Lebensdaten
1723 bis 1788
Geburtsort
Jöhstadt (Erzgebirge)
Beruf/Funktion
geistlicher Dichter ; lutherischer Theologe
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118973258 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Cramer, Johann Andreas

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Zitierweise

Cramer, Johann Andreas, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118973258.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Caspar Ant. (1681–1740), Feldprediger b. dem Seckendorffschen Rgt., seit 1721 Pfarrer in Jöhstadt, Pfarrers-S aus Rönsal (Westfalen);
    M Juliane (1702–1729), T des Kaufm. Andr. Coith aus Scheibenberger Bergherrengeschlecht u. der Arzt-T Cath. Dorothea Carmann aus Chemnitz; Stiefmutter (seit 1730) Joh. Sophia, T des Pfarrers Christoph Sachse in Eppendorf;
    1) 1749 Charl. (1726–77), T des Schneidermeisters Radike in Leipzig, 2) Odense 1781 Maria Marg. v. Falsen, verw. v. Scherewin, aus Fühnen;
    5 S, 5 T aus 1) u. a. Carl Frdr. (1752–1807), Prof. der griechisch-orientalischer Sprachen in Kiel, 1794 wegen seiner Sympathie für die franz. Revolution amtsenthoben, seit 1795 Buchdrucker u. Buchhändler in Paris, leidenschaftlicher Bewunderer Klopstocks u. Mitglied des Göttinger Hains („Klopstock, Er u. über Ihn“, 1780 ff., s. ADB IV), Andr. Wilh. (1760–1833), Vf. der „Hauschronik, meinen Anverwandten u. Freunden z. Andenken gewidmet“, 1822, Prof. jur. u. Universitätsbibliothekar in Kiel (s. ADB IV), seine Nachkommen waren angesehene Prediger in Stettin.

  • Leben

    Nach dem Besuch der Fürstenschule in Grimma ging C. 1742 zum Studium der Theologie und der schönen Wissenschaften nach Leipzig, wo er bald in der Mitarbeit an mehreren Zeitschriften eine ausgebreitete literarische Tätigkeit entfaltete. Die anfängliche Bindung an Gottsched schüttelte er schnell ab. Im Kreis der Bremer Beiträger wurde er eins der aktivsten Mitglieder. 1745 zum Magister promoviert, erhielt er 1748 eine Pfarrstelle in Cröllwitz bei Merseburg. Hier widmete er sich vorwiegend kirchen- und dogmengeschichtlichen Arbeiten, besonders einer Übersetzung des Chrysostomus, sowie der Kommentierung und Fortführung von Bossuets Weltgeschichte. Als Oberhofprediger in Quedlinburg (1750-54) gelangte er zuerst zu größerer öffentlicher Wirksamkeit. Wie sehr das Repräsentative seiner Natur gemäß war, zeigte sich dann in Kopenhagen, wohin er durch Klopstocks Vermittlung von König Friedrich V. berufen wurde. Mit der dort begründeten Wochenschrift „Der Nordische Aufseher“, die von Lessing scharf kritisiert wurde, unterstützte er im Sinne der praktischen Moral die politischen Bestrebungen Bernstorffs. Dessen Sturz veranlaßte auch C.s Entlassung. Er kam zunächst als Superintendent nach Lübeck, wurde jedoch 1774 nach Struensees Verurteilung zurückberufen und zum Professor und Prokanzler an der Universität Kiel ernannt. Seine dortige Tätigkeit (1784 Kanzler) war vorwiegend organisatorischer Art. Er gründete 1781 das erste Kieler Lehrerseminar und wandte besondere Aufmerksamkeit dem katechetischen Unterricht zu. Als Theologe suchte er zwischen Orthodoxie und Aufklärung zu vermitteln. In der Vernunft sah er die erleuchtende Dienerin eines im übrigen uneingeschränkten Offenbarungsglaubens. Dem Eudämonismus stand er nahe. Gottseligkeit und Tugend waren die Leitbegriffe seiner Predigten. Als einer der ersten würdigte er auch den ästhetischen Rang der Bibel, vornehmlich den poetischen Gehalt der Psalmen. In seiner eigenen Dichtung überwog das rhetorische Element. Literaturgeschichtlich steht er zwischen Gellert, seinem Leipziger Studienfreund, und Klopstock, von dem er die zum Ekstatischen drängende Sprache lernte, die jedoch bei ihm eine stark rationalisierte Färbung erhielt. Seine geistlichen Lieder und die Bearbeitung des schleswig-holsteinischen Gesangbuchs ließen gegenüber dem Ausdruck religiösen Gefühls volkserzieherische Zwecke in den Vordergrund treten.

  • Werke

    u. a. Poetische Übers. d. Psalmen mit Abhh. üb. dieselben I-IV, Leipzig 1755-64;
    Ev. Nachahmung d. Psalmen Davids u. a. geistl. Lieder, Kopenhagen 1769;
    Sämtl. Gedichte, Leipzig 1782/83;
    Hinterlassene Gedichte, hrsg. v. C. F. Cramer, ebd. 1791;
    J. B. Bossuet, Einl. in d. allg. Gesch. d. Welt u. Religion, übers. mit e. Anhang hist.-krit. Abhh. vermehrt u. fortges., T. I-VII, Hamburg 1748-86;
    Des hl. Kirchenlehrers Joh. Chrysostomus Predigten|u. kl. Schrr. übers. mit Abhh. u. Anm. I-X, Leipzig 1748-51;
    Allg. Gesangbuch f. d. Herzogtümer Schleswig-Holstein, Altona 1780 (bis 1887 im Gebrauch d. schlesw.-holst. Kirche, darin von C. 292 Lieder);
    Hrsg. d. Zss.: Bemühungen z. Beförderung d. Kritik u. d. guten Geschmacks (mit Chr. Mylius), 1743-47;
    Neue Btrr. z. Vergnügen d. Verstandes u. Witzes (Bremer Btrr.), 1744-48 (mit K. Ch. Gärtner, G. W. Rabener, J. A. Schlegel u. a.);
    Der Schutzgeist, Ein moral. u. satir. Wbl., 1746/47;
    Der Jüngling (mit N. D. Giseke, J. A. Ebert, Gärtner), 1747/48;
    Slgg. z. KG u. theol. Gelehrsamkeit (mit Giseke u. J. A. Schlegel), 1748-52;
    Der Nordische Aufseher, Kopenhagen 1758-61;
    Neudrucke: Ausgewählte Gedichte, in: Bremer Btrr. II, hrsg. v. F. Muncker, = Kürschners Dt. Nat. Litt. 44, 1889, S. 63-100 (mit Einl.), u. Gedichte, in: Dt. Lit. in Entwicklungsreihen, Reihe 19 (Aufklärung), hrsg. v. F. Brüggemann, Bd. 5, 1933;
    Briefe C.s: M. Lappenberg, Briefe von u. an Klopstock, 1867;
    M. Liepmann, Von Kieler Professoren, Briefe aus 3 Jhh. z. Gesch. d. Univ. Kiel, 1916.

  • Literatur

    ADB IV;
    J. O. Thiess, Gel. Gesch. d. Univ. zu Kiel I, 2. T., 1803, S. 1-94;
    Koch VI, 1869, S. 334 ff.;
    F. Muncker, F. G. Klopstock, 1893, S. 53 ff., 329 ff. u. ö.;
    Ph. M. Luehrs, Der nordische Aufseher, Ein Btr. z. Gesch. d. moral. Wschrr., Diss. Heidelberg 1909;
    A. Blümcke, Btrr. z. Kenntnis d. Lyrik J. A. C.s, Diss. Greifswald 1910;
    Goedeke IV, 1, 1916, S. 68 f. (W, L);
    E. Brederek, Gesch. d. schlesw.-holst. Gesangbücher, 2. T., 1922;
    L. Magon, Ein Jh. geistiger u. lit. Beziehungen zw. Dtld. u. Skandinavien, Bd. 1: Die Klopstockzt. in Dänemark, 1926;
    G. Stoltenberg, J. A. C., seine Persönlichkeit u. seine Theol., 1935, = Schrr. d. Ver. f. Schlesw.Holst. KG, 2. Reihe, 9. Bd., 4. H.;
    RGG (W, L);
    Kosch, Lit.-Lex - Zu S Carl Frdr.: L. Krähe, C. F. C. bis zu s. Amtsenthebung, 1907.

  • Portraits

    Kupf. nach eigener Zeichnung v. J. M. Preisler, 1774 (Abb. in Bremer Btrr., s. W).

  • Autor/in

    Adalbert Elschenbroich
  • Empfohlene Zitierweise

    Elschenbroich, Adalbert, "Cramer, Johann Andreas" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 389 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118973258.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Cramer: Johann Andreas C., geb. 27. Jan. 1723 zu Jöhstadt im sächsischen Erzgebirge, Sohn eines Pfarrers, nach dessen Tode (1742) er mühsam in Leipzig studirte, gehörte bald zu den Mitarbeitern der „Bremer Beyträge“, magistrirte 1745, setzte sich kurz darauf als Docent, betrat 1748, wo er Prediger zu Crellwitz wurde, die geistliche Laufbahn, kam 1750 als Oberhofprediger und Consistorialrath nach Quedlinburg, 1754 auf Empfehlung Klopstock's und Bernstorff's als deutscher Hofprediger des Königs Friedrichs V. von Dänemark, später auch Professor der Theologie nach Kopenhagen; durch Struensee's Einfluß unter Christian VII. des Amtes entsetzt und des Landes verwiesen, nahm er 1771 einen Ruf als Superintendent nach Lübeck an, wurde jedoch nach der dänischen Staatsumwälzung von 1772 und der Hinrichtung Struensee's wieder zurückberufen, indem er 1774 in Kiel eine Professur der Theologie, 1784 das Kanzleramt der Universität erhielt. Schmerzliche Abnahme der Kräfte ließ ihn zuletzt die Erlösung herbeisehnen und sein Ende trat in der Nacht, auf welche er es vorhergesagt hatte, wirklich ein, vom 11. auf den 12. Juni 1788. — C. stand als Gelehrter, Prediger und Dichter in ungewöhnlichem Ansehen. Seine umfangreiche Schriftstellern begann er, abgesehen von bereits genannter und anderweitiger Journalistik mit einer commentirten Uebersetzung der allgemeinen Weltgeschichte Bossuet's, sowie der Predigten und kleinen Schriften des Kirchenvaters Johann Chrysostomus, Patriarchen von Constantinopel (10 Bände, 1748—1751). Seine Kanzelberedsamkeit, mit ihrem Schwunge jedenfalls in weiten Kreisen hinreißend und wohlthätig wirkend (vergl. Dr. Karl Heinrich Sack's Geschichte der Predigt, Heidelberg 1866, S. 48—56), wurde in mehr als 20 Bänden abgelagert (Erste Sammlung in 10 Theilen 1755—1760; eine „Neue Sammlung, besonders über die Evangelien und einige andere Texte etc.“ in 12 Theilen 1763|bis 1771). Seine Dichtung, in ihrem Gepräge zwischen seinen beiden Freunden Klopstock und Gellert schwankend, fand nach allerlei Einzelerscheinungen (vgl. Koch's Kirchenlied VI, S. 340—343) einen Totalabdruck in „Johann Cramer's Sämmtlichen Gedichten“, Leipzig 1. und 2. Theil 1782, 3. Theil 1783; wozu die „hinterlassenen Gedichte“, herausgegeben vom Sohne Karl Fr. C. 1791, den 4. Theil bilden. Trotz Lessing's ungünstigem Urtheile, dem sich die litterarische Kritik vorwiegend anschloß, haben auch die Gedichte eine fast zündende Wirkung hervorgebracht. Die „Uebersetzung der Psalmen“, die „Oden“, darunter die auf Luther und Melanchthon (neue Auflage 1773) hervorragten, die „geistlichen Lieder" entfalteten nicht nur eine seltene Virtuosität der Sprache, sondern auch ein manchmal gewaltiges Pathos. Die Gesangbücher der Landeskirche wimmelten rasch von Cramer'schen Liedern, weisen deren heute noch eine stattliche Zahl auf ("Herr, Dir ist Niemand zu vergleichen", „Schwingt, heilige Gedanken", „Ich soll zum Leben dringen", „Dein bin ich, Herr", „Er ist gekommen her", „Der Herr ist Gott und keiner mehr", „In Deiner Stärke freuen sich", „Triumphire, Gottes Stadt", „Hochbegnadigt von dem Herrn“, „Ewig, ewig bin ich Dein“, „Wer zählt der Engel Heere“ etc.). Seiner praktischen, reichverdienten Wirksamkeit und lauteren Charakterfestigkeit verdankte C. den Beinamen „Eyegode“, zu deutsch „der durchaus Gute". Ein Ehrendenkmal setzte ihm Klopstock im zweiten Liede der Ode „Wingolf“. — Gedächtnißrede auf den verewigten Kanzler, Herrn J. A. Cramer, am 23. Juli 1788 gehalten von Wilh. Ernst Christiani, Justizrath, Kiel 1788.

    C. Wilhelm Wolfrath's Lebensbeschreibung Cramer's in den Nachrichten vom Leben und Ende gutgesinnter Menschen. Halle VI. 1790.

  • Autor/in

    P. Pressel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Pressel, Paul, "Cramer, Johann Andreas" in: Allgemeine Deutsche Biographie 4 (1876), S. 550-551 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118973258.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA