Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
oberpfälzische Adelsfamilie
Konfession
-
Normdaten
GND: 119060426 | OGND | VIAF: 10647365
Namensvarianten
  • Leuchtenberg, Landgrafen von

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Zitierweise

Leuchtenberg, Landgrafen von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119060426.html [01.07.2022].

CC0

  • Biographische Darstellung

    Die L. werden in der 1. Hälfte des 12. Jh. greifbar, und zwar als (Teil-)Erben der Herren von Lengenfeld. Gebhard I. ( 1146), der offenbar die Burg „Liukenberg“ (= Leuchtenberg) hoch über der Luhe (einem Nebenfluß der Naab) erbaute, war vermählt mit Heilwig, der jüngeren Tochter des letzten Lengenfelders Friedrich, somit Schwager des Pfalzgf. Otto I. von Wittelsbach. Inwieweit er die weitreichenden Beziehungen der letzten Lengenfelder nutzen konnte, wissen wir nicht. Er erbte jedenfalls deren nördlichste Oberpfälzer Position, die Herrschaft Waldeck um Kemnath und Eschenbach. Relativ lange benützten zudem die L. das vom letzten Lengenfelder geplante, von Pfalzgf. Otto I. von Wittelsbach gegründete Hauskloster Ensdorf b. Amberg als Grablege. - Im 12. Jh. begegnen sie in der Oberpfalz als Vasallen der Markgrafen von Cham-Vohburg (Diepoldinger), die wiederum in engem Kontakt zum Königtum standen.

    Gebhards I. Söhne Friedrich ( spätestens 1155), Gebhard II. und Marquard werden vor allem auf den Italienzügen Friedrich Barbarossas greifbar; Gebhard II. erscheint auch hier erstmals als Graf (1159). - Als die Landgrafen von Stefling (am Regen, im westl. Bayer. Wald) ausstarben, erhielt ein Vertreter der nächsten Generation, Diepold I. (Sohn Gebhards II.), die wichtige Landgrafenwürde und damit einen entscheidenden Schlüssel zur Territorialisierung ehemaligen Königsguts im Räume nordöstlich von Regensburg. Sicherlich waren sowohl die Königsnähe der L. als auch ihre enge Verwandtschaft mit dem bayer. Herzog aus dem Hause Wittelsbach wichtige Voraussetzungen für diese Standeserhebung. – Im 12. und 13. Jh. gelang es den L., die bis zum Aussterben der Staufer in deren Gefolge begegnen, von Leuchtenberg aus wichtige Herrschaftskomplexe zwischen Regensburg und dem Egerland als Eigengüter, Reichs- oder Kirchenlehen zu erwerben und somit eine Barriere für diewittelsbach. Expansion in der Oberpfalz zu bilden. Besitzteilungen und wohl auch wirtschaftliche und politische Wandlungen schwächten aber im ausgehenden 13. Jh. die L. erheblich, so daß die ältere Linie 1282 wichtige Kernpositionen in der Oberpfalz an die Wittelsbacher verkaufen mußte.

    Im 14. Jh. konnten sie – wohl vor allem dank kluger Parteinahme – wieder aufsteigen. Landgraf Ulrich (1293–1334) war Vertrauensmann Kaiser Ludwigs des Bayern und Reichsbannerträger. Er erwarb 1332 Pfreimd b. Nabburg und baute den Ort zur neuen Residenz aus. – Auch unter Kaiser Karl IV. ließen sich die L. vorteilhaft in dessen Landbrücken- und Personalpolitik einordnen. Karl verpfändete den Brüdern Ulrich und Johann wiederholt Ämter, Bergwerks- und Zolleinkünfte sowie Reichssteuern. Johann wurde zudem 1368 Pfleger (d. h. Statthalter) des Teilherzogtums Straubing-Holland und erbte 1375 die Gfsch. Hals im Passauer Abteiland. In dieser machtvollen Position gelang es ihm, eine Reihe von Städten und Märkten zu gründen (1359 Betzenstein, 1376 Hals, 1376 Grafenau, 1377 Neukirchen b. Eschlkam. zw. 1378 und 1381 Osterhofen, 1379 Plattling).

    Zwar wurden die L. in der Mitte des 15. Jh. noch in den Reichsfürstenstand erhoben, doch setzte gleichzeitig durch Familienstreitigkeiten und andere Ursachen ein lange währender Verfallsprozeß ein, der sich in Notverkäufen niederschlug. Lediglich die weit entlegene ehem. Rienecksche Herrschaft Grünsfeld b. Lauda an der Tauber konnte Landgf. Johann IV. 1487 über seine Gemahlin Dorothea v. Rieneck noch erben und damit auf den fränk. Raum politisch einwirken. Die L. nahmen in der Reformationszeit das neue Bekenntnis an, wurden aber in der 2. Hälfte des 16. Jh. wieder katholisch. Wegen hoher Verschuldung traten sie nur mehr wenig hervor. Maximilian Adam, der letzte Vertreter des Hauses, starb 1646 als kaiserl. Kommandant in Nördlingen. Die tiefverschuldete Restherrschaft L. fiel aufgrund der Lehensanwartschaft von 1636 an die Wittelsbacher.

  • Literatur

    F. M. Wittmann, Gesch. d. Landgrafen v. L., 1852;
    M. Doeberl, Die Landgfsch. d. L., Eine vfg.gesch. Studie, 1893;
    W. Frhr. v. Bibra, Btrr. z. Gesch. d. Landgrafen v. L., in: Verhh. d. Hist. Ver. f. Oberpfalz u. Regensburg 50, 1898, S. 123-255;
    ebd. 51, 1899, S. 1-80;
    ebd. 55, 1903, S. 1-124;
    R. H. Seitz, Zur Entstehung u, Entwicklung, Privilegien u. Recht d. L.schen Residenzstadt Pfreimd, ebd. 111, 1971, S. 27-56;
    J. V. Kull, Münzgesch. d. Landgrafen v. L. u. Grafen v. Hals, in: Zs. f. Münz- u. Medaillenkde. 2, 1908, S. 385-416;
    I. Wagner, Gesch. d. Landgrafen v. L., 6 Bde., 1940-56;
    E. Stahleder, Landgf. Johann I. v. L. als Städtegründer in Niederbayern, in: Verhh. d. Hist. Ver. f. Niederbayern 96, 1970, S. 41-60;
    H. Sturm, Kemnath, Landrichteramt Waldeck-Kemnath mit Unteramt Pressath (= Hist. Atlas v. Bayern, I. Altbayern 40), 1975;
    D. Bernd, Vohenstrauß (= dass. 39), 1977;
    E. Müller-Luckner, Nabburg (= dass. 50), 1981.

  • Autor/in

    Wilhelm Störmer
  • Zitierweise

    Störmer, Wilhelm, "Leuchtenberg, Landgrafen von" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 368 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119060426.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA