Lebensdaten
1795 oder 1796 bis 1870
Geburtsort
Regensburg
Sterbeort
Brüssel
Beruf/Funktion
Naturforscher ; Staatsmann ; Forschungsreisender
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11894343X | OGND | VIAF: 61706644
Namensvarianten
  • Hügel, Karl Alexander Anselm Freiherr von
  • Hügel, Karl Alexander Freiherr von
  • Hügel, Karl Alexander Anselm Freiherr von
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Zitierweise

Hügel, Karl Alexander Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11894343X.html [11.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Aloys (s. 1);
    B Clemens (1792–1849), Diplomat, seit 1846 Dir. d. Haus-, Hof- u. Staatsarchivs in Wien (s. L);
    - Florenz 1851 Elizabeth (* 1831), T d. Gen. Francis Farquharson u. d. Margaret Outram;
    2 S, 1 T Friedrich (1852–1925), Religionsphilos. (s. W, L), Anatole (1854–1928), Dir. d. ethnogr.-archäolog. Mus. d. Univ. Cambridge seit dessen Gründung 1883 (s. L), Pauline (1858–1901), karitativ tätig (s. Charitas, 1901, S. 136).

  • Leben

    Nach kurzem Jusstudium (1810) in Heidelberg trat H. 1811 in die österreichische Armee ein und nahm an den Befreiungskriegen teil. 1814 in diplomatischer Mission nach Schweden geschickt, bereiste er 1817-18 Skandinavien und Rußland. Husarenkapitän seit 1819, war H. unter anderem Platzkommandant von Tarascon und Arles und kam im Verlauf des Feldzuges 1820/21 nach Neapel, wo er 1821-24 als Militärattaché blieb. 1824 quittierte er den Militärdienst und widmete sich auf seinem Besitz in Wien-Hietzing seinen naturwissenschaftlichen Neigungen, insbesondere der Gartenkultur. Als Heiratspläne scheiterten, da ihm bei Melanie Gräfin Zichy-Ferraris im Staatskanzler Metternich ein übermächtiger Rivale erstanden war, verwirklichte er lange gehegte Reisepläne. Der Weg führte ihn über Griechenland und den vorderen Orient nach Bombay, von wo er Reisen in weite Teile vor allem des nördlichen Indien unternahm, aber auch nach Ceylon sowie nach Indonesien, Australien und Neuseeland (1833) und den Philippinen (1834). Die heimgebrachten Sammlungen mit circa 32 000 naturwissenschaftlichen Objekten, darunter 12 000 Pflanzen, sowie volkskundlichen Gegenständen, Münzen, Waffen, Musikinstrumenten und Manuskripten schenkte er den staatlichen Museen und der Hof-(jetzt National-)Bibliothek in Wien. Viele der 3000 als Samen mitgebrachten Pflanzenarten zog H. in seinen Gärten in Wien-Hietzing, die – auch durch gelegentliche Ausstellungen – eine vielbesuchte Sehenswürdigkeit bildeten. Die angeschlossene Handelsgärtnerei hatte als Ausbildungsstätte für Gärtner sowohl wie durch ihre mustergültigen Anlagen großen Einfluß auf die Entwicklung dieses Erwerbszweiges in Wien. So brachte H. erst die zur Kultur verschiedener exotischer Pflanzen geeignete Erde nach Wien und sorgte durch einen aus England geholten Fachmann für richtigen Bau von Glashäusern. Auch an der Gestaltung anderer Gärten war H. maßgeblich beteiligt, zum Beispiel der Metternichschen Gärten in Wien, der herzoglichen Gärten in Bieberich, einiger Parks in Sankt Petersburg und der Anlagen Erzherzog Maximilians in Miramar und Lacroma.

    Die von H. bereits 1827 projektierte kaiserlich (und) königliche Gartenbaugesellschaft nahm ihre Tätigkeit erst nach seiner Rückkehr 1837 auf, besonders erfolgreich unter seiner Präsidentschaft bis 1848 (Ehrenpräsident 1849–70). Bei Ausbruch der Revolution 1848 führte H. den Fürsten Metternich in seiner Kutsche unerkannt durch die tobende Menschenmenge und begleitete das Fürstenpaar nach England. 1849 als Major wieder in die Armee eingetreten und Teilnehmer am italienischen Feldzug, wurde er 1849 Gesandter am toskanischen Hof in Florenz bis zur Vertreibung des Großherzogs 1859. 1860-67 war er Gesandter in Brüssel. – Durch sein Wirken als Gründer und Präsident der Gartenbaugesellschaft ebenso wie durch seine Gärten, die als Vorbild und Anregung für die Errichtung von Zier- und Handelsgärten dienten, leitete H. eine neue Epoche im österreichisch Gartenbau ein. Zahlreiche von ihm neu eingeführte Zierpflanzen bereichern heute die Gärten Europas|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Ak. d. Wiss. Wien (1847), Dr. iur. h. c. (Oxford 1849), goldene Medaille d. Royal Geographical Society (1849).

  • Werke

    Botan. Archiv d. Gartenbauges. d. österr. Kaiserstaates, 2 Lfgg., 1837 (hrsg. v. H., enthält auch Neubeschreibungen einiger Arten durch H.);
    Kaschmir u. d. Reich d. Siek, 4 Bde., 1840-48;
    Das Kabul-Becken u. d. Gebirge zw. d. Hindu Kosch u. d. Sutlej, in: Denkschrr. d. k. Ak. d. Wiss., phil.-hist. Cl., Bd. 2, Abt. 1, Bd. 3, Abt. 1, 1851-52;
    Der stille Ocean u. d. span. Besitzungen im ostind. Archipel, 1860; Briefe H.s an seine Frau üb. d. Sturz Metternichs
    in: Nat. Revue 1853. -
    Bearb. der v. H. ges. Pflanzen: Endlicher, Bentham, Fenzl et Schott, Enumeratio plantarum, quas in Novae-Hollandiae ora austro-occidentali ad fluvium cygnorum et in sinu regis Georgii collegit C. liber baro de H., 1837;
    St. Endlicher, Stirpium australasicarum herbarii Huegeliani decades tres, 1838. - Zu S Friedrich:
    Essays and letters on the philos. of rel., 2 Bde., 1921–26, 21949;
    Selected letters, ed. B. Holland, 1927, Neudr. 1933 (mit Biogr.);
    Letters to a niece, 1928, dt. 31954;
    Selected writings, 1964.

  • Literatur

    ADB 13;
    G. Fullerton, In memoriam his excellency the baron Ch. v. H., 1870;
    É. Morren, in: La belgique horticole 2, 1870, S. 202-06;
    Mitt. d. k. k. geogr. Ges. in Wien 15, 1872, S. 92-96;
    A. v. Reumont, Biogr. Denkbll., 1878, S. 331-48;
    A. Umlauft, Ein Denkmal f. C. A. Frhrn. v. H., in: Wiener Ill. Garten-Ztg. 24, 1899, S. 141-46;
    L. Abel, Die Enthüllung d. H.-Denkmales, ebd. 26, 1901, S. 380-86 (mit Abb. d. Denkmals);
    J. Wiesner, K. Frhr. v. H., 1901 (L);
    Charles v. H., hrsg. v. Anatole v. Hügel, 1903 (Privatdr.; P [auch d. Ehefrau]
    ; enthält [mit Ergg. u. Berichtigungen]
    ;
    1.) Schr. v. G. Fullerton, s. o.;
    2.) Presentation for the Golden Medals, 1849;
    3.) Schr. v. J. Wiesner, s. o., in engl. Übers.;
    4.) Art. v. A. v. Reumont, s. o.);
    A. Burgerstein, Die k.k. Gartenbauges. in Wien 1837-1907, 1907 (P, Abb. d. Denkmals);
    M. Kronfeld, Österreichs Gartenbau unter Kaiser Franz Joseph I., in: Zs. f. Gärtner u. Gartenfreunde 6, 1910;
    A. Vollbracht, in: Gartenztg. d. österr. Gartenbauges., 1927, S. 54 f. (P);
    M. J. van Steenis Kruseman, Flora Malesiana 1, 1950, S. 249 f. (auch f. S Anatole);
    Wurzbach IX;
    ÖBL. - Zu B Clemens:
    ADB 13;
    S. Brunner, Denkpfennige von, in u. nach 1848, 1886;
    I. Busch, C. W. v. H., Diss. Wien 1949 (ungedr.);
    Wurzbach IX;
    ÖBL;
    - zu S Friedrich:
    H. Nédoncelle, La pensée religieuse de F. v. H., 1935, engl. 1937;
    G. K. Frank, Der schott.-dt. Geisteslehrer F. v. H., Diss. Marburg 1950 (ungedr.);
    M. Schlüter-Hermkes u. G. K. Frank, Weltlose Rel., gottlose Welt, Gespräche üb. F. v. H., 1953;
    J. Steinmann, F. v. H., 1962;
    G. E. Hultsch, Kreuz u. Vernunft bei F. v. H., ev.-theol. Diss. Wien 1970 (ungedr.);
    LThK;
    DNB

  • Portraits

    Elfenbeinminiatur v. M. Daffinger, 1831, Abb. in: Charles v. H., hrsg. v. Anatole v. Hügel, 1903;
    Gem. v. J. Neugebauer, 1851, Abb. ebd.;
    Marmorbüste v. J. Benk, 1901 (Wien, Hügel-Park).

  • Autor/in

    Helmut Dolezal
  • Empfohlene Zitierweise

    Dolezal, Helmut, "Hügel, Karl Alexander Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 731 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11894343X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hügel: Karl Alexander Anselm Freiherr v. H., Staatsmann, Reisender und Naturforscher, geb. am 25. April 1796 zu Regensburg, am 2. Juni 1870 zu Brüssel. Er studirte in Heidelberg die Rechte, trat 1811 in die österreichische Armee, nahm an den Kriegen gegen Napoleon I., später an dem Feldzuge nach Neapel theil (1820—21), wurde als Diplomat mehrfach verwendet, avancirte bis zum Major und verließ 1824 die militärische Laufbahn, um sich zu einer großen Reise nach dem Oriente vorzubereiten. Dieselbe wurde 1830 angetreten. H. durchzog Vorderindien nach mehreren Richtungen, wandte sich dem Himalaya zu und schloß seine Reisen in Asien mit dem Besuche von Kaschmir ab (1835). Von Ostindien aus segelte H. 1833 nach Australien, verweilte namentlich am König-Georgs-Sunde sowie am Schwanenflusse längere Zeit und lehrte über die Philippinen nach Calcutta zurück. Die Rückreise nach Europa wurde 1836 über das Cap der guten Hoffnung und St. Helena angetreten. In Wien traf H. zu Anfang des J. 1837 ein. Die Ausbeute dieser Reise in naturgeschichtlicher sowie in ethnographischer Beziehung war sehr reich, wie dies die umfangreichen, den k. k. Hofmuseen Wiens einverleibten botanischen und zoologischen Sammlungen, ferner die mitgebrachten Handschriften, Druckwerke, Münzen, Webereien, Waffen, Tempelgeräthe, Schmucksachen etc. beweisen. Auch sehr viele lebende Pflanzen, namentlich aus Australien, sendete H. nach Europa und cultivirte sie in seiner Villa zu Hietzing nächst Wien. Dadurch wurde sein Garten ein wahres Eldorado und erfreute sich eines europäischen Rufes. Bis zum J. 1848 verweilte H. in Wien, theils mit der Herausgabe seines Reisewerkes beschäftigt, theils die Bearbeitung einzelner Partien seiner mitgebrachten Sammlungen durch verschiedene Gelehrte, wie Bentham, Endlicher, Fenzl, Heckel, Schott u. A. veranlassend. Während dieser Zeit spielte er auch in der aristokratischen Gesellschaft Wiens eine hervorragende Rolle und verkehrte namentlich mit dem Fürsten Metternich vielfach. Im Frühlinge des J. 1848 ging H. ebenso wie Fürst Metternich nach England; 1849 wurde er zum österreichischen Gesandten in Toscana ernannt, 1859 kam er in gleicher Eigenschaft nach Brüssel. 1867 trat H. in den Ruhestand und verlebte die letzten Jahre seines Lebens in England. Nebst zahlreichen kleineren Publikationen veröffentlichte H. namentlich zwei größere Werke. Dieselben sind: „Kaschmir und das Reich der Siek“ (4 Bde. 1840—42); ferner „Der stille Ocean und die spanischen Colonien im indischen Archipel“ (1 Bd. 1860). Eine besondere Vorliebe widmete H. der Horticultur; im Vereine mit Joseph Freiherrn v. Jacquin gründete er 1827 die k. k. Gartenbaugesellschaft in Wien und gab 1837 ein „Botanisches Archiv“ heraus, welches Abbildungen und Beschreibungen seltener in den Gärten Oesterreichs cultivirter Gewächse enthält.

    • Literatur

      Alfred v. Reumont, Biographische Denkblätter. — Vehse, Geschichte des österr. Hofes und Adels, X. S. 93. — A. Neilreich, Verhandl. d. zool.-botan. Verein. in Wien, V. (1855) S. 69. — Wurzbach. Biograph. Lexikon d. österr. Kaiserstaates, IX. S. 402.

  • Autor/in

    Reichardt.
  • Empfohlene Zitierweise

    Reichardt, Heinrich Wilhelm, "Hügel, Karl Alexander Freiherr von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 13 (1881), S. 308 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11894343X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA