Lebensdaten
1905 bis 1986
Geburtsort
vermutlich Wisnitz (heute: Wisnicz Nowy, Polen)
Sterbeort
Manhattan (New York, USA)
Beruf/Funktion
Regisseur ; Produzent ; Schauspieler
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 119067412 | OGND | VIAF: 29539444
Namensvarianten
  • Preminger, Otto Ludwig
  • Preminger, Otto
  • Preminger, Otto Ludwig

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Zitierweise

Preminger, Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119067412.html [21.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Markus (1877–1952), Staatsanwalt;
    M Josepha Fränkel (* 1884);
    1) Marion Mill (eigtl.: Magda Deutsch Mayer, 1903–72), Schausp., 2) Mary Gardner, Model, 3) Patricia Hope, geb. Bryce; aus Verbindung mit d. Varietétänzerin Gypsy Rose Lee 1 unehel. S Erik Kirkland (Erik Lee P., * 1944), 1970 adoptiert, 1 S Markt (* 1960);
    1 T Victoria (* 1960).

  • Leben

    Aus einer großbürgerlichen Wiener Familie stammend, studierte P. Rechtswissenschaft in Wien und nahm gleichzeitig Schauspielunterricht bei Max Reinhardt. 1924 stand er erstmals im Theater in der Josefstadt auf der Bühne. Weitere Engagements führten ihn nach Prag, Aussig und Zürich, bevor er 1927 als Ko-Direktor des Modernen Theaters nach Wien zurückkehrte. 1929 übernahm P. die|Leitung des Neuen Wiener Schauspielhauses, der ehemaligen Volksoper. Als Regisseur wurde er 1930 an das Theater in der Josefstadt verpflichtet, wo er sich vornehmlich durch die Inszenierungen amerik. und engl. Stücke mit großem Erfolg etablieren konnte. 1933-35 folgte er Reinhardt als künstlerischer und geschäftsführender Direktor dieses Theaters. Seine Erfolge machten ihn auch in New York und Hollywood bekannt. 1935 emigrierte P., der sein Judentum nie verleugnete, nach New York (US-Staatsbürger 1943), um am Broadway zu arbeiten. Bald darauf folgte er einer Einladung des Präsidenten der 20th Century-Fox, Darryl F. Zanuck, nach Hollywood.

    In Wien inszenierte P. 1931 den Film „Die große Liebe“, dem bis 1979 weitere 36 folgten. 1936/37 feierte P. erste Erfolge bei der Fox, kehrte aber nach Konflikten mit dem Produzenten Zanuck in die New Yorker Theaterszene zurück und realisierte erst wieder 1943 seine erfolgreiche Bühneninszenierung des Anti-Nazi-Stücks „Margin for Error“ in Hollywood als Film. Mit „Laura“ (1944), einem Meisterwerk des Film noir, gelang ihm der Durchbruch als Filmregisseur. Es folgten Filme wie „Fallen Angel“ (1945), „Whirlpool“ (1949), „Where the Sidewalk Ends“ (1950) und „Angel Face“ (1952), in denen die Stars Linda Darnell, Gene Tierney, Jean Simmons, Dana Andrews und Robert Mitchum Hauptrollen spielten. P.s eigenwillige Regiekonzepte und sein außergewöhnliches Gespür für erfolgreiche Stoffe etablierten ihn in der Hollywood-Hierarchie, brachten ihn oft aber auch in Widerspruch zur Filmindustrie.

    Als Konsequenz dieser Erfahrungen realisierte P. seit 1953 seine Filme als „freier“ Produzent und Regisseur. Sein Ruhm gründete sich nicht zuletzt darauf, daß er mit der Auswahl seiner Stoffe oft soziale und politische Tabus brach und damit gegen den amerik. Puritanismus, den Hays Code und die Selbstzensur Hollywoods rebellierte, die die amerik. Gesellschaft in ein Korsett des Mißtrauens zwängten. Aus dem der österr. Gesellschaft entstammenden „Spätkakanier“ P. wurde ein überzeugter Amerikaner, dessen soziales Engagement ihn immer wieder in Widerspruch zu den amerik. Marktinteressen brachte. Charakteristisch für P.s Schaffen sind demokratische Überzeugung, gelebte Toleranz und Liberalität einerseits und die Lust am publikumswirksamen Effekt andererseits. Einige seiner Filme zeigen P. als politischen Liberalen, so „The Man With the Golden Arm“ (1955), in dem er das Schicksal eines Drogenabhängigen porträtierte, „Anatomy of a Murder“ (1959), eine Auseinandersetzung mit dem amerik. Rechtssystem, und „Exodus“ (1960), ein patriotischer Film über den Freiheitskampf jüd. Flüchtlinge auf Zypern und in Palästina 1946–48, in dem P. für die Rechte der Überlebenden des Holocaust Stellung nahm. Andere Filme scheuten aber auch triviale Sujets nicht: „Bonjour Tristesse“ (1957) ist ein hochartifizieller und emotional durchkalkulierter Film, der die Romanvorlage von Françoise Sagan melodramatisch überschreitet. Daneben drehte er Musikfilme wie „Carmen Jones“ (1954) und „Porgy and Bess“ (1959), die als aufwendig ins Bild gesetzte historische Beispiele eines am Theater geschulten und von der Bühnendramaturgie inspirierten Regieverständnisses interessant geblieben sind, und agierte selbst als Schauspieler, so u. a. in Billy Wilders Film „Stalag 17“ (1953).

    P.s Filme offenbaren eine obsessive erzählerische und ästhetische Kraft, deren Eklektizismus zwar unverkennbar ist, die er aber einer eigenen Bildsprache – zwischen Eleganz, Zynismus, ungefilterter Emotion und effektsicherer Show – faßte und die ihn als Regisseur auszeichnet.

  • Werke

    Weitere Filme u. a. In the Meantime. Darling, 1944;
    Forever Amber, 1947;
    Daisy Kenyon, 1947;
    The Moon Is Blue, 1953;
    River of No Return, 1954;
    The Court Martial of Billy Mitchell, 1955;
    Saint Joan, 1957;
    Advise and Consent, 1962;
    The Cardinal, 1963;
    In Harni's Way, 1964;
    Bunny Lake Is Missing, 1965;
    Such Good Friends, 1971;
    The Human Factor, 1979.

  • Literatur

    P., An Autobiogr., 1977 (P);
    J. Lourcelles, O. P., 1965 (P);
    E. Wilder-Spaulding, The Quiet Invaders, 1968, S. 304 f.;
    G. Pratley, The Cinema of O. P., 1971 (Filmogr., P);
    W. Frischauer, Behind the Scenes of O. P., An Unauthorized Biogr., 1973 (P);
    T. Gershuny, Soon to be a Major Motion Picture, The Anatomy of an All-Star, Big-Budget, Multimillion-Dollar Disaster, 1980;
    G. Légrand, J. Lourcelles, M. Mardore, O. P., 1993 (Filmogr., P);
    N. Grob. R. Aurich, W. Jacobson, O. P., 1999 (Filmogr., Theatrogr., Bibliogr., P);
    H. Marx, Deutsche in d. Neuen Welt, 1983, S. 180 f.;
    Enc. Jud., 1971;
    Kosch, Theater-Lex.;
    BHdE II;
    Gorzny;
    Hist. Lex. Wien.

  • Autor/in

    Wolfgang Jacobsen
  • Empfohlene Zitierweise

    Jacobsen, Wolfgang, "Preminger, Otto" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 693 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119067412.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA