Lebensdaten
1867 bis 1932
Geburtsort
Petershausen bei Konstanz
Sterbeort
Schweinfurt
Beruf/Funktion
Industrieller ; Kugellager- und Fahrzeugfabrikant
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118868845 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sachs, Karl Ernst Josef
  • Sachs, Ernst
  • Sachs, Karl Ernst Josef

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Zitierweise

Sachs, Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118868845.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Josef, Werkzeugmaschinenfabr. in Laupheim;
    M Pauline Mack;
    Schweinfurt 1895 Barbara (* 1875, ev.), T d. Wilhelm Höpflinger (1853–1928), Kugellagerfabr. in S. (s. NDB IX);
    1 S Willy (Wilhelm Josef) (1896–1958, Eleonore, * 1908, T d. Wilhelm v. Opel, 1871–1948, hess. Adel 1917, s. NDB 19);
    E Gunter (* 1932), Kunstsammler, Fotograf (s. Munzinger).

  • Leben

    Nach dem Schulbesuch in Konstanz und Zürich und der Lehr- und Gehilfenzeit in der feinmechanischen Werkzeugindustrie (u. a. bei Boley in Esslingen, wo er eine Präzisions-Fräsmaschine für Tresorschlüssel mit Manometeranzeige konstruierte) übersiedelte S. 1889 nach Frankfurt/M. Hier wurde er angestellt in der feinmechanischen Werkstätte Lorch Schmidt und begann zunächst eine Karriere als Radrennfahrer beim Frankfurter Velocipedclub, wo er bis zu einem schweren Trainingsunfall 1893 über 80 Siege errang. 1894 zog er nach Schweinfurt und arbeitete in der Fahrradhandlung seines Sportkameraden Philipp Schüllermann. Sein eigentliches Interesse aber galt der Weiterentwicklung des Fahrrads. Auf das von ihm erfundene „Fahrrad-Kugellager mit verschiebbarer Kugellauffläche“ erwarb er sein erstes Reichspatent (Nr. 84193, 23.11.1894). In dem international erfahrenen, aus alter Schweinfurter Familie stammenden Kaufmann Karl Fichtel (1863–1911), einem Enkel Wilhelm Sattlers (1784–1859), fand S. einen kapitalkräftigen Partner zur Gründung der „Schweinfurter Präcisions-Kugellagerwerke Fichtel & Sachs“ (1895). Entscheidende finanzielle Unterstützung gewährte auch sein Schwiegervater Wilhelm Höpflinger, einer der Schweinfurter Kugellagerpioniere. Die Weiterentwicklung der Schweinfurter Patent-Präcisions-Nabe zur Torpedofreilaufnabe mit Rücktrittbremse (1903) – erstmals waren hier Antrieb, Freilauf und Bremse in einem Aggregat vereinigt – ist als Geburtsstunde des modernen Fahrrads anzusehen. Die Markteinführung dieses Produkts, der bis in die 1980 Jahre meistproduzierten Rücktrittnabe der Welt, inszenierte S. mit einer bis dahin beispiellosen Pressekampagne. Ein weiteres Interesse S.s galt der Entwicklung von Kugellagern für schwer belastete Achsen. Mit dem 1905 patentierten „Wellenkorb“ gelang ihm die Konstruktion eines Kugelführungsringes, der die für Präzisionslager im Maschinen-, Automobil- und Flugzeugbau erforderliche hohe Tragfähigkeit ermöglichte; über 100 weitere Patente folgten. Neben dem Radsport engagierte sich S. als Sponsor auch im Automobil- und Flugsport. Nach Fichtels Tod übernahm er 1911 die alleinige Leitung der Firma, die in den Jahren vor dem 1. Weltkrieg erstmals Fabriken im europ. Ausland (Tschirnitz a. d. Eger) und in Übersee (Lancaster) errichtete. 1918 hatte die Firma als Rüstungszulieferer 8000|Beschäftigte. Dank des auch nach dem Krieg weiter expandierenden Marktes für Fahrräder gelang es S., die wirtschaftlichen Krisen- und Inflationsjahre relativ gut zu überstehen. Die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft 1923 veränderte die Leitungsstruktur nicht, da alle Aktien von den Familien Sachs und Fichtel gehalten wurden. Als die seit der Vorkriegszeit unter den dt. Kugellagerherstellern bestehende Konvention zur Preis- und Absatzregulierung unter dem Druck der ausländischen Konkurrenz und zollpolitischer Maßnahmen zusammenbrach, verkaufte S. 1929 seine Kugellagersparte an den schwed. SKF-Konzern.

    In die neuformierten „Vereinigten Kugellagerfabriken AG“, die 1931 ihren Sitz nach Schweinfurt verlegte, trat S. als Aufsichtsratsvorsitzender ein und zahlte vom Verkaufserlös die Fichteischen Erben aus. Die verbliebene Nabenproduktion ergänzte er durch zwei zukunftsträchtige Sparten: Kfz-Zubehör (Kupplungen, Stoßdämpfer) und Kleinmotoren. Der erste, 1930 in Serie produzierte Sachs-Motor (74 ccm, 1,25 PS) wurde in seiner vergrößerten Version (98 ccm, 2,25 PS) seit 1931 in nahezu alle Kleinkrafträder der namhaften Hersteller eingebaut und zum größten Erfolg nach der Torpedo-Nabe. Vom sozialen Engagement S.s zeugen u. a. die Werkswohnungen der „Ernst-Sachs-Kolonie“ und der Fonds der „Ernst-Sachs-Hilfe“. Den Bürgern der Stadt Schweinfurt errichtete er 1931/1933 das „Ernst-Sachs-Bad“, seinerzeit eines der modernsten Hallenbäder Deutschlands. Nach S.s Tod übernahm sein Sohn Willy die Leitung der Firma („Willy-Sachs-Stadion“, 1936). Die Aktienmehrheit der Fichtel & Sachs-Gruppe wurde 1987 von der „Mannesmann AG“ übernommen, 2000 von der „Siemens AG“ und 2001 von der „ZF Friedrichshafen AG“, heute als „ZF Sachs AG“, Schweinfurt.|

  • Auszeichnungen

    Kgl. Bayer. KR (1909), GKR (1917); Dr.-Ing. E. h. (TH München 1925); Ehrenbürger v. Schweinfurt (1927).

  • Literatur

    J. A. Lunkenbein, FS z. 25j. Jub. d. Kugellagerwerke Fichtel & Sachs Schweinfurt am M., [1920] (P);
    Das Bayerland 47, H. 7/8, 1936 (P);
    R. Allmers, in: Ll. Franken V, 1936, S. 311-31;
    ders., E. S., Leben u. Wirken, 1937 (P);
    E. Bäumler, Fortschritt u. Sicherheit, Der Weg d. Werkes Fichtel & Sachs, 1961 (P);
    B. Beck, in: R. A. Müller (Hg.), Unternehmer – Arbeitnehmer, Lb. aus d. Frühzeit d. Industrialisierung in Bayern, 21987, S. 243-51 (P);
    Fichtel & Sachs AG (Hg.), 1895/1995, 100 J. Sachs, Sachs-Journal [1995] (P);
    H.-E. Lessing, Patente Kugeln u. Kugelpatente, Schweinfurter Kugellager u. d. Firmengründer E. S., in: Kultur u. Technik 2, 1996, S. 27-33 (P).

  • Autor/in

    Uwe Müller
  • Empfohlene Zitierweise

    Müller, Uwe, "Sachs, Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 328-329 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118868845.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA