Lebensdaten
1914 bis 2003
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Bonn
Beruf/Funktion
evangelischer Theologe ; Kirchenhistoriker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11888557X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schneemelcher, Wilhelm Viktor Gustav Adolf
  • Schneemelcher, Wilhelm
  • Schneemelcher, Wilhelm Viktor Gustav Adolf
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Zitierweise

Schneemelcher, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11888557X.html [15.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Wilhelm (1872–1928), Dr. theol. 1897, 1902-14 Pfarrer am Friedrichs-Waisenhaus in Berlin-Rummelsburg, 1914-28 an d. Dorotheenstädt. Kirche in Berlin, 1902-22 Gen.sekr. d. Ev.-soz. Kongresses (s. BBKL 20; RGG4), S d. N. N. ( 1914), Buchbindermeister in Berlin, seit 1908 mit eigener Fa.;
    M Paula (1874–1951), Lehrerin, T d. N. N. Sachse ( 1901), Kaufm., Prokurist, Untern.;
    Berlin 1940 Eva Ackermann (1915–99), Angest. in d. Reichszentrale f. wiss. Ber.erstattung;
    3 S, 1 T.

  • Leben

    Nach dem Besuch der Vorschule des Franz. Gymnasiums seit 1921 und des Gymnasiums zum Grauen Kloster in Berlin seit 1923 studierte S. 1933-38 Theologie an der Univ. Berlin, u. a. bei dem Praktischen Theologen Leonhard Fendt, dem Kirchenrechtler Ulrich Stutz und v. a. bei dem Neutestamentler und Kirchenhistoriker Hans Lietzmann (1875–1942). 1938 legte er sein erstes theol. Examen ab und wurde gleichzeitig bei Lietzmann mit der Arbeit „Eine griech. Agende der jüd.-hellenist. Diaspora im VII. und VIII. Buch der Apostolischen Konstitutionen“ (ungedr.) zum Lic. theol. promoviert. Eine 1936 begonnene Tätigkeit als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter bei der Kirchenväterkommission der Preuß. Akademie der Wissenschaften endete 1939 wohl aus politischen Gründen (Mitgl. d. Bekennenden Kirche), so daß S. 1939-41 – mit Unterbrechung durch Kriegsdienst 1940 – eine Buchhändlerlehre absolvierte. 1942-45 nahm er erneut als Soldat am Krieg teil und geriet 1945 kurzzeitig in Gefangenschaft. 1947 bestand S. sein zweites theol. Examen in Hannover und nahm eine Tätigkeit als Hilfsprediger in Stöckheim bei Northeim auf. Zudem erhielt er seit 1946 Lehraufträge an der Univ. Göttingen, wo er sich 1949 mit einer Arbeit über „Urkunden zur Geschichte des arian. Streites“ (unveröff.) habilitierte und danach eine Assistentenstelle annahm (apl. Prof. 1953). 1954 wechselte er als ao. Professor, seit 1956 als Ordinarius für Kirchengeschichte (später NT u. Gesch. d. Alten Kirche) nach Bonn (Rektor 1967/68, em. 1979).

    In Bonn legte S. Arbeiten zur Entwicklung der theol. Grundlehren in der Zeit der Alten Kirche vor. Einen internat. Ruf als Patristiker erwarb er sich v. a. durch die „Neutestamentlichen Apokryphen in dt. Übersetzung“ (2 Bde.), die er im Anschluß an eine ältere Sammlung Edgar Henneckes (1865–1951) zweimal völlig neu bearbeitete. Die von ihm erstmals verantwortete 3. Auflage des ersten Bands (1959; Bd. II, 1964) avancierte als „Hennecke-Schneemelcher“ zum Standardwerk und wurde ebenso wie die 5. Auflage (1987/89) ins Englische übersetzt. Auch als Wissenschaftsorganisator übte S. großen Einfluß aus: Er wirkte als Präsident des Fakultätentags und als Vorsitzender der Theologentage in Berlin 1958/60 und war maßgeblich beteiligt an der Gründung der Patristischen Kommission der Akademien der Wissenschaften (1961/62). 1957 rief er die „Bibliographia Patristica“ ins Leben und führte die kritische Ausgabe der Werke des Athanasius von Alexandrien weiter. Seit 1963 gab er mit Kurt Aland die „Patristischen Texte und Studien“ heraus; daneben war er Mitherausgeber der „Zeitschrift für Kirchengeschichte“ (seit 1956) und des „Ev. Staatslexikons“ (1966; 31987). Dem Wissenschaftsrat gehörte er 1963-67 an. 1986-95 fungierte S. als Vorsitzender des Arbeitskreises gesellschaftlicher Gruppen des „Hauses der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“|in Bonn. Darüber hinaus setzte er sich für die ökumenische Verständigung ein und pflegte seit den 1960er Jahren v. a. zur griech. Orthodoxie intensive Kontakte.

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Rhein.-Westfäl. (später Nordrhein-Westfäl.) Ak. d. Wiss. (1973, Sekr. d. Kl. f. Geisteswiss. 1978–81, Präs. 1982–85); Dr. h. c. (Göttingen 1954, Straßburg 1966); Gr. BVK (1976) mit Stern (1984); Verdienstorden u. Staatspreis d. Landes NRW (1986 bzw. 1995).

  • Werke

    Weitere W Ges. Aufss. z. NT u. z. Patristik, 1974;
    Das Urchristentum, 1981;
    Reden u. Aufss., 1991; Rückblicke, Erinnerungen u. Betrachtungen, in: Dietrich Meyer (Hg.), KGesch. als Autobiogr., Ein Blick in d. Werkstatt zeitgenöss. Kirchenhist., II, 2002, S. 257-326 (P);|

  • Nachlaß

    Nachlaß: Univ.archiv Bonn.

  • Literatur

    W. A. Bienert (Hg.), Von Konstantin zu Theodosius, FS W. S., 1979;
    D. Papandreou u. a. (Hg.), Oecumenica et Patristica, FS W. S., 1989 (W, P);
    W. Kinzig, in: Theol. Lit.ztg. 128, 2003, Sp. 1118 f.;
    ders. u. a., In memoriam W. S., 2004;
    K. Schäferdiek, in: Zs. f. KGesch. 114, 2003, S. 147 f.;
    M. Honecker, in: Jb. d. Nordrhein-Westfäl. Ak. d. Wiss. 2004, S. 119-22 (P);
    LThK3, Erg.bd.;
    BBKL 27 (W, L);
    RGG4.

  • Autor/in

    Wolfram Kinzig
  • Empfohlene Zitierweise

    Kinzig, Wolfram, "Schneemelcher, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 283-284 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11888557X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA