Lebensdaten
1724 bis 1770
Geburtsort
Homburg vor der Höhe
Sterbeort
Homburg vor der Höhe
Beruf/Funktion
Dichter ; Philosoph
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 118834371 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Creutz, Friedrich Karl Kasimir Freiherr von
  • Creutz, Friedrich Casimir Karl Freiherr von
  • Creuz, Friedrich Casimir Karl Freiherr von
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Zitierweise

Creuz, Friedrich Karl Kasimir Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118834371.html [18.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus dem schlesischen, später auch in Sachsen u. Hessen ansässigen Geschl. Wirth od. Würth;
    V Joh. Christian Würth v. Mackau (1682–1732), 1712 v. Kaiser Karl VI. in den alten Freiherrnstand des Kgr. Böhmen erhoben als: v. Creutz Herr zu Würth;
    M Kath. Elis. ( 1724?), Pfarrers-T aus Uhrweiler im Elsaß; ledig.

  • Leben

    Nur kurze Zeit wurde C. von zwei Hofmeistern und dem Rektor der Homburger Schule unterrichtet; dann mußte er sich seine wissenschaftliche Bildung, die früh eine ungewöhnliche Weite gewann, autodidaktisch erwerben. Als Landgraf Friedrich IV. von Hessen-Homburg ihn zur Universität schicken wollte, erbat er sich stattdessen ein Amt. Er wurde 1746 zum Hofrat mit Sitz und Stimme in der Regierung ernannt und verbrachte von da an sein ganzes Leben im Dienst des homburgischen Hauses. Seit 1751 oberster Staatsrat, bemühte er sich unablässig um die Beilegung der Streitigkeiten zwischen Hessen-Darmstadt und Hessen-Homburg, was ihm 1755 die Verhaftung und zeitweilige Gefangensetzung eintrug, 1768 aber doch zu einem abschließenden Erfolg führte. In diplomatischer Mission kam er nach Berlin, Wien und an den kurpfälzischen Hof. 1764 erhielt C. den Titel Reichshofrat. Als Gelehrter fand er durch die Berufung in mehrere wissenschaftliche Akademien Anerkennung. Seine durch Überarbeitung geschwächte Gesundheit konnte durch keinen Kuraufenthalt wiederhergestellt werden; er starb im Beisein des jungen Landgrafen Friedrich V., auf dessen Erziehung er einen bedeutenden Einfluß ausgeübt hatte. C. rechts- und staatswissenschaftliche Schriften stehen in engem Zusammenhang mit seiner beruflichen Tätigkeit; sie sind zu einem Teil gegen seinen zeitweiligen Vorgesetzten Johann Jakob Moser und dessen Sohn Friedrich Karl gerichtet, zum anderen stellen sie eine selbständige Auseinandersetzung mit den Gedanken Montesquieus dar. Die Dichtung betrachtete er nur als ein Werk der „Nebenstunden“. Dennoch strebte er danach, in ihr seinen höchsten metaphysischen und moralischen Anliegen Ausdruck zu geben. Besser als im Drama gelang ihm das in der Ode, bei deren Behandlung er sich allerdings den Klopstockschen Neuerungen verschloß. Herders überwiegend negatives Urteil führte zur Nichtbeachtung des bedeutenden Anteils, der C. in der Nachfolge Hallers und Youngs an der Gefühlsdurchdringung lehrhafter Gehalte zukommt. Er ist am deutlichsten in den sechs Gesängen der „Gräber“ und in den „Lukrezischen Gedanken“. Hier führt der erlebnisechte Ausdruck vorfaustischer Elemente weit über die Aufklärung hinaus. Das Poetische hat den unbedingten Vorrang gegenüber dem System. C. war philosophierender Dichter und dichtender Philosoph. Dies kennzeichnet auch seine Stellung innerhalb der Geschichte der deutschen Psychologie. Ausgelöst wurde sein Nachdenken über die Seele durch ein immer neues Ringen um den Unsterblichkeitsglauben. Die Berufung auf die innere Erfahrung, durch die er den Grundgedanken Descartes' vom Emotionalen her wiederaufnahm, zeigt deutlich die Einwirkung des Pietismus, die wohl vornehmlich auf seinen Freund A. A. von Sinclair zurückgeht. Philosophisch war C. durch Leibniz und den Monadenstreit bestimmt: von daher gelangte er zur Annahme des „einfachähnlichen“ Mittelwesens der Seele. Seine Lehre von der Stufenordnung der Geister scheint Hamann angeregt zu haben, Seelenwanderungsgedanke und Entwicklungsidee weisen zu Herder hinüber.

  • Werke

    Oden u. Lieder, Frankfurt a. M. 1750;
    Unpartheyische Unters.(üb. Landeshoheit), o. O. 1750;
    Versuch üb. d. Seele, 2 T., Ffm. u. Leipzig 1753/54;
    Der sterbende Seneca, e. Trauerspiel, Frankfurt 1754;
    Die Gräber, e. Philos. Gedicht in 6 Gesängen, ebd. 1760;
    Considerationes Metaphysicae, ebd. 1760;
    Der wahre Geist d. Gesetze, ebd. 1766;
    Die Reliquien unter moral. Quarantaine, ebd. 1767 (von C. ?);
    Die Sache, wie sie ist, od. d. wahre Fürst u. d. wahre Minister, ebd. 1767;
    Patriot. Beherzigungen d. berüchtigten Herrn u. Dieners, ebd. 1767;
    Neue polit. Kleinigkeiten, ebd. 1767;
    Versuch e. pragmat. Gesch. v. d. Zusammenkunft d. Teutschen Nationalgeistes u. d. polit. Kleinigkeiten auf d. Römer zu Frankfurt, ebd. 1767;
    Oden u. andere Gedichte, auch kl. pros. Aufsätze, 2 Bde., ebd. 1769 (Gesamtausg. d. Dichtungen).

  • Literatur

    ADB IV;
    Goedeke IV, 1;
    C. Hartmann, C. u. s. Dichtungen, Diss. Heidelberg 1890;
    J. G. Herder, Werke, hrsg. v. B. Suphan, V, 1691, S. 290-303;
    R. Sommer, Grundzüge e. Gesch. d. dt. Psychol. u. Aesthetik v. Wolff-Baumgarten bis Kant-Schiller, 1892, S. 58-73;
    M. Dessoir, Gesch. d. neueren dt. Psychol., 21897, S. 173 ff.;
    W. Rüdiger, v. C., in: Taunusbote, Nr. 276/77, 1924;
    R. Unger, Hamann u. d. Aufklärung, 21925, S. 127, 129 u. ö.;
    W. Totok, Das Problem d. Theodizee in d. dt. Gedankenlyrik d. Aufklärung, Diss. Marburg 1948, S. 89 ff. (ungedr.);
    U. Bürgel, Die geistesgesch. Stellung d. Dichters F. C. C. v. C. in d. Lit. d. dt. Aufklärung, Diss. Marburg 1949 (ungedr.).

  • Autor/in

    Adalbert Elschcnbroich
  • Empfohlene Zitierweise

    Elschenbroich, Adalbert, "Creuz, Friedrich Karl Kasimir Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 413 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118834371.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Creutz: Friedrich Casimir Karl Freiherr v. C., philosophischer Schriftsteller, geb. zu Homburg 24. Nov. 1724, 6. Sept. 1770, lebte als Mitglied der Regierung zu Homburg. Er wurde 1746 zum hessen-homburgischen Hofrath, 1751 zum Staatsrath, 1756 zum Geheimrath und kaiserl. Reichshofrath befördert. Neben poetischen und politischen Schriften, deren Verzeichniß bei Meusel, Lexikon verstorbener deutscher Schriftsteller II. S. 228—30 zu finden ist, gehört er der Geschichte der philosophischen Wissenschaften durch psychologische Forschungen an. Sein „Versuch über die Seele“, Frankfurt und Leipzig 1753, beruht auf sehr ausgebreiteten Kenntnissen und Studien und verfolgt der herrschenden Wolff'schen Schulphilosophie gegenüber eine durchaus eigenthümliche Richtung. Er verwarf die Annahme, daß die Seele eine einfache Substanz sei, ohne zu behaupten, daß sie ein zusammengesetztes Wesen wäre. Sie soll ein Mittelding zwischen beiden, ein „einfachähnliches“ Wesen sein und aus Theilen bestehen, die wol außereinander, aber nicht ohne einander existiren können. Ferner lehrte er die Präexistenz der Seele, wie er auch die Unsterblichkeit derselben ausführlich zu beweisen suchte. Er fand sogleich einen philosophischen Gegner an Ch. Heinr. Hase, der gegen ihn seine „Disputatio de anima humana non medii generis inter simplices et compositas substantias“, Jena 1756 richtete, und mit Recht die Annahme dieses undenkbaren Mittelwesens bestritt.

    • Literatur

      Lobrede auf Creutz, Frankf. 1772; Meusel, Lex.; J. E. Erdmann, Versuch einer wissenschaftl. Darstellung etc. II, II. 5490 ff.; Zeller, Geschichte der deutschen Philosophie S. 300.

  • Autor/in

    Richter.
  • Empfohlene Zitierweise

    Richter, "Creuz, Friedrich Karl Kasimir Freiherr von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 4 (1876), S. 593 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118834371.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA