Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Klavierfabrikanten
Konfession
-
Normdaten
GND: 119074001 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Steinway (seit etwa 1853)
  • Steinweg
  • Steinway (seit etwa 1853)
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Zitierweise

Steinweg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119074001.html [24.08.2019].

CC0

  • Leben

    Der erste Klavierbauer der Familie war Heinrich Engelhardt (nach 1853: Henry Engelhard Steinway, 1797–1871), geboren als Sohn eines Försters in Wolfshagen (Oberharz). Aufgewachsen unter ärmlichen Lebensumständen und seit 1812 Vollwaise, arbeitete er bei einem Tischler in Goslar, war zwischen 1815 und 1819 Soldat und eignete sich nebenbei Fertigkeiten in der Holzbearbeitung und im Bau kleinerer Instrumente an. 1819 begann er eine Lehre bei einem Orgelbauer in Goslar, 1820 ließ er sich als „Tischlermeister und|musikalischer Instrumentenmacher“ in Seesen (Harz) nieder. Er baute zunächst Gitarren, Mandolinen und Zithern, deren Spiel er neben Orgel und Klavier gut beherrschte, und nahm Reparaturarbeiten an. 1825 heiratete er Julianne Theimer, Tochter eines Handschuhmachers; von den zehn Kindern erreichten fünf Söhne und drei Töchter das Erwachsenenalter. Im Nov. 1825 erhielt Heinrich das Bürgerrecht in Seesen; seinen ersten Flügel sowie ein Tafelklavier baute er 1836. Seit dieser Zeit bildete der Bau von Tafelklavieren und Flügeln in herausragender Qualität das Hauptgeschäftsfeld seiner Firma. Auf der Gewerbeausstellung in Braunschweig 1839 erhielt er für einen Flügel und zwei Tafelklaviere den ersten Preis. In dieser Zeit stellte sein Unternehmen jährlich zehn Instrumente fertig. Die Geschäfte der Firma gingen in der Folge stark zurück, sowohl durch die isolierte Lage Seesens im nicht zum Zollverein gehörigen Kgr. Hannover, als auch infolge der Revolution von 1848.

    1849 reiste Heinrichs Sohn Carl (1829–65) nach New York, um die Möglichkeiten zur Auswanderung zu erkunden, 1850 folgte Heinrich Engelhardt nach und gründete 1853 mit seinen Söhnen Carl, Heinrich (Henry) (1830–65), Wilhelm (William) (1835–96) und Albert (1840–77) die Klavierbaufirma „Steinway & Sons“ in New York, die sich rasch zu einem bedeutenden Unternehmen entwickelte. Die Firma in Seesen überließ Heinrich 1850 seinem Sohn Christian Friedrich Theodor (C. F. Theodore) (1825–89). Die New Yorker Firma stellte 1854 mit fünf Gehilfen bereits 74 Klaviere her und erbaute 1858–60 ein fünfstöckiges, mit Dampfmaschinen ausgestattetes Fabrikgebäude. Im Okt. 1865 kam auch C. F. Theodore nach New York. 1866 eröffnete Steinway in New York einen eigenen Konzertsaal, die „Steinway Hall“ mit 3000 Sitzplätzen, und gründete eine Konzertagentur für herausragende Pianisten. In diesem Jahr erreichte die Jahresproduktion 2000 Instrumente. Um den europ. Markt zu erobern, wurde von William und C. F. Theodore 1877 ein Verkaufsmagazin mit Konzerthalle in London eröffnet und 1880 eine rechtlich unabhängige Zweigfirma in Hamburg gegründet, die zunächst nur die von der New Yorker Stammfirma gelieferten Teile zusammenbaute. 1882 wurde ein neues Grundstück erworben, um eine vergrößerte Produktionsstätte zu errichten, wo 1890 bereits 300 Klavierbauer beschäftigt waren. 1898 erlosch deren Eigenständigkeit, der gesamte Betrieb wurde der New Yorker Stammfirma übertragen, die Hamburger Klavierfabrik sowie die später gegründeten Magazine (1893 in Berlin, 1906 in Hamburg) und das 1901 eröffnete Werk in Wien galten als Niederlassungen. Aus diesen Produktionsstätten wurden um 1904 jährlich bis zu 6000, 1914 jährlich 6500 Instrumente ausgeliefert.

    Nach der Weltwirtschaftskrise und dem 2. Weltkrieg, in dem die Produktion von Klavieren verboten und die Hamburger Fabrik 1943 von Bomben zerstört wurde, arbeitete die Firma seit den 1950er Jahren wieder profitabel. 1972 wurde Steinway & Sons an „Columbia Broadcasting Systems“ (CBS) verkauft, die 1985 zusammen mit der gesamten Musical Instruments Division auch das Unternehmen Steinway & Sons an drei Bostoner Geschäftsleute veräußerte. Die neue Holdinggesellschaft firmierte unter dem Namen „Steinway Musical Properties, Inc.“ Im Mai 1995 fusionierte die Gesellschaft mit der „Selmer Company“, USA. Steinway & Sons ist bis heute ein weltweit agierendes, erfolgreiches Unternehmen geblieben, das jährlich ca. 5000 Klaviere verkauft. In der 150jährigen Geschichte des Unternehmens wurden in den Produktionsstätten New York, Hamburg und Wien über 500 000 Klaviere und Flügel hergestellt.

    Das erste Steinway-Patent wurde 1857 erteilt, es folgten über 120 revolutionäre Entwicklungen, welche die Firma Steinway zum wichtigsten Konstrukteur des modernen Klaviers machten. Zwischen 1839 und 1862 erhielt die Firma Steinweg/Steinway & Sons 35 erste Preise auf Ausstellungen, z. B. in New York (1855), London (1862), Paris (1867) und Philadelphia (1876). Der erste Flügel von Heinrich und ein Tafelklavier (beides 1836) stehen im Metropolitan Museum in New York.

    Die Söhne, Schwiegersöhne und Enkelkinder Heinrichs wurden im Familienbetrieb ausgebildet und nahmen danach leitende Positionen ein. C. F. Theodore, ältester Sohn Heinrichs, übernahm 1850 nach der Auswanderung seiner Familie in die USA die Klavierbauwerkstatt in Seesen, verlegte diese 1855 nach Wolfenbüttel und führte sie unter dem Namen „C. F. Theodor Steinweg“. 1858 nahm er den Kaufmann Friedrich Grotrian (1803–60) als Teilhaber auf, der in den Bau einer zeitgemäßen Klavierfabrik in Braunschweig investierte. Seit 1859 waren 25 Meister und Gesellen, 1864 etwa 40 Personen angestellt. 1865 wurde Wilhelm Schulz Teilhaber, im selben Jahr verkaufte C. F. Theodore seine Anteile an seine Mitarbeiter Wilhelm Grotrian, Adolf Helfferich und Wilhelm Schulz, da er nach dem Tod seiner|Brüder Carl und Heinrich die New Yorker Firma des Vaters unterstützen sollte. Seine Mitarbeit und seine Innovationen (52 Patente zwischen 1868 und 1885) führten die Stammfirma in den 1870er Jahren zu neuen Erfolgen. Seit 1880 lebte er wieder in Braunschweig und führte die Geschäftsleitung der Londoner und Hamburger Niederlassungen als Teilhaber. C. F. Theodore war Mitglied in mehreren wissenschaftlichen Gesellschaften und erhielt zahlreiche Ehrungen.

    Carl, zweiter Sohn Heinrichs, wanderte 1849 als erster über die Schweiz, Paris und London nach New York aus, arbeitete zunächst bei dem dt.stämmigen Klavierhändler Johann Jacob Astor, wechselte dann zu der Firma „William Nunns & Co.“ und arbeitete bis zur Gründung des Familienunternehmens 1853 bei „Bacon & Raven“. Als Teilhaber war er für den Ausbau der Firma verantwortlich. Er starb während einer Deutschlandreise 1865 in Braunschweig an Typhus.

    Heinrich, dritter Sohn, wanderte mit seinem Vater Heinrich und seinen Geschwistern 1850 nach New York aus und fand kurzzeitig Anstellung bei der Klavierbaufirma „James Prisson“. 1853 war er Mitbegründer und Teilhaber des Familienunternehmens. Er hatte großen Anteil an dessen enormen Aufschwung; seine kreuzsaitigen Pianofortes, die 1855 auf der New Yorker Industrieausstellung den ersten Preis erhielten, wurden 1861 patentiert. Weitere sechs wichtige technische Neuerungen Heinrichs, v. a. die Mechanik betreffend, wurden zwischen 1857 und 1862 patentiert.

    William, vierter Sohn des Firmengründers, wurde als Klavierbauer bei William Nunns & Co. ausgebildet und 1853 Mitbegründer und Teilhaber des Familienunternehmens. Er ließ 1861 den von ihm entwickelten „Doppeleisenrahmen für Pianino“ patentieren, hauptsächlich widmete er sich jedoch der weltweiten Vermarktung der Klaviere; seine Strategie führte zu einer neuen Expansion der Firma. Auch er erhielt zahlreiche Ehrungen. William war ein aktives Mitglied der New Yorker Gesellschaft und in mehreren bürgerlichen und karitativen Organisationen tätig. 1876–96 bekleidete er das neu eingeführte Amt des Präsidenten von Steinway & Sons.

    Albert, neuntes Kind Heinrichs, war 1861–65 Soldat im Bürgerkrieg (Oberst, später Brigadegeneral), stieg nach dem Tod seines Vaters in das Familienunternehmen ein und war 1871–77 für die Geschäfte, v. a. für die technische Ausstattung des Betriebes als stellv. Präsident verantwortlich. Er nahm auch auf die Entwicklung der Klaviere Einfluß. 1874 wurde seine Konstruktion eines Tonhaltepedals patentiert, welches in weiterentwickelter Form bis heute Bestandteil der Flügel ist.

    In der dritten Generation waren ebenfalls Familienmitglieder im Unternehmen tätig. Nachfolger Williams als Präsident war 1896–1919 der zweite Sohn Carls, Charles Herman (1857–1919). Dieser besuchte die Schule in New York und in Deutschland und war ein guter Musiker. Seit 1874 erhielt er eine Ausbildung im Familienunternehmen, 1878–96 war er Leiter der Finanzabteilung und stellv. Präsident, anschließend Präsident. Carls dritter Sohn Frederick T. (1860–1927) war 1919–27 Präsident, ihm folgte in dieser Position 1927–55 Williams dritter Sohn Theodore Edwin (1883–1957). Dessen Sohn Henry Z. (1915–2008) war 1955–80 Präsident. Die Familiengrabstätte befindet sich auf dem Greenwood-Friedhof in Brooklyn (New York).

  • Literatur

    ADB 36;
    A. Dolge, Pianos and their Makers, 1911, Nachdr. 1972;
    Theodore E. Steinway, People and Pianos, a Century of Service to Music, 1953 (P);
    R. V. Ratcliffe, Steinway, San Francisco, Chronicle Books, 1989 (P);
    Schlegel`s American Families of German Ancestry in the United States, Nachdr. 2003;
    R. K. Lieberman, Steinway & Sons, 1995, dt. 1996;
    A. Büttner, Klaviere u. Flügel aus Hamburg, Zur Gesch. d. Fa. Steinway & Sons, in: Zs. d. Ver. f. hamburg. Gesch. 82, 1996, S. 47–64;
    Braunschweig. Biogr. Lex. (P);
    DAB;
    H. Henkel, Steinway & Sons, in: MGG2, Sp. 1705–08;
    ders., Lex. dt. Klavierbauer, 2000, S. 198 f. u. 630;
    New Grove2 .

  • Autor/in

    Eszter Fontana
  • Empfohlene Zitierweise

    Fontana, Eszter, "Steinweg" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 230-232 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119074001.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA