Lebensdaten
1812 oder 1813 bis 1859
Geburtsort
Reichenau bei Zittau (Sachsen)
Sterbeort
Oppelsdorf (Oberlausitz)
Beruf/Funktion
Philosoph ; Mathematiker
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118892355 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Apelt, Ernst Friedrich
  • Apelt, E. F.
  • Apelt, Ernestus F.
  • mehr

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Zitierweise

Apelt, Ernst Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118892355.html [26.03.2019].

CC0

  • Genealogie

    Väterliche Vorfahren 1650 aus Böhmen eingewanderte Häusler und Leineweber;
    V Gottlieb Apelt, Fabrikant;
    M Maria Rosina Kruschin;
    Emilie von Otto;
    S Otto Apelt, Gymnasialdirektor in Jena, Platoübersetzer, Karl Alexander Apelt, sächsischer Ministerialdirektor und Präsident des Landesversicherungs-Amts.

  • Leben

    A. studierte schon als Gymnasiast in Zittau selbständig Astronomie und Mathematik. Auf die daraus entspringenden philosophischen Fragen fand er die Antwort in der „Neuen Kritik der reinen Vernunft“ von J. F. Fries, als dessen Schüler er 1831 nach Jena ging. Daneben studierte er weiter Naturwissenschaft, auch in Leipzig, wo er H. Lotzes Freundschaft fand. 1835 promovierte er, 1839 habilitierte er sich in Jena, wo er bis zu seinem Tode (seit 1856 als Ordinarius) zunächst über Mathematik, Astronomie und physikalische Geographie, später über Philosophie las. Daneben widmete er sich der Leitung und Weiterentwicklung der väterlichen Unternehmen, vor allem des Kohlenbergwerkes in Oppelsdorf, wo er auch eine Kurbadeanstalt und eine Vitriolfabrik gründete. A. veröffentlichte wertvolle Arbeiten zur Geschichte der Astronomie. Als Philosoph ist|er der bedeutendste Vertreter der sog. Fries'schen Schule, die an Kants Kritizismus festhielt und sich damit der idealistischen Spekulation Schellings und Hegels entgegenstellte. A. hat diese Tendenz namentlich in seiner „Theorie der Induktion“ (1854) und in seiner umfänglichen „Metaphysik“ (1857, neu herausgegeben von R. Otto, 1910) fruchtbar weiterentwickelt. Mit der Wiedererweckung der Fries'schen Philosophie Anfang des 20. Jahrhunderts wurden auch A.s Schriften der Vergessenheit entrissen.

  • Werke

    Weitere W De viribus naturae primitivis, 1839;
    E. Reinhold u. d. Kantsdie Philos., 1840;

    Die Epochen d. Gesch. d. Menschheit, 2 Bde., 1845–48, 21851;

    J. Kepplers astronom. Weltansicht, 1849;

    Die Reformation d. Sternkde., 1852;
    Religionsphilos., 1860.

  • Literatur

    ADB I;
    O. Apelt, Erinnerungen an E. F. A., in: Abhh. d. Fries'schen Schule, NF II, 1908, S. 361 bis 411;
    F. Überweg, Gesch. d. Philos. IV, 121923;
    M. Wendt, Die Philos. an d. Univ. Jena, 1931 (P);
    W. Gresky, Die Ausgangspunkte d. Philos. E. F. A.s, 1936;
    21 Briefe v. H. Lotze an E. F. A. (1835 bis 1841), in: Bll. f. dt. Philos., 10, 1936, S. 319-31, 11, 1937, S. 184-203;
    Ziegenfuß I, 1949.

  • Autor/in

    Hermann Zeltner
  • Empfohlene Zitierweise

    Zeltner, Hermann, "Apelt, Ernst Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 323 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118892355.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Apelt: Ernst Friedrich A., Philosoph, geb. 3. März 1813 zu Reichenau in der sächsischen Oberlausitz, 27. Oct. 1859, erhielt seine erste Ausbildung auf der Bürgerschule, dann auf dem Gymnasium in Zittau. Früh erwachte in|ihm das Interesse für Astronomie; die hierfür unternommenen Studien führten den Knaben schon zu jenen Fragen, welche eines der größten philosophischen Räthsel sind, — zu den Fragen nach der Unendlichkeit des Raumes und der Zeit. Die Lösung dieses Räthfels suchte er vergeblich in verschiedenen philosophischen Werken; da gab ihm der Zufall Fries' „Neue Kritik der Vernunft“ in die Hände. Hier glaubte er klare Antwort auf jene Fragen zu finden. Alsbald trat der 17jährige Jüngling mit Fries in Briefwechsel und suchte und erhielt weitere Belehrung, welche ihm das Verständniß für jenes Werk mehr und mehr eröffnete. 1831 bezog A. die Universität Jena, um hier weiter unter Fries' Leitung sich philosophischen und mathematischen Studien zu widmen. Fries ward Apelt's Vorbild im Leben, sein Meister in der Lehre. Nach 2½ jährigem vorwiegend den logischen und metaphysischen Formen der Dialektik zugewandtem Studium ging A. nach Leipzig. Hier studirte er mit großem Eifer während zweier Jahre Mathematik und Naturwissenschaften, blieb jedoch mit Fries in beständigem Briefwechsel, hauptsächlich über philosophische Fragen. Nachdem A. im Herbst 1835 promovirt hatte, verließ er die Universität und fand in seiner Heimath Gelegenheit, seine mathematischen und physikalischen Studien in markscheiderischen Arbeiten für das von seinem Vater gekaufte Bergwerk praktisch zu verwerthen. — Der Zug zur akademischen Wirksamkeit und der Wunsch, unter Fries' Leitung seine philosophische Ausbildung zu vollenden, führten A. im Herbst 1836 nach Jena zurück, jedoch veranlaßten ihn das Interesse und die Sorge für den väterlichen Besitz, in den folgenden Jahren verschiedene Male längere Zeit in der Heimath zu verweilen. Im Sommer 1839 habilitirte er sich in Jena und begann, da die philosophischen Disciplinen besetzt waren, mit mathematischen und naturwissenschaftlichen Vorlesungen; später war seine Lehrthätigkeit allein der Philosophie gewidmet. Das erste Auftreten Apelt's war von sehr günstigem Erfolge begleitet. Schon 1840 erhielt er eine außerordentliche Professur. Verschiedene Aussichten auf Berufung nach einer anderen Universität, welche sich in den nächsten Jahren eröffneten, zerschlugen sich stets wieder. — Einem Jeden, welcher die Geschichte des geistigen Lebens jener Zeit kennt, wird es klar sein, daß es dem treuen Jünger der durch Fries fortentwickelten reinen Kant'schen Lehre sehr erschwert war, Anerkennung zu finden. Befand sich doch die Fries'sche Lehre in entschiedenster Opposition gegen jene Philosopheme, welche damals die Geister in Deutschland beherrschten. — A. ertrug es mit bewundernswerther Resignation, daß man in den philosophischen Kreisen Deutschlands seine Stimme überhörte, daß man hier seinen im Dienst der Wahrheit unternommenen und mit wunderbarer Klarheit durchgeführten Arbeiten kaum irgend welche Beobachtung zollte. Dankbaren Herzens aber erfreute er sich der Anerkennung, welche seine Arbeiten im Auslande und in den mathematischen und naturwissenschaftlichen Kreisen Deutschlands fanden. — Fest harrte er aus, trotz aller Ungunst, auf dem eingenommenen Posten, ein treuer Apostel der kritischen Philosophie!

    Im Kreise seiner Freunde hochgeachtet, geliebt und verehrt von seinen Schülern, wie selten ein Lehrer, lebte A. still seinem Berufe, die Lehre weiter zu bilden und zu vertreten, von deren Wahrheit er unwandelbar fest überzeugt war und von deren endlichem Siege er mit begeisterter Zuversicht sprach. Neben seinen philosophischen Arbeiten folgte A. stets mit lebhaftem Interesse den Fortschritten in der Mathematik und den exacten Naturwissenschaften. Erst im Jahre 1854 ward A. zum außerordentlichen Honorarprofessor und 1856 zum ordentlichen' Professor der Philosophie befördert. Des lang ersehnten, endlich errungenen Zieles sollte er sich nur kurze Zeit erfreuen. Schon drei Jahre nachher ward er dem Leben entrissen.

    Apelt's philosophischer Standpunkt war im Wesentlichen der seines Lehrers Fries. Die grundlegende Wissenschaft für die Philosophie ist nach dieser Schule die Kritik der Vernunft. Nur durch strenge Befolgung der von Kant entdeckten kritischen Methode ist es möglich, die sehr in Verwirrung gerathenen philosophischen Dinge in das sichere Gleis ruhiger Fortentwicklung zu bringen. Durch Kritik der Vernunft ist zu allererst der ganze Gehalt an philosophischer Erkenntniß, welchen die menschliche Vernunft besitzt, aufzuweisen. Nachdem dieses geschehen, läßt sich das System der philosophischen Wahrheiten mit eben so großer Evidenz anfführen, wie dasjenige der reinen Mathematik. — Gestützt auf Kant und Fries hat A. in seiner „Metaphysik“ (Leipzig 1857), dem Hauptwerte seine s Lebens; das vollständige System der philosophischen Wahrheiten entwickelt. In dem mit meisterhafter Klarheit geschriebenen Werke hat er viel zur Begründung und größeren Deutlichkeit der schwierigeren Lehren der kritischen Philosophie beigetragen. — Insbesondere hat A. sowol durch seine Metaphysik, als durch seine „Religionsphilosophie“ (Leipzig 1860) der Hauptaufgabe der Friesischen Philosophie, welche ist: dem religiösen Glauben eine speculative Grundlage zu geben, wesentliche Dienste geleistet. Von Apelt's übrigen litterarischen Arbeiten erwähnen wir noch:

    „Ernst Reinhold und die Kantische Philosophie“ (Leipzig 1840), eine Kritik der Reinhold'schen Erkenntnißtheorie. „Die Epochen der Geschichte der Menschheit,“ 2 Bände (Jena 1845, 1846), geben im ersten Bande einen weiten Ueberblick über die Entwicklung des geistigen Lebens der Menschheit, im zweiten die Fortschritte, welche die Erkenntniß der philosophischen Wahrheit durch Kant und Fries erhalten. — „Die Theorie der Induction“ (Leipzig 1854), eine gründliche logische Untersuchung jenes Schlußverfahrens. —

    Unter Apelt's naturwissenschaftlichen Werken sind die bedeutendsten: „Johann Kepler's astronomische Weltansicht“ (Leipzig 1849) und „Die Reformation der Sternkunde“ (Jena 1852.)

    • Literatur

      Vgl. „Erinnerungsblätter der mathematischen Gesellschaft zu Jena“ von 1862.

  • Autor/in

    Eggeling.
  • Empfohlene Zitierweise

    Eggeling, "Apelt, Ernst Friedrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 1 (1875), S. 502-504 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118892355.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA