Lebensdaten
1499 oder 1500 bis nach 1562
Geburtsort
Flandern
Sterbeort
Kopenhagen (?)
Beruf/Funktion
Komponist ; Musiktheoretiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118834835 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Coclico, Adrianus Petit
  • Coclicus, Adrianus Petit
  • Coclicus, Adrian Petit
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Zitierweise

Coclico, Adrianus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118834835.html [09.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    1) Wittenberg 1545, 2) Wismar 1555 Ilsebe.

  • Leben

    Bis weit in das Mannesalter hinein bleibt das Leben C.s in Dunkel gehüllt. Wenn man seinen eigenen Angaben glauben darf, ist er ein Schüler des Josquin des Préz gewesen und nach musikalischer Tätigkeit in England, Frankreich und Italien seines protestantischen Glaubens wegen nach Deutschland geflohen. Ein seltsam zielloses Wanderleben führte ihn nach Wittenberg (1545–46), wo er sich vergeblich um eine Musikprofessur an der Universität bemühte, Frankfurt/Oder (1546), Stettin (1547) und Königsberg (1547–50, Mitglied der Hofkapelle Herzog Albrechts). In Nürnberg (1550 bis circa 1554), wo er zunächst im Hause seines flämischen Landsmanns J. Montanus, des bekannten Musikverlegers, unterkam, entstanden seine Hauptwerke: die Reservata-Motetten und das „Compendium Musices“, eines der wichtigsten Musiklehrbücher seiner Zeit. Hier gründete er eine Privatschule für Musik, Französisch und Italienisch. Nach einem kurzen Aufenthalt in Wismar (1555) wurde er Musiker und Sänger, später Sangmeister in der Kopenhagener Hofkapelle. Dort taucht sein Name noch bis 1562 in den Sängerlisten auf. Auch sein Tod wird nirgends gemeldet. C. hat alles getan, um der Nachwelt die Beurteilung seiner Persönlichkeit und Leistung zu erschweren: die eigenen Berichte über sein Schicksal enthalten derartige Mystifikationen, daß es schwer fällt, seinem wissenschaftlichen und künstlerischen Werk vorurteilslos gegenüberzutreten. Sein Ruhm gründet sich auf eine musikalische Stilrichtung, für die er mit seinen vierstimmigen Motetten von 1552 die ersten praktischen Beispiele lieferte und als deren Befürworter er auch in seinem „Compendium Musices“ auftrat: der Musica Reservata. Es handelt sich dabei um eine nur durch wenige Zeugnisse belegte und bis heute nur unbestimmt definierbare Kunstrichtung, die im Anschluß an Josquin des Préz und seine Nachfolger die Musik in extremer Weise der Textausdeutung dienstbar zu machen suchte und ihre Schöpfungen wohl für einen Kreis der Kenner „reserviert“ wissen wollte. Die bisher nur zum kleinen Teil neu edierten 41 Motetten des Druckwerkes von 1552 sind das wichtigste Dokument dieser Stilrichtung überhaupt.

  • Werke

    u. a. Musica Reservata, consolationes piae ex psalmis Davidicis …, Nürnberg 1552;
    Compendium Musices … in quo praeter caetera tractantur haec: De modo ornate canendi, De regula contrapunkti, De compositione, ebenda 1552, Faks.-Neuausg. v. M. Bukofer, 1954.

  • Literatur

    M. van Crevel, A. P. C., Leben u. Beziehungen eines nach Dtld. emigrierten Josquinschülers, Den Haag 1940 (P, W-Verz.), dazu H. Zenck, in: Archiv f. Musik-F 7, 1942, S. 170 ff.;
    E. R. Sholund, The Compendium Musices by A. P. C., Diss. Harvard Univ. 1952;
    H. Federhofer, Eine neue Qu. d. musica reservata, in: Acta Musicologica 24, 1952, S. 32 ff.;
    M. van Crevel, in: MGG (W-Verz., L, P);
    B. Meier, Eine weitere Quelle d. Musica Reservata, in: Die Musikforschung 8, 1955, S. 83 ff.

  • Autor/in

    Georg v. Dadelsen
  • Empfohlene Zitierweise

    Dadelsen, Georg von, "Coclico, Adrianus" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 306 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118834835.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Coclicus: Adrian Petit C., ein Schüler des Josquin des Pres, lebte um Mitte des 16. Jahrhunderts zu Nürnberg und gab daselbst heraus: „Compendium musices descr. ab Adriano Petit Coclico discipulo Josquini de Pres etc.“, Nürnberg bei Montanus und Neuber 1552, 15 Bogen 4. Im ersten Theile handelt er von der Erklärung der Musik und den Arten der Musiker, von der Scala, der Mutation, den Tonarten und ihren Regeln; im zweiten Theile von der Figuralmusik und der Mensur, dem Contrapunkt nach der Lehrmethode des Josquin, und der Composition. Die zahlreichen und wahrscheinlich von C. selbst verfaßten Notenbeispiele sind steif und trocken; besser ist der theoretische Theil. Geschichtlich nicht unwichtig sind die Erwähnungen der Methode, welcher Josquin beim Unterrichte sich bediente, und die in dem Capitel „De Musicorum generibus“ enthaltene Classification der früheren und gleichzeitigen Tonmeister. Sonst sind von C. weder Compositionen, noch andere Schriften bekannt geworden. S. Forkel, Geschichte II. 516; Heinrich Bellermann in Chrysander's Jahrb. II. 284. Vgl. ferner Joh. Voigt in der „Germania od. Vergangenheit, Gegenw. und Zukunft der deutschen Nation“, Bd. II, Leipz. 1852. S. 207 ff.; Ernst Paquet in d. „Niederrhein. Musikzeit.“, 9. Jahrg. (1861), Nr. 3, S. 17; L. O. Kade, das. Nr. 11, S. 81 ff.; und Fürstenau in den „Monatsheften f. Musikgesch.“, 7. Jahrg. (1875), Nr. 11, S. 166 ff.

  • Autor/in

    v. Dommer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Dommer, Arrey von, "Coclico, Adrianus" in: Allgemeine Deutsche Biographie 4 (1876), S. 385 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118834835.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA