Lebensdaten
um 1420 oder 1425 bis nach 1501
Geburtsort
Andlau (Elsaß)
Beruf/Funktion
Glasmaler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119074729 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Andlau, Peter Hemmel von (eigentlich)
  • Andlo, Peter von (?)
  • Hemmel von Andlau, Peter
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Zitierweise

Andlau, Peter von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119074729.html [17.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    1447 Witwe des Glasmalers Heinrich (Heintz) von Straßburg;
    S Jakob von Andlau Glasmaler;
    2 T, u. a. Agnes ( 1486 Glasmaler Jakob Gerfalk aus Münster bei Kolmar).

  • Leben

    Das Gesamtwerk A.s wurde seit dem 18. Jahrhundert einem „Ulmer“ Glasmaler Hans Wild zugeschrieben, auf Grund einer, auf dem Ärmelsaum einer Prophetenfigur des Kramerfensters im Ulmer Münster befindlichen Signatur „Hans Wil“. H. Rott ist es in den 30er Jahren durch zahlreiche Urkundenfunde in oberrheinischen Archiven gelungen, den wirklichen Meister dieser Glasmalereien zu finden, den aus dem unterelsässischen Städtchen A. stammenden und in Straßburg wirkenden Peter Hemmel. Zweifellos handelt es sich bei dem „Hans Wil“ nur um einen in der Werkstatt dieses Meisters beschäftigten Glasmalergesellen, und zwar – wie Rott vermutet – um den urkundlich 1444-48 in Straßburg genannten Hans Wil(helm).

    A., der durch seine Heirat mit der Witwe des 1444 anläßlich des Straßburger Armagnakenzuges letztmalig genannten Glasmalers Heinrich (Heintz) Bürger der Stadt Straßburg geworden war, übernahm dessen Werkstatt, in der er wahrscheinlich schon als Geselle gearbeitet hatte. Die kleine Scheibe mit der Madonna im Strahlenkranz, der Patronin Straßburgs, aus dem alten Rathaus in Straßburg, heute im Darmstädter Museum, die früheste ihm mit Sicherheit zuzuweisende Glasmalerei, dürfte sein Meisterstück gewesen sein. Aus dem folgenden Jahrzehnt 1450 bis 1460 ist nichts überliefert. Erst von 1463 ab taucht sein Name in den Urkunden wieder auf. 1475 und 1476 schickte ihn die Zunft der „Steltze“ als ihren Vertreter in den Rat der Stadt Straßburg. Um diese Zeit war sein Werkstattbetrieb derartig angewachsen, daß die Besteller trotz hoher Anzahlungen oft jahrelang auf die Ausführung der Aufträge warten mußten. A. tat sich deshalb 1477 mit den Straßburger Glasmalern Lienhart Spitznagel, Hans von Maursmünster, Diebold von Lüxheim und Werner Stör zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammen, zu der 1480 der Straßburger Bürger Jörg Stupfler und seine Frau als stille Teilhaber kamen. 1483 wird sein Sohn Jakob und 1486 sein Schwiegersohn Jakob Gerfalk als Mitarbeiter und Zunftgenosse zur Steltze genannt. Die letzte urkundliche Nachricht meldet, daß der greise Meister die von Kaiser Maximilian für die Liebfrauenkirche zu Thaur bei Hall in Tirol 1501 bestellten Glasmalereien persönlich überbrachte und auch dort einsetzte. Wann und wo er starb, ist bis jetzt nicht bekannt geworden.

    Während A.s Arbeiten der 60er Jahre noch ganz unter dem Eindruck der Werke des oberrheinischen Kupferstechers ES und farbig unter dem der Gemälde Kaspar Isenmanns stehen, macht sich von den 70er Jahren ab ein größerer Einfluß Rogers van der Weyden, der durch Martin Schongauer vermittelt wurde, geltend. H. Naumanns Annahme, Matthias Grünewald hätte von 1479 ab in der Werkstatt A.s gearbeitet, ist nicht zutreffend. Technisch gehören die Werke A.s zum Vollendetsten, was die Glasmalerei hervorgebracht hat. Goethe hat anläßlich seines Besuches der Tübinger Stiftskirche am 14.9.1797 A.s Technik im Tagebuch seiner Schweizerreise meisterlich beschrieben. Schon in seinen ersten Werken tritt er uns als Glasmaler von Format entgegen, der nicht nur durch die virtuose Beherrschung aller in seiner Zeit möglichen Glasmaltechniken, sondern auch durch seine überragende Kenntnis der Perspektive, der Anatomie und des Landschaftlichen alle seine Zunftgenossen übertraf. Berühmt sind vor allem seine Stifterbildnisse, die nach der Natur gezeichnet, zum Schönsten gehören, was die spätgotische Malerei überhaupt hervorgebracht hat.

  • Werke

    Weitere W Glasmalereien in Kirchen u. Profanbauten: Straßburg, Altes Rathaus (um 1450, Landesmus. Darmstadt);
    Walburg, Kirche (1461);
    Zabern, obere Pfarrkirche (um 1465);
    Straßburg, St. Wilhelm (um 1465);
    Altthann, Kirche (1466);
    Schlettstadt, St. Georg (um 1466);
    Oberehnheim, Alt-St. Peter u. Paul (1474);
    Frankfurt a. M., Dom (1475–76, nicht mehr vorhanden);
    Öhringen, Stiftskirche (um 1475);
    Tübingen, Stiftskirche (1476–79);
    Urach, Amanduskirche (1477);
    Ravensburg, Liebfrauenkirche (um 1478);
    Ulm, Münster (um 1479–1480);
    Konstanz, Münster (1480, Kunstgewerbemus. Berlin, Landesmus. Karlsruhe, Kunstgewerbemus. Köln);
    Salzburg, Nonnberg, Marienkirche (1480);
    München, Frauenkirche (um 1480);
    Augsburg, Dom (um 1480);
    Heilbronn, Kilianskirche (1481);
    Straßburg, St. Magdalena (1481, verbrannt 1904, Reste Städt. Mus. Straßburg);
    Straßburg, St. Peter (1481, Kestner-Mus. Hannover);
    Lautenbach b. Oberkirch, Kirche (1482);
    Oberehnheim, Gutleutkapelle (1485);
    Nancy, Liebfrauenkirche (1486);
    Nürnberg, St. Lorenz (um 1487);
    Salzburg, St. Peter-Kirchhof (um 1491);
    Bern, Münster (um 1491);
    Zabern, Pfarrkirche (um 1493);
    Langenburg, Stadtkirche (1499–1500);
    Thaur b. Hall in Tirol, Liebfrauenkirche (1501);
    Ingelfingen, Kirche (1501–1502).

  • Literatur

    A. O. Essenwein, Kat. d. im German. Mus. befindl. Glasgem., 21898;
    H. Lehmann, Zur Gesch. d. Glasmalerei in d. Schweiz, in: Mitt. d. Antiquar. Ges. in Zürich, 1906;
    J. Schinnerer, Die kirchl. Glasmalerei d. Spätgotik u. Frührenaissance in Nürnberg, 1908;
    P. Frankl, Die Glasmalerei d. 15. Jh.s in Bayern u. Schwaben, 1912;
    H. Schmitz, Die dt. Malerei v. ausgehenden MA bis z. Ende d. Renaissance. Bd. 3, Oberdtld. im 15. u. 16. Jh., 1924;
    Ch. H. Sherrill, Stained Glass Tours in Germany, Austria and the Rhine Lands, New York 1927;
    O. v. Falke. Rundschreiben im Berliner Kunstgewerbemus., in: Pantheon, 1929;
    H. Haug, Le Musée Historique de la Ville d'Obernai, Straßburg 1930;
    ders., Notes sur Pierre d'Andlau, peintre-verrier à Strasbourg, et son atélier, in: Archives Alsac. d'histoire de l'art,|Paris-Straßburg 1936;
    H. Rott, Qu. u. F z. südwestdt. u. schweizer. Kunstgesch. im 15. u. 16. Jh. II, 1934, III A u. B, 1936, III C, 1938;
    H. Naumann, Le premier élève de Martin Schongauer, Mathis Nithart, in: Archives Alsac. d'histoire de l'art, Paris-Straßburg 1935;
    J. L. Fischer, Der neuentdeckte Glasmaler P. v. A., Straßburg, bisher Hans Wild v. Ulm genannt, u. sein Werk in d. Tübinger Stiftskirche, in: Pantheon, 1936;
    F. G. Pariset, in: Journal de la société d'archéologie lorraine, Nancy 1937;
    J. Forderer, Der Künstler d. Glasgem. in d. Tübinger Stiftskirche, in: Tübinger Bll., 1938;
    M. Aubert, Le vitrail en France, Paris 1946;
    H. Wentzel, P. v. A., Glasmalereien in d. Stiftskirche z. Tübingen, o. J.;
    ThB (unter Hans Wild, L).

  • Autor/in

    Heinz Merten
  • Empfohlene Zitierweise

    Merten, Heinz, "Andlau, Peter von" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 270-272 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119074729.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA