1894 führte ihn eine erste Orientreise nach Armenien und zum Ararat, im folgenden Jahr kam er erstmals in den Kaukasus und besuchte Buchara. 1900 bereiste er Swanetien und erneut den Kaukasus und führte 1903 eine international besetzte Bergsteigergruppe dorthin, wobei u. a. die Erstbesteigung des Uschba-Südgipfels gelang. Die umfangreiche Buchara-Sammlung des Museum für Völkerkunde Berlin – eine Schenkung R.s aus dem Jahr 1902 – stammt im wesentlichen aus jener Zeit. Seit 1901 wohnte R. in Mettnau bei Radolfzell, seit 1908 in Innsbruck und seit 1930 in München.

    1908 verlor R. sein gesamtes Vermögen im Rahmen einer Firmenbeteiligung. Er wurde Angestellter des österr. Arbeitsministeriums als Sachverständiger für Fremdenverkehrsfragen. 1913 übernahm er im Auftrag des DÖAV die Vorbereitung und organisatorische Leitung einer Expedition, die die topographische, geologische und gletscherkundliche Erforschung des westlichen Pamir zum Ziel hatte. Im 1. Weltkrieg war R. als Dolmetscher für Russisch, Englisch und Französisch tätig. In dieser Eigenschaft gehörte er der „Kaukasusdelegation“ des Berliner Außenministeriums an, die im Juli 1918 nach Tiflis reiste und Georgien in die staatliche Unabhängigkeit führte. Nach dem Krieg ohne feste Stellung, betätigte er sich als freier Schriftsteller und Übersetzer. 1920 beteiligte er sich am Münchener „Bergverlag“ des Bergsteigers|Walter Schmidkunz (1887–1961). 1928 leitete R. die von der „Notgemeinschaft der Dt. Wissenschaft“, der Akademie der Wissenschaften der UdSSR und dem DÖAV gemeinsam veranstaltete Alai-Pamir-Expedition. Neben der topographischen und geologischgletscherkundlichen Erforschung des Gebiets wurden auch alpinistische Ziele verfolgt, u. a. gelang 1928 die Erstbesteigung des Pik Lenin (7134 m). Danach unternahm R. Vortragsreisen in Deutschland, Holland, England und der Schweiz. Später trat er kaum noch öffentlich auf und lebte hauptsächlich als Übersetzer engl. Bergliteratur. Neben R.s zahlreichen Publikationen zu eigenen Bergfahrten ist sein wissenschaftliches Hauptwerk „The Duab of Turkestan, A Physiographic Sketch and Account of some Travels“ (1913) hervorzuheben, in dem die Forschungsergebnisse und Reiseerlebnisse zum „Duab“ (R.s Bezeichnung für Zweistromland) zwischen Amudarja und Syrdarja zusammengefaßt wurden.

    R. trug eine umfangreiche Sammlung alpiner Literatur zusammen, die er 1901 dem DÖAV schenkte und damit den Grundstock für die spätere Zentralbibliothek des DAV schuf. 1948 stiftete er erneut ca. 2000 Bände als Starthilfe für den Wiederaufbau der Bibliothek.

    Neben dem klassischen Bergsteigen widmete sich R. seit 1901 dem alpinen Skilauf, den er von Matthias Zdarsky (1856–1940) erlernte. Bis 1912 hielt er Kurse für Bergführer ab und veröffentlichte 1910 das methodische Lehrbuch „Ski-ing for Beginners and Mountaineers“. Kitzbühels Aufstieg zum Wintersportort geht auf diese Zeit zurück, als Bürgermeister Franz Reisch in Zusammenarbeit mit R. das diesbezügliche Angebot erarbeitete und erweiterte|.

  • Auszeichnungen

    Dr. phil. h. c. (Innsbruck 1930); Life Fellow (1895) u. Goldene Medaille d. Royal Geographical Soc. London (1935); Ehrenmitgl. d. Geograph. Ges. München (1929) u. d. Alpine Club (1958); Goethe-Medaille f. Kunst u. Wiss. (1943); Silberne Gustav-Nachtigal-Medaille d. Ges. f. Erdkunde Berlin (1928).

  • Werke

    Weitere W Die Sari-Kandal-Sagunaki-Gruppe im Duab v. Turkestan, in: Zs. d. Ges. f. Erdkunde Berlin, 1907, S. 429-10;
    Alai! Alai! Arbeiten u. Erlebnisse d. Dt.-Russ. Alai-Pamir Expedition, 1930;
    Querschnitt durch mich, 1930 (Autobiogr., P);
    Lazistan and Ajaristan, in: Geogr. Journal 84, 1934, S. 465-80.

  • Literatur

    G. Dombrowski, Der Sammler W. R. R., in: R. Pinner (Hg.), Die Slg. Rickmers, Turkmen. Teppiche im Mus. f. Völkerkunde Berlin, in: Veröff. d. Mus. f. Völkerkunde Berlin, NF 55, Abt. Islam. Orient III, 1993, S. 3-5 (P);
    H. Kinzl, in: Nachrr.bl. d. Univ. Innsbruck 1965/66, S. 88 f.

  • Autor/in

    Klaus Priesmeier
  • Empfohlene Zitierweise

    Priesmeier, Klaus, "Rickmers, Willi" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 553-554 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119103354.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA