Lebensdaten
1844 bis 1923
Geburtsort
Sankt Petersburg
Sterbeort
Vevey (Schweiz)
Beruf/Funktion
Forschungsreisender ; Sammler ; Diplomat
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119064154 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Moser, Georg Heinrich
  • Moser Charlottenfels, Henri
  • Moser Charlottenfels, Georg Heinrich
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Zitierweise

Moser, Henri, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119064154.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich (s. 1);
    Jestetten (Baden) 1887 Margaretha (1862–1929, N), T d. Bankiers Armin Schoch (1831–86) aus Herisau u. d. Henriette Moser;
    1 S Benjamin Henri (* 1898, früh †).

  • Leben

    M. verlebte eine unstete Jugend, nachdem er seine Mutter als Sechsjähriger verloren hatte und der strenge Vater seine Ausbildung allzu einseitig auf die Übernahme des Geschäfts ausrichtete. 1865 trat er in den Moserschen Fabrikationsbetrieb in Le Locle ein und unternahm bereits ein Jahr später eine ausgedehnte Geschäftsreise nach Rußland. Erste Erfolge machten ihn leichtsinnig und arrogant, und als er nach seiner Rückkehr 1867 wegen eines kritischen Zeitungsartikels über ihn den vermeintlichen Autor, einen Lehrer, vor dessen Schulklasse mit der Peitsche schlug, war der Skandal perfekt. Der Vater versetzte M. zunächst zum Hauptsitz seines Unternehmens nach St. Petersburg, brach aber 1868 mit ihm und entließ ihn.

    M. unternahm nun eine erste Abenteuerreise durch Turkestan und wollte Indien erreichen, was aber mißlang. 1869/70 folgte eine zweite Zentralasienreise mit den Stationen Turkestan, Taschkent, Samarkand, Buchara, während der er sich auf ein Großgeschäft zur Lieferung von Seidenraupeneiern nach Italien einließ, was aber mit einem finanziellen Fiasko endete. M. zog sich nun nach Siebenbürgen zu seiner Schwester Sophie Gfn. Mikes v. Zabola zurück und widmete sich vornehmlich der Bärenjagd. 1873 verpflichtete ihn der schweizerische Bundesrat, den Staatsbesuch des pers. Schahs Nasir ed-Din zu organisieren. Im selben Jahr fand der Versuch einer Annäherung an seinen Vater und eines Wiedereintritts ins Geschäft statt. Der Vater starb jedoch 1874, und dessen zweite Gemahlin erbte das Uhrenimperium in Rußland. Auf seinen Reisen begann M. frühzeitig, Orientalia zu sammeln. Einige Raritäten stellte er erstmals 1876 in Schaffhausen aus. 1883 trat er seine größte und wichtigste Reise nach Zentralasien an, auf der er durch den Emir von Buchara, den Khan von Khiva und den Schah von Persien empfangen wurde und seine orientalische Sammlung erweitern konnte. M. publizierte seine Reiseeindrücke und veranstaltete Wanderausstellungen in der Schweiz. Nach seiner Heirat unternahm er mit seiner Frau und dem russ. General Annenkoff eine weitere Reise durch Zentralasien durchquerte dabei die Karakum-Wüste, erreichte Buchara, Samarkand, Tschylek, Khodjent und Taschkent und führte Bewässerungsstudien im Serafschan-Tal durch.

    1893 wurde M. vom österr. Finanzminister Benjamin Baron Kallay zum Generalkommissär für Bosnien und Herzegowina ernannt. In dieser Funktion gestaltete er u. a. die Pavillons für Bosnien-Herzegowina auf den Weltausstellungen in Brüssel (1897) und Paris (1900). 1907 erlangte er nach vielen gescheiterten Unternehmungen durch eine erfolgreiche Spekulation in Kupferminenaktien ein großes Vermögen. Er konnte nun das Fami-lienschloß „Charlottenfels“ oberhalb von Neuhausen am Rheinfall, das er und seine Geschwister 1889 aus finanziellen Gründen hatten veräußern müssen, zurückkaufen und seine orientalische Sammlung katalogisieren und dort unterbringen. 1909 vermachte M. „Schaffhausen“ (ohne zu stipulieren, ob dem Kanton oder der Stadt) das Schloßgut, welches als Schenkung schließlich nach mancherlei Diskussion um den Anspruch an den Kanton ging. 1910 wollte er vermittels einer Reise nach Indien noch das Geheimnis der Damaststahlherstellung ergründen, erkrankte jedoch in Ceylon an Dysenterie und mußte die Rückkehr antreten. Als sich Schaffhausen nicht bereit erklärte, seine inzwischen unschätzbar gewordene Sammlung zu beherbergen, stiftete er diese 1914 dem Bernischen Historischen Museum (BHM). 1915 wirkte M. kurze Zeit als Etappenkommissar für Kriegsflüchtlinge. – Nach der Fertigstellung des „Moser-Anbaus“ wurde die permanente orientalische Sammlung 1922, ein Jahr vor M.s Tod, in Bern feierlich eröffnet. 1969 wurde die Sammlung „vorübergehend“ geschlossen, und es dauerte 20 Jahre, bis sie – neu gestaltet – wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnte.

    Anfangs ein Tunichtgut und Schwerenöter, erbrachte M. später im Laufe seines bewegten Lebens als Forschungsreisender und Diplomat bedeutende Leistungen. Seine orientalische Sammlung in Bern ist wahrscheinlich die weltweit größte dieser Epoche aus privater Hand. 1914, zum Zeitpunkt der Übergabe an das BHM, umfaßte sie annähernd 4000 Objekte, davon etwa ein Drittel Prunkwaffen und Rüstungen, daneben Textilien, Manuskripte, Miniaturen, Keramik, Münzen und kunstgewerbliche Gegenstände sowie das dem Museum maßstabgetreu eingebaute persische Empfangszimmer („Fumoir“) aus dem Familienschloß Charlottenfels.|

  • Auszeichnungen

    Rr. der Ehrenlegion; Dr. phil. h. c. (Univ. Bern); Ehrenbürger v. Bern (1914).

  • Werke

    A travers l'Asie centrale, 1885;
    Durch Central-Asien, 1888;
    L'irrigation en Asie centrale, 1894;
    L'Orient inédit, Bosnie et Herzégovine, 1895;
    La Bosnie-Herzégovine, 1900;
    Collection H. M. Ch., Armes et armures orientales, 1912 (auch dt. u. engl.). – Ungedr.: Tagebücher („Journaux“), 1867-1900, 1907-15, 3 Bde., Archiv d. BHM;
    Souvenirs, 6 Bde., ebd.

  • Literatur

    Marguerite Moser, Une vie, H. M. Ch., 1929 (P);
    P. Lichtenhahn, Dr. h. c. H. M., 1944;
    R. Zeller u. E. F. Rohrer. Oriental. Slg. H. M. Ch., Beschreibender Kat. d. Waffenslg., 1955 (P);
    R. Pfaff, H. M., in: Schaffhauser Btrr. z. Vaterländ. Gesch. 46, 1969, S. 212-22;
    ders., H. M. Ch. u. seine Oriental. Slg., ebd. 62, 1985, S. 117-56;
    Mentona Moser, Ich habe gelebt (Nachwort v. R. N. Balsiger u. Kurzbiogr. v. H. M. Ch.), 1986 (P);
    R. N. Balsiger, Referat üb. d. Fam.zweige anläßl. d. Treffens d. Nachkommen aus d. Stamme Heinrich Moser in Schaffhausen u. auf|Charlottenfels, 1990 (als Ms. gedr., P);
    ders. u. E. J. Kläy, Bei Schah, Emir u. Khan, H. M.-Ch. (1844–1923), 1992 (P);
    E. J. Kläy, Oriental. Slg. H. M. Ch. (dt., engl., franz.), 1991 (P);
    HBLS (P).

  • Portraits

    Phot. (als österr. Diplomat) im Bes. d. Vf.

  • Autor/in

    Roger Nicholas Balsiger
  • Empfohlene Zitierweise

    Balsiger, Roger Nicholas, "Moser, Henri" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 182-184 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119064154.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA