Lebensdaten
1876 bis 1957
Geburtsort
Chaberitz (Böhmen)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Offizier
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118893297 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Michel, Robert

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Zitierweise

Michel, Robert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118893297.html [21.07.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Adalbert (1836–90), k. u. k. Rentmeister u. Hofökonomiebeamter in Ploschkowitz b. Leitmeritz;
    M Karoline Stǎstný (1849-1932), Lehrerin;
    1) Klenau 1903 Eleonore Snížek (1878–1941), 2) Wien 1942 Hermine Marek-Kolb ( 1965);
    2 S, 1 T aus 1), u. a. Leopold (* 1905), Dr.-Ing., Agathe (* 1912), Malerin u. Zeichnerin.

  • Leben

    M. besuchte in Prag das deutsche Gymnasium und die k. u. k. Kadettenschule. 1895 wurde er zum Leutnant ernannt und nach Wien versetzt. 1896 lernte er den Dichter und Diplomaten Leopold v. Andrian-Werburg kennen, dem er sein ganzes Leben lang in Freundschaft verbunden blieb. Durch ihn kam er in Berührung mit dem „Jung Wiener“-Kreis um Hermann Bahr, Hugo v. Hofmannsthal und Arthur Schnitzler. 1898 wurde er nach Mostar versetzt und zum Oberleutnant ernannt. 1900-07 wirkte er als Deutsch- und Französischlehrer an der Infanteriekadettenschule in Innsbruck. Seit 1906 datiert seine Freundschaft mit Ludwig v. Ficker, dem Herausgeber der Kulturzeitschrift „Der Brenner“, an der M. bis 1914 mitarbeitete. 1907 hatte er einen ersten literarischen Erfolg durch den Novellenband „Die Verhüllte“, der bei S. Fischererschien und in prägnanter, bildreicher Prosa Szenen aus dem südslaw. Leben beschreibt. In den u. a. von Hofmannsthal geschätzten „Geschichten von Insekten“ (1911) erweist er sich als Meister der knappen impressionistischen Skizze. Die Jahre 1907-09 war er in Mostar, danach in Graz (bis 1912, Hptm. 1910) sowie in Wien (bis 1914) stationiert, wo er die Stelle eines Bibliothekars im Kriegsarchiv innehatte. Zu Kriegsbeginn fungierte er als Berichterstatter des k. u. k. Kriegspressequartiers in Galizien, seit 1915 hielt er sich auf einer Sondermission im Auftrag des Außenministeriums in den Kriegsgebieten Polen und Galizien auf. 1917 war er als Major an der Front in den Dolomiten eingesetzt. Im selben Jahr wurde er Bataillonskommandant im Raum Lemberg. 1915 hatte er für den Roman „Die Häuser an der Džamija“ (1915) den Kleist-Preis erhalten. Wie schon in seiner Erstveröffentlichung und in dem 1909 erschienenen Landschaftsbuch „Mostar“ behandelte er hier ethnographische und religiöse Fragen Bosniens und der Herzegowina. 1918 begab sich M. als Leiter einer Filmexpedition nach Bosnien. Danach wurde er von Leopold v. Andrian als Vertreter der Generalintendanz der k. u. k. Hoftheater zusammen mit Hermann Bahr und Max Devrient in ein „Dreierkollegium“ berufen, das bis Kriegsende bestand.

    Seit 1919 lebte M. als freier Schriftsteller in Wien. Versuche, eine Filmagentur und eine Zeitschrift für Filmkunst über die 20er Jahre hinauszuführen, scheiterten ebenso an der wirtschaftlichen Rezession wie seine Versuche mit industriellen Unternehmungen in Böhmen. Allein der Feuilletonvertrieb „ROMI“, den er bis zum Ausbruch des 2. Weltkriegs führte, war von Dauer. Zwischen 1919 und 1945 war M. vor allem als Theaterkritiker, Rezensent und Feuilletonist für mehrere Zeitungen und Zeitschriften tätig. Er war auch Mitarbeiter der RA VAG (österr. Rundfunk), wo er Lesungen und Vorträge hielt. Für den 1927 erschienenen Roman „Jesus im Böhmerwald“ erhielt er im selben Jahr den Adalbert Stifter-Preis. Dieses Werk begründete M.s Ruhm als Erzähler in der Stifter-Nachfolge. In Darstellungsweise und Erzählhaltung folgt ihm der Roman „Die Burg der Frauen“ (1934), der die Geschichte Böhmens thematisiert. 1930 fand die Uraufführung seines bereits 1917 entstandenen Lustspiels „Der weiße und der schwarze Beg“ am Wiener Akademietheater statt, ein im Karstgebirge der Herzegowina angesiedeltes Drama um religiöse und soziale Vormachtstellung zweier moslemischer Anführer (Beg) eines herzegowin. Dorfes. 1928 zur Novelle umgeformt, lag es als Text der von Jaromir Weinberger komponierten und 1931 uraufgeführten Oper „Die geliebte Stimme“ zugrunde. Nach dem Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich 1938 trat M. der Reichsschrifttumskammer bei, ohne sich aber den Nationalsozialisten ideologisch auszuliefern. Zwischen den Kriegen beinahe zum Bestsellerautor geworden, geriet M. nach 1945 fast in Vergessenheit. Heute finden seine Darstellungen der Lebensverhältnisse in Bosnien und der Herzegowina entsprechend ihrer politischen Aktualität zunehmendes Interesse.|

  • Auszeichnungen

    Kleist-Preis (1915), Künstlerpreis d. Stadt Wien (1926), Adalbert-Stifter-Preis (1928), Ehrenmedaille d. Stadt Wien (1951).

  • Werke

    Weitere W u. a. Der steinerne Mann, 1909 (Roman);
    Das letzte Weinen, 1912 (Erzz.);
    Briefe e. Hauptmanns an seinen Sohn, 1916;
    Der Hl. Candidus, 1919 (Schauspiel);
    Menschen in Flammen, 1930 (Kurzgeschichten);
    Halbmond üb. d. Narenta, 1940 (Erzz.);
    Slaw. Weisen, 1940;
    Slowak. Märchen, 1941;
    Die Augen d. Waldes, 1946 (Roman);
    Die Allerhöchste Frau, 1947 (Roman).

  • Literatur

    R. Lothar, Das Wiener Burgtheater, 1934, S. 402-06, 451 f. (P);
    J. Ortner, R. M., Ein österr. Dichteroffizier, Diss. 1945;
    W. Volke, „Auf d. Südostbastion unseres Reiches“, in: Hofmannsthal Bll., 1976, H. 15, S. 128-39;
    E. Alker, Profile u. Gestalten d. Dt. Lit. nach 1914, 1977, S. 802 f.;
    F. Delle Cave, R. M., Eine monograph. Studie, Diss. 1978 (W-Verz., L, P);
    ders., R. M. als Mitarbeiter d. Brenner, in: Mitt. aus d. Brenner-Archiv 5, 1986, S. 63-72;
    J. Mühlberger, Gesch. d. dt. Lit. in Böhmen 1900–39, 1981, S. 53 ff.;
    H. H. Hahnl, Hofräte, Revoluzzer, Hungerleider, Vierzig verschollene österr. Literaten, 1990, S. 152-57;
    W. Kleindel, Das gr. Buch d. Österreicher, 1987, S. 346 (P);
    Teichl;
    Kosch, Lit-Lex.3;
    Biographisches Lexikon Böhmen;
    Killy.

  • Autor/in

    Ferruccio Delle Cave
  • Empfohlene Zitierweise

    Cave, Ferruccio delle, "Michel, Robert" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 445 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118893297.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA